Mille Miglia 2003
Uhrenmacher im Debütantenfieber

Uhren nach alter Tradition baut Chronoswiss-Chef Gerd-Rüdiger Lang. Privat liebt er automobile Tradition: Am 22.5. startet der Jaguar-Fan erstmals bei der Mille Miglia.

Sieben Mal habe ich mich schon für die Mille Miglia angemeldet – sieben Mal wurde ich abgelehnt. Schließlich dürfen nur 350 Autos starten, es bewerben sich aber meist mehr als 1 000 Interessenten.

Dazu kam, dass ich ein Auto habe, dass bei dieser Veranstaltung nicht gerade gesucht ist: den Jaguar XK 120 aus dem Jahre 1949, allerdings den mit Aluminiumkarosserie. Von dieser Serie wurden nur 260 gebaut, mein Auto ist die Nummer 62.

XK 120 heißt er deshalb, weil in diesem Fahrzeug zum ersten Mal der legendäre 3,4-Liter-XK-Motor verbaut wurde und weil das Fahrzeug für eine Spitzengeschwindigkeit von 120 mph ausgelegt war. Der XK 120 ist ein reinrassiger Roadster mit einem kleinen Notdach: einer der schönsten Oldtimer, die ich kenne.

Dass es jetzt beim achten Anlauf endlich mit der Mille klappt, darüber bin ich überglücklich. Da hat sicher auch die Fürsprache meines Kollegen Karl-Friedrich Scheufele, des Vizepräsidenten von Chopard, geholfen – schließlich ist Chopard seit Jahren Sponsor der Mille Miglia.

Das Rennen ist eine große Herausforderung für mich, schließlich bin gerade 60 geworden. Aber da fahren genügend andere in meinem Alter mit – es gibt keinen Grund, warum ich das nicht auch schaffen kann. Ich habe eine gute Unterstützung durch meinen Freund Klaus Hempe, der selbst auch schon Oldtimer-Rallyes gefahren ist und den ich als Beifahrer gewonnen habe. Für mich wäre es ein großer Erfolg, wenn ich unter die ersten 100 käme.

Verliebt in den E-Type

Ich selbst bin von jung auf dem Automobilrennsport eng verbunden. Den intensiven Kontakt hatte ich schon anfangs der siebziger Jahre, als ich für die Firma Heuer als Zeitnehmer bei der Formel 1 aktiv war. Damals hätte ich es mir aber nie träumen lassen, dass ich selbst mal in einem dieser Rennautos sitzen werde.

Als ich mich selbstständig machte, erwachte die Liebe zu offenen Sportwagen, insbesondere englischer Provenienz. Zwar fuhr ich auch einen Alfa Duetto und einen Porsche 914 mit der Zwei-Liter-Maschine, aber im Grunde neigte ich immer mehr den Engländern zu: dem Triumph TR 6, den MG. Später kaufte ich mir dann den Traum jedes Oldtimer-Fahrers, den E-Type – den habe ich heute noch.

Und wenn man sich an einem schönen Auto erfreut, dann will man die Familie vergrößern. So sind dann noch zwei, drei andere Jaguars dazugekommen, unter anderem der XK 120, mit dem ich bei der diesjährigen Mille Miglia starte.

Aber zunächst habe ich mit kleineren Oldtimer-Rallyes angefangen, bei denen es ja nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um genaue Einhaltung der vorgegebenen Zeiten geht. Da habe ich als Uhrmacher vielleicht einen kleinen Vorteil – weil ich genau weiß, wie lange eine Minute oder eine Sekunde ist.

Und so habe ich auch schon Erfolge gefeiert, wie beispielsweise den Gesamtsieg in der Silvretta Classic 1999, die ich mit meiner Kollegin Josefine Müller gewonnen habe.

Mille Miglia - die Krone dieses Sports

Wenn man das mal geschafft hat, hat man in der Szene einen Ruf weg, weshalb ich auch bei anderen Rallyes in Deutschland und Österreich ein gern gesehener Teilnehmer bin. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass Chronoswiss auch Oldtimer-Veranstaltungen sponsert.

Die Krone dieses Sports ist für mich die Mille Miglia storica, die Renaissance des legendären Rennens mit den Original-Fahrzeugen.

Mir ist klar, dass ich von der wunderschönen Landschaft, durch die die Rallye führt, nicht viel haben werde. Denn das Rennen wird mich voll fordern – schließlich ist es nicht auf Langsamkeit ausgelegt.

Ich fahre da nicht einfach zur Gaudi mit, ich möchte das Möglichste aus mir und dem Fahrzeug herausholen. Schließlich ist eines meiner größten Motorsport-Vorbilder ein ehemaliger Mille-Miglia-Sieger: Stirling Moss, der 1955 mit Dennis Jenkinson im Mercedes SLR eine absolute Fabelzeit fuhr. Die brauchten unter zehn Stunden für die 1000 Meilen.

Das ist für mich heute unvorstellbar, denn die beiden fuhren einen Schnitt von mehr als 160 km/h, obwohl es zum Teil über unbefestigte Straßen ging.

Dennoch werden ich und das Fahrzeug gut vorbereitet sein. Aber trotz des großen Vorbilds und bei allem Ehrgeiz werde ich natürlich meinen Beifahrer, mich oder das Auto nicht in kritische Situationen bringen, nur um ein paar Sekunden herauszuholen – schließlich ist auch schon das Ankommen ein großer Erfolg.

*Aufgezeichnet von Martin Häußermann

Quelle. Handelsblatt

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