"Michaela“ heizte Deutschland ein
Sommer der Rekorde geht zu Ende

Mit Temperaturen von bis zu 40 Grad ist es nun endgültig vorbei. Der Sommer verabschiedet sich am Freitag endgültig. Von Freitag an soll es in ganz Deutschland kühler werden und regnen. Damit verabschiedet sich das sommerliche Wetter - passend zum Beginn des meteorologischen Herbstes am kommenden Montag.

HB/dpa HAMBURG. Mit Rekorden hat der zu Ende gehende Sommer nicht gegeizt: Heißester Tag, wärmste Nacht, Rekord-Niedrigstände und wohltemperierte Flüsse und Seen - das Hoch "Michaela" heizte Deutschland in den vergangenen Wochen ordentlich ein. Den Flug in den Süden konnten sich die Menschen getrost sparen. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad und strahlendem Sonnenschein bot auch die Heimat mediterranes Urlaubswetter.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll es von Freitag an in ganz Deutschland regnen und kühler werden. Damit verabschiedet sich das sommerliche Wetter - passend zum Beginn des meteorologischen Herbstes am kommenden Montag.

Bereits der Juni war für diesen Sommer ein Auftakt nach Maß. Laut DWD gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1901 nie einen heißeren Juni in deutschen Landen. 3,5 bis 4 Grad über dem Monatsdurchschnitt lagen die Temperaturen deutschlandweit. Die Sonne schien mit rund 260 Stunden rund 40 Prozent länger als sonst üblich.

Richtig ins Schwitzen brachte die Deutschen jedoch das Hoch "Michaela" Anfang August. Im saarländischen Perl-Nennig erfasste der Wetterdienst Meteomedia am 8. August eine in Deutschland nie zuvor gemessene Hitze: 40,3 Grad und damit 0,1 Grad mehr als der bisherige - 1983 im bayerischen Gärmersdorf gemessene - Spitzenwert hielten die Mitarbeiter des Meteorologen Jörg Kachelmann fest. Auch in den Nächten bot "Michaela" kaum Abkühlung. In der Nacht zum 13. August maß der Deutsche Wetterdienst in Rheinland-Pfalz tropische 27,6 Grad - ebenfalls ein neuer deutscher Spitzenwert.

Viele Menschen hatten mit den hohen Temperaturen zu kämpfen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser zählten teilweise bis zu 50 Prozent mehr hitzegeschädigte Patienten als üblich. Die Todesserie in einem Darmstädter Altenheim ist jedoch entgegen ersten Befürchtungen nicht primär auf eine hitzebedingte Austrocknung zurückzuführen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kann man nicht von "einer ausgeprägten Austrocknung" bei den verstorbenen Senioren sprechen.

In Scharen strömten die Menschen auf der Suche nach Erholung und Abkühlung zu Schwimmbädern und Seen. Das niederschlagsarme Wetter sorgte auch dort für Spitzenwerte: Der Wasserstand des Bodensees ging am vergangenen Montag bis auf 2,83 Meter zurück, die Wassertemperatur stieg bis auf 26 Grad - beides neue Rekorde. Normal sind 3,95 Meter und 20,5 Grad.

Zu einem Problem wurden die niedrigen Wasserstände für die Binnenschiffer. Die Sächsische Dampfschifffahrt musste auf der Elbe die meisten Touren einstellen. Güterschiffe konnten auf vielen Flüssen nur noch einen Bruchteil ihrer maximalen Fracht transportieren, weil sie sonst auf dem Grund aufgesetzt hätten. Außerdem mussten zahlreiche Atomkraftwerke ihre Leistung verringern, weil ihr Kühlwasser sonst das wenige und bereits von der Sonne erhitzte Wasser der angrenzenden Flüsse zu sehr aufgeheizt hätte.

Der Deutsche Bauernverband befürchtet auf Grund der "Jahrhunderttrockenheit" katastrophale Ernteeinbrüche von bis zu 80 Prozent bei Getreide. Auch den Lebensraum zahlreicher Tiere in Deutschland bedrohte die Hitzewelle. So ging die Zahl der brütenden Uferschnepfen-Paare an Altmühl und Donau um zwei Drittel zurück. Die Kaulquappen von Gelbbauch-Unken trockneten mitsamt ihren Klein- Gewässern aus. Anderen Tierarten - Hasen, Schmetterlingen und Insekten - kam die Hitze hingegen zugute. Auch Deutschlands Winzer frohlocken: Sie erwarten in diesem Jahr einen Jahrhundertwein.

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