Militär-Schaulaufen
Der neueste Putin-Sport heißt Panzer-Biathlon

Mitten in der Eskalation der Ukraine-Krise greift Russland zu skurrilen Mitteln, um militärische Überlegenheit zu demonstrieren: Moskau lädt zur Panzer-Biathlon-WM. Doch sogar die Nato richtete lange einen ähnlichen Wettbewerb aus. Nach Russland reist nun aber kein Team des westlichen Militärbündnisses.
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Moskau, DüsseldorfDer Panzer mit der armenischen Flagge hat keine Chance. Quälend langsam schiebt sich das Kriegsgerät den Sandhügel hinauf. Von hinten rollt schon der Gegner an, nimmt die Erhebung und zieht mühelos vorbei. Die Zuschauer an der Strecke bejubeln die Aktion frenetisch. Der russische Panzer, gekennzeichnet mit blauem, dreieckigen Wimpel rast weiter. Sand spritzt unter den Panzerketten meterhoch auf und lässt den Gegner staubbedeckt und abgehängt zurück.

Das erfolgreiche Überholmanöver dürfte nach dem Geschmack von Russlands Präsident Wladimir Putin sein. Mitten in der Eskalation der Ukraine-Krise lässt er sein Militär die zweite Panzer-Biathlon-Weltmeisterschaft (World Tank Biathlon Championship) ausrichten. Und die Welt kann per Livestream und Youtube zuschauen.

Zwölf Nationen duellieren sich auf dem Militärstützpunkt in der Moskauer Provinz Alabino bis zum 16. August. In der Teilnehmerliste ehemalige Sowjet-Staaten und Verbündete: Weißrussland ist dabei, Kuwait und China sind es auch.

Außerdem starten Angola, Armenien, Venezuela, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei und Serbien. Damit die Teams unter gleichen Voraussetzungen starten können, bekommen alle auf Verlangen einen T-72 B Panzer des russischen Militärs gestellt, nur China benutzt laut russischen Medien eigene 96A-Panzer.

Die T-72-Panzer stammen aus den 70-er Jahren und wurden hauptsächlich in Sowjetkriegen und in Auseinandersetzungen wie dem Libanonkrieg 1982 eingesetzt. Russland hatte laut General Ivan Buvaltsev, Chef der Ausbildungseinheit des russischen Militärs, allen teilnehmenden Teams eine sechswöchige Trainingsausbildung mit den russischen Panzern angeboten.

Militärparaden auf breiten Boulevards auf der einen Seite, der neu erfundene Wettbewerb auf der anderen als Mittel Russlands, seine Kriegsgeräte und vermeintliche militärische Überlegenheit zu demonstrieren. Putin höchstpersönlich kam zur Eröffnung Anfang der Woche, bei der Armeehelikopter Manöver flogen. Hunderte Zuschauer säumen die WM-Strecke nahe Moskau, an der Panzer-Attrappen herausgeputzt wie Spielzeuge mit bunten Farben, Kulleraugen und Brille als Deko stehen.

Die dreiköpfigen Panzerbesatzungen müssen in ihrem Gefährt einen Hindernisparcours mit Wasserlöchern, Matschpisten, Hügeln und Steilhängen so schnell wie möglich bewältigen und gleichzeitig Treffsicherheit beweisen. Als Zielscheiben dienen in ein bis zwei Kilometer Entfernung Pappattrappen von Hubschraubern und anderen Panzern. Wie im echten Biathlon gibt es verschiedene Rennen, etwa Verfolgung und Sprint.

Bei jedem erfolgreichen russischen Manöver und Schuss ins Schwarze erschallen Jubelrufe aus dem Publikum. Als der russische Panzer mit vom Zusammenstoß mit einem Hindernis eingedellter linker Front die Ziellinie überfährt, ertönen „Russland, Russland“-Gesänge.

Selbst von den Rängen ist zu erkennen, welche Nation gerade vorne liegt. Denn jeder Panzer bekommt eine dreieckige andersfarbigen Wimpel, die Landesflaggen sind nur klein an den Seiten der Fahrzeuge zu sehen. Im vergangenen Jahr waren die Panzer noch komplett eingefärbt und trugen die Nationenflagge ebenfalls deutlicher zur Schau.

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Der neueste Putin-Sport heißt Panzer-Biathlon

Seite 2:

Auch die Nato veranstaltete bis 1991 einen Panzerwettbewerb

Kommentare zu " Militär-Schaulaufen : Der neueste Putin-Sport heißt Panzer-Biathlon"

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  • ist doch klasse, wäre das volk darüber lacht das die da oben panzer spielen, machen andere die pläne dafür klar 100tausende facharbeiter und friedensgläubige aus gaza nach deutschland zu holen. a) damit die hier machen können was sie wollen und b) damit israel ruhe bekommt.

    Perfekt.

  • @Peter Seher....eigentlich liebe ich es Menschen dumm sterben zu lassen aber bei Ihnen mach ich eine Ausnahme :))
    1.t-50 Pak Fa Ein Jäger ist der einzige Konkurent zur F22 Raptor. 30% Günstiger, 2 Tonnen leichter, und 1,5 mal schneller als der Raptor.

    2.Su-355 Jäger
    3.MIG-35
    4.Mi-28N fliegender Panzer
    5.KA-52 Alligator Heli
    6.Projekt Borej Unterwasserkreuzer
    7.Bulawa Rakete
    8..und und und

    Alle besser als die Gegenstücke der USA.

    Und als deutscher wäre ich sowieso ganz still was Waffen angeht. Unsere haben in Afghanistan komplett versagt. Unsere Hubschrauber können dort nicht mal fliegen weil sie kaputt gehen durch den Sand. Unsere Sturmgewehre verbiegen sich sobald es zu warm wird. Also hör lieber auf auf dieser Schiene zu fahren.

  • Ach Herr Seher.
    Es ist immer wieder beeindruckend die westliche Arroganz ggü. Russland zu sehen.
    Auch wenn deutsche und amerikanische Panzer technologisch sicher überlegen sind würde ich keine Sekunde an der Schlagkraft des russischen Militärs zweifeln.
    Putin muss nur kurz mit dem Finger schnipsen und schon ist die militärische Agression der Kiewer Putschregierung (mit Unterstützung amerikanischer Söldner) in der Ostukraine Geschichte.
    Und dann bin ich mal auf die Reaktion unserer US-"Freunde" gespannt. Dann gibts sicher richtig scharfe Sanktionen. Wahrscheinlich dürfen wir dann kein Öl und Gas mehr aus Russland importieren. Wird ein kuschliger Winter.
    ROTFL

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