Mexiko
Grippe: Die Geisterstadt der blauen Masken

Wer dieses Wochenende im Parque México im bohèmen Stadtteil Condesa von Mexico-Stadt nach einer Parkbank am Springbrunnen suchte, hatte die freie Auswahl. Kaum jemand traute sich aus Angst vor dem Schweinegrippen-Virus auf die Straßen und in die Parks der 22-Millionen-Metropole.

MEXIKO-STADT. Gewöhnlich ist der Parque México am Samstag und Sonntag beliebtes Ziel für Familien, alte und junge Leute, die den Kindern beim Fußballspielen zuschauen oder den Jazz-Bands lauschen. Doch nicht nur die Condesa mit ihren Grünflächen, Straßencafés und Restaurants gleicht gegenwärtig einem Geisterviertel. Die ganze Metropole ist erstarrt aus Angst vor Ansteckung mit dem neuartigen und gefährlichen Virus. Das öffentliche Leben ist völlig zum Erliegen gekommen – kein Wunder bei mehr als 100 Todesfällen und über 1300 Infizierten.

Schon am Freitag trafen die Behörden in Mexiko-Stadt drastische Vorsorgemaßnahmen: Kindergärten, Schulen, Universitäten und Theater sind bis auf weiteres geschlossen – mindestens bis zum 6. Mai. Insgesamt 553 Großveranstaltungen wurden an diesem Wochenende abgesagt. Bibliotheken und Museen öffneten erst gar nicht. Restaurants, Kneipen und Kinos blieben leer. Am Sonntag wurden die Messen abgesagt oder den Gläubigen Dispens erteilt. Wer am Radio die Messe verfolge, komme seiner Christenpflicht zur Genüge nach, teilte die katholische Kirche mit.

Die Spiele der mexikanischen Fußball-Bundesliga in der Hauptstadt und in angrenzenden Städten fanden am Wochenende zwar statt, aber vor leeren Rängen – die Behörden verfügten, dass die Zuschauer nicht in die Stadien durften.

An Flughäfen und Fernbus-Terminals wurden sanitäre Kontrollen installiert. Dort verteilen Soldaten kostenlos auch Mundschutz-Masken. Durch die leeren Straßen der Metropole patroulliert die Polizei auf der Suche nach Passanten ohne blaue Maske vor dem Mund. In den meisten Apotheken der Stadt sind die Schutzmasken ausverkauft. Am Samstag nahm die Polizei zwei junge Männer fest, die mit der Angst und der Knappheit der Masken ein Geschäft machen wollten. Sie verkauften die blauen Mundschutze für 50 Peso, umgerechnet knapp drei Euro, auf den Straßen – viel Geld im armen Mexiko.

So knapp wie die Mundschutze sind die Influenza-Impfstoffe. Sie sind derzeit nur noch für Ärzte, Krankenschwestern und andere Mitarbeiter des Gesundheitssystems verfügbar. Allerdings gebe es genügend Medikamente, um eine Million Menschen zu behandeln, die an Grippe erkrankten, betonte der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Marcelo Ebrard.

Nach Angaben von Ärzten und Experten in Mexiko-Stadt wird sich bis spätestens kommenden Mittwoch zeigen, ob die Schweinegrippe in der Megalopolis begrenzt werden kann oder sich zu einer Epidemie ausbreitet. So lange leisten die Bewohner den Aufforderungen der Behörden Folge: Nicht vor die Tür gehen und Körperkontakt vermeiden. Mexiko-Stadt und seine Menschen halten den Atem an.

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