Milliarden für Hilfsprojekte
Deutsche sind nach wie vor sehr spendabel

Spendabel, spendabel: Sechs Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr in Hilfsprojekte weltweit gesteckt. Ein Land wurde dabei fast völlig ignoriert: Syrien. Für Experten liegen die Gründe auf der Hand.
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BerlinTrotz der Euro-Krise greifen die Deutschen für Spenden weiter tief in die Tasche. Nach den neuen Zahlen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) flossen im Jahr 2011 rund sechs Milliarden Euro aus deutschen Privatschatullen weltweit in Hilfsprojekte. „Die Spendenbereitschaft ist sehr stabil. Negative Auswirkungen der Finanzkrise sind nicht zu beobachten“, sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke zum Welttag der humanitären Hilfe an diesem Sonntag. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, dankte Helfern und Spendern.

Die Hilfsorganisation Care beklagt allerdings, dass Helfer durch weniger Spenden ihre Projekte nicht ausweiten könnten. Vor allem Aufrufe zur Unterstützung langfristiger humanitärer Projekte bekämen zu wenig Resonanz, sagte Care-Präsident Heribert Scharrenbroich. „Für die Nahrungskrise im Sahel, wo 18 Millionen Menschen hungern, fehlen derzeit etwa 650 Millionen Euro“, sagte er. Eine derartige Unterfinanzierung der Nothilfe sei ein neuer trauriger Rekord.

Für das erste Halbjahr 2011 war auch das DZI zunächst von einem spürbaren Spendenschwund ausgegangen. Das habe sich für das Gesamtjahr aber nicht bestätigt, sagte Wilke. Insgesamt seien nur rund 100 Millionen weniger gespendet worden als 2010. Das liege auch daran, dass die Deutschen damals für die Erdbebenopfer von Haiti (230 Millionen Euro) und die Flutopfer in Pakistan (200 Millionen Euro) etwas tiefer in die Tasche gegriffen hätten. Im vergangenen Jahr überwiesen die Deutschen nach dem Tsunami in Japan privat 72 Millionen Euro. Für Ostafrika kamen 193 Millionen zusammen. „Das ist eine erfreulich große Summe“, sagte Wilke.

Den einzigen spürbaren Spendenrückgang in den vergangenen Jahren habe es mit rund 5,3 Milliarden Euro 2009 gegeben. „Experten haben das mit der schockartig eingetretenen Weltfinanzkrise in Zusammenhang gebracht“, sagte Wilke. In Deutschland sei daraus aber kein nachhaltiger Effekt entstanden. Ohne die Sondereffekte aus den großen Katastrophen-Spendenkampagnen sei im Vergleich zu 2011 sogar ein Plus von bis zu einem Prozent zu verzeichnen.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Wilke, für Syrien gebe es „wenige vereinzelte Spendenaufrufe“. Auch die Zahl der Anfragen von Spendern sei sehr gering. „Dass das Interesse nicht so groß ist, liegt sicher auch an der Bürgerkriegssituation in Syrien. Spender können nicht erkennen, wo der Böse und wo der Gute sitzt.“

Das Auswärtige Amt wird 2012 voraussichtlich 113 Millionen Euro für humanitäre Hilfe, Minenräumen und Katastrophenvorsorge ausgeben. Schwerpunkte der deutschen Hilfe sind Afrika, Afghanistan, die palästinensischen Gebiete und aktuell Syrien.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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