#metoo
Schauspieler und Politiker über sexuelle Belästigung

Weinstein löste es aus, nun berichten unter dem Hashtag #metoo tausende Frauen über persönliche Erlebnisse mit sexueller Belästigung. Mit der schwedischen Außenministerin meldet sich erstmals eine Politikerin zu Wort.
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Berlin/StockholmDie schwedische Außenministerin Margot Wallström hat im Rahmen der „#metoo“-Kampagne von sexueller Belästigung auch in Kreisen der Politik berichtet. „Ich will nicht zu persönlich davon erzählen, aber ich kann bestätigen, dass das auf höchstem politischen Niveau vorkommt und dass sogar ich das erlebt habe“, sagte sie der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Auf Facebook schloss sich Wallström der „#metoo“-Kampagne an. Unter diesem Stichwort berichten Frauen von Übergriffen und Belästigungen. Genauere Angaben, auf welchen Vorfall sie sich bezog, machte Wallström nicht. 2014 hatte die schwedische Politikerin in einem Buch von sexueller Belästigung bei einem Abendessen mit mehreren EU-Staats- und Regierungschefs berichtet. „Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Schenkel. Mein Tischnachbar begann, mich zu betatschen. Das war völlig irreal“, schrieb sie damals.

Den Namen des Tischnachbarn nannte Wallström nicht. Sie habe sich über ihn beschwert, wisse aber nicht, ob das Konsequenzen gehabt habe. Die „#metoo“-Kampagne war durch den Skandal um den unter Missbrauchsverdacht stehenden US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Rollen gekommen. Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste international eine Debatte über Missbrauch und Belästigung von Frauen nicht nur im Filmgeschäft aus.

Auch in Deutschland melden sich immer mehr Frauen, die von ähnlichen Übergriffen erzählen. So etwa die deutsche Schauspielerin Nina Brandhoff, das Ausmaß von sexueller Belästigung in der hiesigen Filmbranche deutlich gemacht. Die 43-jährige ist aus Auftritten in Serien wie „Um Himmels Willen“, „SOKO München“ und „Die Rosenheim-Cops“ bekannt.

Brandhoff schätze die meisten ihrer Kollegen sehr, „aber leider gibt es auch welche, die ihren Status als Hauptdarsteller ausnutzen“, sagte die Berlinerin laut „Spiegel Online“. Einer habe ihr während einer Drehpause das T-Shirt hoch gezogen, um drunter zu schauen. „Einer anderen Schauspielerin steckte er einfach seine Zunge ins Ohr. Er belästigt fast jede Frau am Set. Alle bekommen es mit. Aber keiner sagt etwas, dazu ist er für die Serie zu wichtig.“

Erst vor Kurzem habe Brandhoff von einem Regisseur, der ihr eine Rolle in Aussicht gestellt habe, den Satz zu hören bekommen: „Ich würde jetzt gern deine Brüste aus deinem Ausschnitt holen und daran herumspielen.“ Bei „Spiegel Online“ haben sich dem Bericht zufolge Dutzende Frauen gemeldet, die Ähnliches erlebt haben, aber nicht mit Namen darüber sprechen wollten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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