Mindestens 1500 Tote

Das Ausmaß der Zerstörung ist noch nicht auszumachen

Zahlreiche Gebäude und Tempel stürzten in Nepals Hauptstadt Kathmandu ein. Das schwerste Erdbeben seit 81 Jahren hat Hunderte Menschen begraben. Etliche Nachbeben treiben die verängstigten Überlebenden auf die Straßen.
Update: 25.04.2015 - 22:20 Uhr

Schweres Erdbeben erschüttert Nepal

KathmanduEin gewaltiges Erdbeben der Stärke 7,8 hat den Himalaya erschüttert und in mehreren Ländern über 1500 Menschen getötet. Besonders schlimm traf die Katastrophe Nepal. Dort sagte Informationsminister Minendra Rijal am Samstagabend, es seien in dem Land mindestens 1457 Menschen gestorben. Die endgültige Zahl der Toten könne womöglich noch dreimal so hoch liegen. Auch die Zahl der Verletzten ging in die Tausende.

In Nepals Hauptstadt Kathmandu stürzten zahlreiche Gebäude und Tempel ein, darunter Unesco-Weltkulturerbestätten. Im angrenzenden Indien, in der chinesischen Region Tibet und in Bangladesch waren Dutzende Tote zu beklagen. Erste Hilfsmaßnahmen liefen an. Aus aller Welt gab es Beileidsbekundungen.

Im rund 700.000 Einwohner zählenden Kathmandu flohen die Menschen auf die Straße. Dort harrten sie stundenlang aus, da es zu vielen Nachbeben kam. Sie fürchteten sich davor, in ihre Häuser zurückzukehren. Der Verkehr kam zum Erliegen, weil die Straßen aufrissen. Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam nur etwa 80 Kilometer von Kathmandu entfernt, in etwa 18 Kilometern Tiefe.

Tausende Tote im Himalaya
Trümmer in Kathmandu
1 von 9

Mehr als 90 Sekunden lang bebt die Erde im Himalaya. Das Beben habe die Stärke 7,3 gehabt, meldete das Deutsche Geoforschungszentrums in Potsdam. Die US-Erdbebenwarte sprach sogar von der Stärke 7,9. Das Zentrum lag demnach etwa 80 Kilometer Luftlinie westlich der Hauptstadt Kathmandu, in nur 15 Kilometern Tiefe.

Helfer in den Trümmern
2 von 9

In der Altstadt von Kathmandu sei der Verkehr zum Erliegen gekommen, weil zahlreiche Straßen aufbrachen, berichtete Autor Kashish Das Shrestha von vor Ort. Verletzte würden in Krankenhäuser gebracht. Zahlreiche Nachbeben verunsichern die Menschen.

Durbar-Platz in Kathmandu
3 von 9

Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus – ein Unesco-Weltkulturerbe – sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte Shrestha. Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen. Der neunstöckige Dharahara-Turm sei in sich zusammengestürzt

Zerstörung in Kathmandu
4 von 9

Von dem Turm sei nur Schutt übrig geblieben, in dem Berichten zufolge Menschen gefangen sein sollen. Die Altstadt von Kathmandu besteht aus einem Gewirr von Gassen, an deren Seiten Häuser stehen, die von schlechter Bauqualität sind.

Glück gehabt
5 von 9

Helfer tragen einen staubbedeckten Mann aus den Trümmern: Viele andere Nepalesen hatten nicht soviel Glück. Mindestens 876 Menschen sollen bei dem Beben umgekommen sein.

Auf dem Land
6 von 9

Das Epizentrum des Bebens lag 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu in einer Tiefe von elf Kilometern, wie Nepals Informationsminister Minendra Rijal dem indischen Sender NDTV sagte. Das Tal von Kathmandu ist dicht besiedelt, fast 2,5 Millionen Menschen leben hier.

Patienten außerhalb der Krankenhäuser
7 von 9

Ein verletztes Kind wartet auf medizinische Hilfe: Auf einem Parkplatz eines Krankenhauses in Kathmandu versammelten sich Dutzende Menschen. Für die Patienten waren Matratzen ausgelegt worden.

Das ganze Ausmaß der Zerstörung in Nepal sei noch nicht auszumachen, sagte auch Nepals Innenministeriumssprecher Laxmi Dhakal. „Wir haben noch nichts von weit entfernten Dörfern gehört.“ In den betroffenen Gebieten wurde der Notstand ausgerufen.

