Mexiko-Besuch
Papst verurteilt Ausbeutung indigener Völker

Die sogenannte zivilisierte Welt müsse sich ein Beispiel an der Naturverbundenheit der indigenen Völker nehmen, mahnt der Papst. Stattdessen habe sie diese jahrhundertelang an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

San Cristóbal de las CasasPapst Franziskus hat die Ausbeutung der Ureinwohner Mexikos verurteilt. Sie seien jahrhundertelang ausgenutzt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden, sagte der Papst am Montag in einer Predigt im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas. Dabei könne die Welt von der Kultur der indigenen Völker und ihrer tiefen Wertschätzung der Natur lernen.

Die Messe vor rund 100 000 Gläubigen in San Cristóbal de las Casas war einer der Höhepunkte der Papstreise durch Mexiko. Viele von ihnen entstammten indigenen Gruppen, die Messe wurde deshalb auch in den örtlichen Sprachen Tzeltal, Tzotzil und Chol abgehalten, was der Vatikan kurz zuvor mit einem Erlass ermöglicht hatte.

Der erste lateinamerikanische Papst hatte sich bereits vergangenes Jahr umfassend für die Gräueltaten der Kirche an den Ureinwohnern des Kontinents entschuldigt. In seiner Predigt am Montag brachte er seine Forderung nach der Wahrung ihrer Kulturen mit einem weiteren zentralen Anliegen seines Pontifikats in Zusammenhang, dem Umweltschutz.

„Wir können angesichts einer der größten Umweltkrisen in der Erdgeschichte nicht länger schweigen. In dieser Hinsicht müsst ihr uns viel beibringen“, sagte er an die Adresse der indigenen Völker. „Einige haben eure Werte, Kultur und Traditionen als minderwertig angesehen. Andere haben - berauscht durch Macht, Geld und Marktströmungen - euer Land gestohlen und vergiftet“, sagte der Papst und sprach im Namen der Kirche ein kollektives „Vergebt mir“ aus. „Die Welt von heute, die so verwüstet ist von einer Wegwerfkultur, braucht euch.“

Der Klang von Marimbas, traditionellen Schlaginstrumenten aus Holz, begleitete den Auftakt der Papstmesse unter strahlend blauem Himmel. Auf der Bühne hinter dem Kirchenoberhaupt war die rot-gelbe Fassade der Kathedrale von San Cristóbal nachgebaut, die der Papst im Anschluss besuchte.

Insgesamt wurden in der Stadt 500 000 Gläubige erwartet, allein 100 000 davon für die Messe. Viele der Gläubigen hatten dafür die Nacht vor und in dem Sportareal ausgeharrt, in dem die Messe stattfand. José Transito Aguilar vom Volk der Tojolabal war einer von ihnen. Er sei sechs Stunden angereist, um den Papst zu sehen, den er sehr bewundere, sagte der Bauer. „Der Papst strebt nach Einigkeit. Er macht keinen Unterschied zwischen den Leuten.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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