Minneapolis
US-Behörden ignorierten Warnsignale an Brücke

Am Tag nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in der amerikanischen Stadt Minneapolis werden haarsträubende Fakten und Versäumnisse bekannt: Die Behörden wussten seit 17 Jahren, dass die Konstruktion Mängel aufweist - und als auch noch Hinweise auf Einsturzgefahr auftauchten, wurde statt einer Reparatur eine weitere Untersuchung angeordnert.

HB MINNEAPOLIS. Schon 1990 wies eine Untersuchung der US-Bundesregierung auf eine massive Verrostung der Brückenlager hin, auf denen die Brücke aufliegt. Deswegen sei die 1967 gebaute Brücke als mangelhaft eingestuft worden.

Bei jüngsten Inspektionen wurden dann Risse durch Materialermüdung festgestellt. Danach wurden die Behörden vor die Alternative gestellt, entweder zusätzliche Stahlträger zur Verstärkung der Konstruktion einzubauen oder eine eingehende Inspektion zu veranlassen, um nach weiteren Rissen zu suchen. Die Behörden entschieden sich für die zweite Option. Diese Untersuchung begann im Mai. Als weiteren Faktor für den Einsturz nannten Experten die Bauarbeiten zur Ausbesserung des Fahrbahnbelags, die zum Zeitpunkt des Unglücks gerade im Gange waren.

Der Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, räumte ein, es sei klar gewesen, dass die Brücke irgendwann hätte erneuert werden müssen. Es habe aber nie einen Zeitplan dafür oder Hinweise für die Dringlichkeit dieser Aufgabe gegeben. Die Brücke hätte frühestens 2020 ersetzt werden sollen.

Statt einer umfassenden Erneuerung gab es an der Brücke von Minneapolis lediglich punktuelle Ausbesserungen, die im nachhinein als Flickwerk erscheinen. „Wir dachten, wir hätten alles getan, was wir tun konnten“, sagte der zuständige Bauingenieur Dan Dorgan am Donnerstag unweit des Unglücksortes. „Offenbar ist da etwas ganz schrecklich falsch gelaufen.“

Das US-Verkehrsministerium ordnete eine landesweite Überprüfung aller Brücken der gleichen Bauart an. Verkehrsministerin Mary Peters unterzeichnete eine entsprechende Anweisung an die zuständigen Behörden der einzelnen US-Staaten. Betroffen sind etwa 77 000 der insgesamt rund 600 000 Brücken, davon 1 160 in Minnesota.

Eineinhalb Tage nach dem Einsturz waren erst vier Todesopfer geborgen. Vermisst wurden jedoch nach Angaben der Behörden noch bis zu 30 Personen. 79 Menschen erlitten Verletzungen. Spezialisten der US-Streitkräfte senkten den Pegel des Mississippi, um die Bedingungen für die Bergungsarbeiten zu verbessern. Diese wurden durch starke Flussströmungen erschwert. 15 Taucher und zwölf Boote waren im Einsatz.

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