Wegen des Erdbebens löste sich auch eine Lawine am Mount Everest und verschüttete mehrere Bergsteiger. Allein das Expeditions-Team der indischen Armee habe 13 Leichen aus dem Basislager ins Tal gebracht, teilte die Armee am Samstag auf Facebook mit. Es handele sich um ausländische Bergsteiger, die sich auf den Gipfel vorbereitet hätten. Die Suche und Rettungsaktion dauere an.

Die Lawine ging in der Nähe des Everest-Basislagers ab. Dort hätten sich Hunderte Bergsteiger auf den Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt und andere umliegende Gipfel vorbereitet, sagte Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium in Kathmandu.

Indiens Luftwaffe schicke mehrere Flugzeuge mit Nahrungsmitteln, Wasser und Rettungsausrüstung. Auch Spürhunde, Ärzte und Krankenpfleger seien an Bord, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi.

Ein Erdbeben hat Nepal verwüstet: Mehr als 870 Tote forderte die Katastrophe im Himalaya. Quelle: ap
Zerstörung in Kathmandu

Ein Erdbeben hat Nepal verwüstet: Mehr als 870 Tote forderte die Katastrophe im Himalaya.

(Foto: ap)

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten sich tief erschüttert. „Mit großer Bestürzung habe ich von der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Nepal erfahren, die so viele Menschenleben gekostet und so großen Schaden auch am kulturellen Erbe Ihres Landes angerichtet hat“, schrieb Gauck an seinen nepalesischen Amtskollegen Ram Baran Yadav. Die Bundesregierung stehe bereit, nach Kräften zu helfen, ließ Merkel in Berlin mitteilen. Auch die Europäische Union (EU) will etwas tun.

Die US-Regierung stellte eine Soforthilfe in Höhe von zunächst einer Million Dollar bereit. Außerdem solle ein Hilfsteam in die Region entsandt werden, wie das Weiße Haus mitteilte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte umfassende Hilfsmaßnahmen der Vereinten Nationen an. Papst Franziskus betete für die Opfer des Erdbebens.

In Deutschland bereiteten sich Helfer für einen Einsatz im Himalaya vor. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagte ein Sprecher des Technischen Hilfswerks in Bonn. Die Organisation Humedica wollte am Sonntagmittag ein sechsköpfiges Einsatzteam losschicken nach Nepal. Der Arbeiter-Samariter-Bund kündigte ebenfalls eine Mission für Sonntag an.

Die Welthungerhilfe wollte mit ihren Nothilfeteams den betroffenen Menschen direkte Hilfe zukommen lassen. World Vision ist bereits vor Ort und hat nun Katastrophen-Experten geschickt. „Die Infrastruktur ist in der gesamten Stadt betroffen. Es gibt keine Stromversorgung und kaum Internetempfang“, erklärte Philip Ewert, Direktor von World Vision Nepal. „Es zeigt die Verwundbarkeit von Kathmandu durch Erdbeben wie dieses.“

Auch in den Nachbarländern lief die Hilfe an. In Indien starben nach offiziellen Angaben mindestens 34 Menschen. In China starb laut staatlichen Medien eine 83-Jährige; auch in Bangladesch kam eine Frau ums Leben. 25 Textilarbeiterinnen wurden nach offiziellen Angaben außerdem verletzt, als sie aus ihrer Fabrik in Savar vor den Toren der Hauptstadt Dhaka flüchteten. Aus Pakistan wurden zunächst keine Toten gemeldet.

Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus - ein Unesco-Weltkulturerbe - sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte der Autor Kashish Das Shrestha von vor Ort. Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen. Auch der neunstöckige Dharahara-Turm, der schon einmal durch ein Erdbeben beschädigt wurde, sei in sich zusammengestürzt.

Nepals einziger internationaler Flughafen, der wegen der Nachbeben zwischenzeitlich geschlossen war, wurde am Nachmittag teilweise wieder geöffnet, um Hilfslieferungen ins Land zu lassen. Zahlreiche Touristen aber waren gestrandet.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Mindestens 1500 Tote - Das Ausmaß der Zerstörung ist noch nicht auszumachen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%