Millionenschäden in NRW Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter

Wer nicht raus muss, sollte zu Hause bleiben: Die Feuerwehren sind seit der Nacht im Dauereinsatz, die NRW-Regierung rechnet mit Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Indes bilden sich neue, gewaltige Gewittercluster.
Update: 10.06.2014 - 14:56 Uhr 19 Kommentare

Unwetter hinterlässt Verwüstung

DüsseldorfDie Abfahrt ist so nah – und doch so weit entfernt. Auf der A45 im Dortmunder Westen stehen die Autos, weil entwurzelte Bäume und mannshohe Äste auf beiden Spuren liegen. Ein paar Männer in kurzen Hosen, einige nur mit Flipflops an den Füßen, steigen aus, um die Sperren beiseite zu wuchten. Während es am dunklen Himmel immer noch bedrohlich grummelt, räumen sie zumindest die linke Spur frei. Die Autos holpern über Zweige und Blätter weiter – Richtung Abfahrt ein paar hundert Meter entfernt.

Die Räumaktion in Sommerkleidung ist ein Sinnbild für das schwere Unwetter, das am späten Pfingstmontag Nordrhein-Westfalen erschütterte. Die Autofahrer auf der A 45 kamen immerhin noch bis zum Rastplatz. Zuvor hatten Unwetter NRW erschüttert wie schon seit Jahren nicht mehr.

Wie hoch die Schäden sind, kann das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstagmittag noch nicht genau beziffern. „Wir müssen damit rechnen, dass der Schaden insgesamt auf einen zweistelligen Millionenbetrag hinausläuft", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Dienstag in Düsseldorf. Auch die sächsische Regierung rechnet mit Schäden in dieser Höhe. Allein der Versicherer Provinzial Rheinland hat am Dienstagnachmittag bereits Schadensmeldungen über 20 Millionen Euro vorliegen.

Genauere Schätzungen seien wohl erst in einigen Tagen möglich. „Das war eines der schwersten Unwetter der letzten 20 Jahre in NRW", sagte Jäger. Der Jahrhundertsturm Kyrill hatte 2007 Schäden an der Infrastruktur von 505 Millionen Euro angerichtet.

Der Versicherer Provinzial Rheinland rechnet nach den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen mit Millionen-Schäden. "Die Schadenssumme wird alleine bei unseren Kunden deutlich über 20 Millionen Euro betragen", erklärte Provinzial-Bereichsleiter Günter Mohr am Dienstag. Dem Versicherer seien bereits mehrere tausend Schadensfälle gemeldet worden.

Auffallend viele Schäden seien durch umgestürzte Bäume verursacht worden, hieß es weiter. Aber auch Hagel, Blitz und Starkregen machten den Kunden des Versicherers zu schaffen.

20.000 Blitze innerhalb von zwei Stunden zuckten aus dem dem tiefschwarzen Himmel, die Sturmböen bis zum 150 km/h sorgten dafür, dass der heftige Regen über der Landeshauptstadt Düsseldorf waagerecht durch die Straßen getrieben wurden. Die Bilanz am Morgen danach ist verheerend: Abgedeckte Häuser, blockierte Straßen, unter Bäumen begrabene Autos – und sechs Tote, in Düsseldorf, Köln und Essen.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf kamen drei Menschen ums Leben. Wie örtliche Medien unter Berufung auf die Feuerwehr berichteten, starben sie, als ein Baum auf ein Gartenhaus stürzte, in dem sie Schutz gesucht hatten. Demnach wurden bei dem Unglück auch mehrere Menschen verletzt. Die Düsseldorfer Feuerwehr warnt die Bevölkerung vor herabstürzenden Dachteilen oder Astwerk und rät, das Haus nur zu verlassen, wenn es wirklich notwendig ist.

Umgestürzte Bäume, herabgefallene Äste und Blätter soweit das Auge reicht: Auch die Straßen und Bürgersteige in Essen waren selten so grün wie an diesem Dienstag. Vor allem Berufspendler bekommen die Nachwehen des Unwetters zu spüren: Der Nahverkehr ist am Morgen komplett eingestellt, am späten Vormittag fahren zumindest drei U-Bahn-Linien wieder und Busse je nachdem, ob wieder ein Durchkommen ist.

Das Chaos am Morgen danach
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Nach der Rekordhitze an den Pfingsttagen haben am späten Montag in Teilen Nordrhein-Westfalens heftige Unwetter gewütet. In Düsseldorf (im Bild), Köln und Essen kamen fünf Menschen ums Leben (Foto: Rüdel).

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Am Morgen danach: Der Blick aus einem Düsseldorfer Fenster. Mit Dank an Twitter-Nutzer @udovetter.

