Menschenrechtler fordern Schließung der „Körperwelten“-Ausstellung: Von Hagens: „Hingerichtete wurden mir allenfalls untergeschoben“

Menschenrechtler fordern Schließung der „Körperwelten“-Ausstellung
Von Hagens: „Hingerichtete wurden mir allenfalls untergeschoben“

Gunther von Hagens schließt nicht aus, dass für seine umstrittene „Körperwelten“-Ausstellung auch die Leichen chinesischer Hinrichtungsopfer präpariert wurden. Wenn, dann seien ihm diese aber untergeschoben worden, erklärte der Leichen-Präparator am Donnerstag in Frankfurt.

HB FRANKFURT. Er erhalte die Leichen für seine Ausstellung von Instituten und staatlichen Stellen rund um den Globus, sagte von Hagens. Wie die Menschen im einzelnen zu Tode gekommen seien, wisse er nicht. Er verlange von den Behörden jedoch eine Bestätigung, dass die Lieferung der Leichen legal sei.

Er könne deshalb „nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht die eine oder andere Hinrichtungsleiche uns gebracht wurde“, sagte er. Um ganz sicher zu gehen, würden in China demnächst sieben Ganzkörper-Plastinate verbrannt und beigesetzt. Diese Plastinate wiesen Kopfverletzungen auf, zu denen er aber noch keine Einzelheiten nennen könne. Sieben Kopfverletzte bei einem Bestand von knapp 650 Leichen entsprächen jedoch der statistischen Wahrscheinlichkeit. Im Übrigen sei es in vielen Staaten üblich, Präparate von Hinrichtungsopfern anzufertigen. Er habe seinen Mitarbeitern jedoch untersagt, solche Leichen anzunehmen, und sich auf ihre Aussagen verlassen.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte forderte, die derzeit in Frankfurt gastierende „Körperwelten“-Ausstellung müsse geschlossen werden, bis die Herkunft der Leichen geklärt sei. Das Magazin „Der Spiegel“ hatte berichtet, von Hagens kaufe unter Missachtung internationaler Vereinbarungen vor allem in China in großem Stil Leichen auf und habe bis Ende 2002 auch Hinrichtungsopfer zur Plastination verwendet. Diese Opfer seien durch ein Einschussloch im Kopf und eine zur Organentnahme geöffnete Bauchdecke klar zu erkennen gewesen.

Auf die Frage, warum er sein Plastinationsunternehmen ausgerechnet in China angesiedelt habe, sagte von Hagens: „In China werde ich von den Behörden im Gegensatz zu Deutschland voll unterstützt.“ Straflager seien ihm in der Umgebung von Dalian bisher nicht aufgefallen. Der Ausstellungs-Macher kündigte an, die Zahl seiner Mitarbeiter in China nach und nach von derzeit 200 auf 600 zu erhöhen, um auch Schulklassen und andere Einrichtungen mit echten Präparaten versorgen zu können.

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