Mississippi-Flutwelle
„Old Man River“ verschont Memphis vorerst

Atempause für Memphis im US-Bundesstaat Tennesse: die Deiche dort haben dem Scheitelpunkt des Mississippi-Hochwassers standgehalten. Das Wasser geht aber nur langsam zurück - und bedroht nun Farmer und das Mündungsdelta.
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Vorsichtiges Aufatmen in Memphis: Die Dämme der historischen Stadt haben in der Nacht zum Dienstag der massiven Mississippi-Flutwelle standgehalten. Gegen zwei Uhr morgens (Ortszeit) sei die knapp 14,6 Meter hohe Welle angekommen, berichtete Bill Borghoff, ein Sprecher des Nationalen Wetterdienstes. Zwar standen am Dienstag Teile des Ortes unter Wasser, die erwartete Katastrophe blieb jedoch - vorerst - aus.

Die Furcht verlagerte sich flussabwärts: Farmer bangten dort um ihre Felder. Die Menschen im Mississippi-Delta sind auf das Schlimmste gefasst. Doch auch die rund 920.000 Menschen im Großraum Memphis mussten weiter bangen: Der hohe Pegel des breiten Stroms sollte sich dort bis zu 36 Stunden halten. Das Wasser sinke unter Umständen binnen fünf Tagen nur um 30 Zentimeter, kündigte ein Experte des Armeekorps der Ingenieure an. Die Dämme müssen damit weiter großem Druck standhalten.

„Der Fluss, der hier normalerweise eine halbe Meile breit ist, ist nun auf drei Meilen (4,8 Kilometer) angewachsen“, schätzte ein Augenzeuge. Tiefer liegende Teile von Memphis wurden von brauner Brühe umspült. An den Wänden verlassener Häuser türmten sich Kisten, Tonnen und Kinderspielzeug, die Anwohner dort vor ihrer Flucht schnell befestigt hatten. Das Wasser stand an einigen Häusern bis über die Fenster der Erdgeschosse und schwappte über geparkte Autos hinweg. 900 Häuser waren am Montag geräumt worden, hunderte Menschen kamen in Notunterkünften unter.

Einige Meilen weiter flussabwärts rüsteten sich Farmer für die stark verschmutzten Wassermassen des „Old Man River“. Mit selbst gebauten Dämmen versuchten sie, ihre Felder zu schützen. „All mein Getreide ist so gut wie verloren“, sagte ein Farmer dem Radiosender npr. „Eigentlich ist das alles umsonst, aber es wäre auch nicht gut, gar nichts zu tun.“

Auch im Mississippi-Delta wuchs die Furcht vor der stetig schwellenden Welle. Im Ort Angola (Louisiana) wurden die ersten von 5000 Insassen des Staatsgefängnisses evakuiert. Nördlich von New Orleans war am Montag ein Ablauf des Mississippi geöffnet worden, um für Entlastung zu sorgen. Von dort fließt das Hochwasser in den Pontchartrain-See und dann in den Golf von Mexiko. Das Armeekorps der Ingenieure plädierte bereits dafür, einen weiteren Not-Ablauf zu öffnen.

1937 hatte der Wellenkamm des Flusses nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes eine Höhe von 14,84 Metern erreicht. Rund 500 Menschen starben in den Fluten, mehr als 80.000 Quadratkilometer wurden überschwemmt - eine Fläche deutlich größer als Bayern. Auch 1927 hatte es eine verheerende Überschwemmung gegeben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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