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Autofahrer erlebten am Morgen eine böse Überraschung: In vielen Gegenden wie hier im Düsseldorfer Süden waren Straßen wegen umgestürzter Bäume unpassierbar. Der Weg zur Arbeit wurde so zur Tortur...

Hauptbahnhof Köln
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Aber auch wer auf Zug und Bahn umsteigen wollte, hatte es nicht unbedingt leichter. Nach den zahlreichen Streckensperrungen gab es viele Zugausfälle und Verspätungen im Bahnverkehr.

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Auch die Zentrale der Ergo-Versicherung blieb vom Unwetter nicht verschont. Den eindrucksvollen Blitzeinschlag kann man auch im Video verfolgen.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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Herabfallende Äste waren vielerorts noch das kleiner Übel. Gefahr ging auch von Bäumen aus, die nach dem Sturm komplett umknickten oder vom Wind entwurzelt wurden.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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In Neuss liegen die Überreste eines Flachdaches liegen. Der Wind hat das Bauelement in seine Einzelteile zerlegt.

Aus Essen rauszukommen bleibt aber weiterhin fast unmöglich. Am Hauptbahnhof fährt kein Zug ab. Die Hauptstrecken nach Dortmund und ins Rheinland bleiben auch am Mittag gesperrt. Im Bahnhof richten sich viele Fahrgäste auf einen längeren Aufenthalt ein, auf Handtüchern und Decken liegen sie in den Gängen, während sich vor dem Info-Schalter teilweise eine Schlange bis auf den Vorplatz bildet.

Die Bahn gibt Taxischeine aus - doch die Fahrer wollen lieber Bares oder fahren den Bahnhof erst gar nicht an. Weit käme man mit dem Taxi ohnehin nicht, auf den Autobahnen im Ruhrgebiet gibt es kilometerlange Staus. Insgesamt gab es um acht Uhr am Morgen allein auf den NRW-Straßen über 270 Kilometer Stau.

In Köln wurde ein Radfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen. Wie die Polizei mitteilte, zog sich der etwa 50-jährige Mann „schwerste Verletzungen zu, denen er noch am Unglücksort erlag". Der etwa 20 Meter hohe Baum wurde demnach vermutlich von einem Blitz getroffen.

Blitzschläge, Hagel, orkanartige Böen und Starkregen
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19 Kommentare zu "Millionenschäden in NRW: Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter"

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  • Zitat : Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter

    - bei dem Unwetter in NRW hat sich wieder mal bestätigt, welche Loser, insbesondere vom GEZ-TV, uns das tägliche Wettermärchen, umhüllt in Show und Witz, präsentieren !

    Die Wettervorhersage sollte man abschaffen : denn mehr als die Vorhersager lügen nur noch Politiker !

    Und das alles noch für unsere Gebühren .....

    wir werden abgezockt und belogen !


    .

  • @Europäer
    Auch Sie werfen Nebelkerzen mit Ihrer Betrachtung. Außerdem bringen Sie wieder den Gesamtzusammenhang ins Gespräch, während ich den Anteil Deutschlands betrachtet habe, der ohne jede Bedeutung ist. Sie haben ebenfalls vergessen, dass bereits seit 15 Jahren keine Erderwärmung mehr stattfindet, was von der UNO auch eingestanden worden ist, und das bei steigendem CO2-Gehalt in der Luft.
    Inzwischen muss man sich von dem Zusammenhang von CO2 und Erderwärmung wohl verabschieden. Da sind die Zig-Milliarden € wohl vergeblich verbraten worden.

  • @conforma; Sie lenken vom Thema ab. Es geht nicht darum, natürliche Klimaschwankungen in den Griff zu bekommen. Die verlaufen, nach menschlichen Maßstäben, sehr langsam und ändern können wir sie eh nicht.

    Es geht darum, den anthropogenen Klimawandel zumindest einzuschränken. Knapp 1°C in 100 ist gegenüber natürlichen Klimaschwankungen schon üppig und der Effekt wird sich eher beschleunigen als verlangsamen.

  • @el sapo;

    der Anteil von CO2 in unserer Atmosphäre ist bekannt und ebenso der Anteil, den Deutschland am weltweiten CO2-Ausstoß von ca 35.000.000.000 to pro Jahr hat. Es sind aktuell ca. 950.000.000 to pro Jahr, was gegenüber 1990 bereits eine Einsparung von rund 24 % ist.

    Es ist genau diese Menge, die jedes Jahr zusätzlich zu den natürlichen CO2-Emissionen in die Atmosphäre gebracht wird und sich anreichert. Den Effekt sehen wir. Zusätzlich zur natürlichen Treibhauseffekt von ca. 33°C ist die Erde seit Beginn der Industriealisierung um ca. 1,0° wärmer geworden.

    Ihr Hinweis auf den geringen Anteil des CO2 an der Atmosphäre hilft Ihrer Argumentation nicht. Das sind Nebelkerzen. Wenn ein 85 kg-Mensch nur 30 g Alkohol zu sich nimmt, sind das auch nur 0,035 % des Körpergewicht und dennoch hat er/sie 0,5 Promille und ist fahruntüchtig.

  • @el Sapo;

    es geht in dem Experiment darum, die Wirkung des CO2 zu zeigen. Wird bei sonst gleichen Verhältnissen ein Glasbehälter mit CO2 gefüllt, dann wird die Temperatur bei gleicher Energiezufuhr höher. Das ist die Wirkung des CO2, welches den Glashauseffekt durch die Glasscheibe noch weiter steigert.

    http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2011/0130/treibhaus.jsp

  • @ Dilling,
    sie reiten wie Al Gore auf dem CO2 'rum, als wenn dieser Chem-Gas-Anteil das Non-Plus-Ultra der Klima-Betrachtung ist. Ist es nunmal nicht - ich hatte Ihnen ein paar Punkte genannt, die bei der Interdependenz der Gesamt-Faktoren berücksichtigt werden müssen. In der Vergangenheit haben die Menschen noch gar kein CO2 in Mengen produzieren können, und da gab es noch viel schlimmere Klima-Schwankungen. Und ich darf Ihnen eine wissenschaftlich eindeutige Sach-Wahrheit nennen: Etwa alle 100.000 Jahre schwankt der Meeres-Spiegel um bis zu plus/minus 100 Metern. Deshalb, was soll dieser horrende dauernde Tunnelblick auf das CO2 - der Klima-Wandel wird nicht vom Menschen beeinflusst und erst recht nicht von ihm verursacht. Man kann wirklich langsam verzweifeln an der Klima-"Bildung" der Menschen und auch der Politiker, die uns aus Interessen-Gründen verdummen wollen..!

  • Schuld an der nunmehr zum Stillstand gekommenen Erderwärmung ist angeblich das Kohlendioxyd, ein unverzichtbares Gas, das das Pflanzenwachsstum stimuliert. Es ist in der Luft mit einem Anteil von 0,038 %
    enthalten. Auf 3.000 Luftteilchen kommt also ein Teil CO2. Davon sind 96 % natürlichen Ursprungs und können vom Menschen nicht beeinflusst werden. Die übrigen 4 % sind angeblich von Menschen verursacht. Für diesen Rest ist Deutschland mit nur 3,1 % als Verursacher ausgemacht. Wenn Sie nun die Rechnung vollziehen, ist Deutschland für 0,000047 % des weltweiten "Klimagases" verantwortlich. Das ist unsere "Stellschraube", mit der Frau Merkel die Klimaerwärmung auf + 2 ° begrenzen will.

  • @Dilling
    In Ihrem Vergleich ist nur ein kleiner Fehler: Sie dürfen die Terrarien nicht mit einem Glasdeckel verschließen. Sie müssen oben offen bleiben, wie die Erde.


  • @Adelheid; richtig: Klimawandel hat es immer gegeben, Unwetter hat es immer gegeben; Überschwemmungen hat es immer gegeben.

    War alles nicht so toll.

    Darum sind die Menschen sich ja auch im Klaren darüber, dass sie einen durch das zusätzliche CO2 verursachten Klimawandel mit den Folgen vermeiden wollen.
    Das Neue an der aktuellen Situation ist halt, dass jetzt plötzlich eine Spezies auf der Erde lebt, die ein Großteil des als Öl, Gas und Kohle gespeicherte CO2 in 2 Jahrhundert ans Tageslicht befördert und in die Atmosphäre bringt. Das gab es noch nie.

  • @conforma
    Eine halbwegs belastbare Klimaentwicklung zu prognostizieren ist in der Tat nicht einfach, da es viele gegenseitig verstärkende, oder abschwächende Wechselwirkungen existieren. Dies negiert aber nicht die nach aktuellem Wissensstand gültige Aussage, einer von Menschen gemachte Klimaveränderung. Derzeit ist die Kohlendioxid-Menge in der Atmosphäre die höchste seit 650.000 Jahren. Der nicht zu leugnende Erhöhung der CO2 Konzentration in der Atmosphäre beschleunigt sich sogar und das in einem erdgeschichtlich betrachtet atemberaubenden und noch nie dagewesenen Tempo.

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