Mit Tumblr gegen Diskriminierung
„Darf eine Muslima Wein trinken?“

Dumme Fragen, dreiste Sprüche: Wenn die Eltern nicht deutsch sind, sehen viele die Kinder als Ausländer, inklusive aller Klischees. Das erfährt unsere Autorin täglich. Studenten wehren sich auf Tumblr mit einer Kampagne.
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Düsseldorf.Es ist mein zweites Bachelor-Semester. Zum näheren Kennenlernen habe ich mich mit einigen Kommilitonen zu einem Abendessen in der Altstadt verabredet. Im Restaurant nimmt eine nette Kellnerin unsere Getränkebestellungen an, nachdem sie uns die Menu-Karte austeilt.

Als ich ein Glas Weißweinschorle bestelle, bekomme ich seltsame Blicke zugeworfen. Zunächst kann ich dieses Verhalten meiner Kommilitonen nicht richtig einordnen – bis sich der erste traut: „Oh, du trinkst also Alkohol?“ Ich nicke und verstehe immer noch nicht ganz. Er erläutert unaufgefordert: „Es kommt nicht oft vor, dass eine Muslima trinkt, oder? Weiß deine Familie darüber Bescheid?“ Endlich klingelt´s bei mir – es geht um meinen Migrationshintergrund und den damit verbundenen allgemeinen Klischees.

Der weitere Verlauf dieses Abends mutiert zu einem Abfrage-Marathon. Scheinbar gibt es so viele Unbekannte in der Gleichung: Studentin mit Migrationshintergrund  (a), die sogar Alkohol konsumiert (b) ergibt gleich eine junge Studentin, die dem Durchschnitt (x) entspricht?

Ich ertappe mich dabei wie ich die Herkunft meiner Eltern rechtfertige und erkläre, warum meine Mutter oder ich keine Kopftücher tragen – fast so als säße ich auf der Anklagebank. Aber am meisten ärgere ich mich darüber, dass ich nicht mehr als Individuum, sondern stellvertretend für alle jungen Studentinnen mit türkischen Migrationshintergrund sprechen muss. Warum werde ich nicht als Deutsche wahrgenommen? Ich lebe hier, das ist meine Heimat. Auch ich bin Deutsche. Auch ich bin Deutschland. #AuchIchBinDeutschland.

Egal ob Student oder Bankberater, Müllmann oder Rentnerin – die Unwissenheit ist groß und sie mündet in dummen, unreflektierten Sprüchen. Die jungen Deutschen – und nichts anderes sind sie – fühlen sich, als müssten sie sich rechtfertigen.

Für ihre Herkunft, für ihr Verhalten, dafür, dass sie Deutsche sind, obwohl sie Namen haben, die sich manchmal nicht so leicht buchstabieren lassen wie Müller und Meyer. Dafür, dass sie nicht unbedingt Christen sind (aber manchmal eben doch), dass sie so leben wie sie wollen. So wie ihre Eltern. Oder eben ganz anders. Dafür, dass sie gern Deutsche sind, aber auch gern Brasilianer, Türken und Uruguayer.

Kommentare zu " Mit Tumblr gegen Diskriminierung: „Darf eine Muslima Wein trinken?“"

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  • @mondahu Deine unterschwellige Agressivität macht mich sprachlos. Ein Studienkollege hat nur gefragt ob das ok ist wenn Sie Wein trinkt und wollte es halt wissen. Und jetzt? Die Frage würde ich auch einer schwangeren stellen ohne das Sie anstößig wirkt? Wenn niemand fragt, dann heißt es "Wir interessieren uns nicht für solche Dinge" und ist das dann besser? Ts Ts Ts

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Und der Rassismus ist nur eine Folge der Verdrängung, unter denen Deutsche und andere Europäer europäischstämmige Menschen zu leiden haben.

    Andere Folgen sind die gigantischen Kosten der Zuwanderung, die Folgen der einwanderungsbedingt erhöhten Konkurenz auf Arbeitsmarkt für Arbeitnehmerschaft (Lohndumping), oder sogar die V e r s l u m m u g ganzer Stadtviertel durch die unzureichenden Hygienepraktiken einiger Migrantengruppen, über die auch hier in dieser Zeitung berichtet wurde:

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/berlin-wir-sind-bereit-zu-sterben/9870280.html

    >>Hinzu kommen Hunderte illegaler Flüchtlinge sowie Tausende Roma und andere EU-Bürger aus Südosteuropa, die sich in Berlin eine bessere Zukunft erhoffen. Niemand weiß, wie viele es sind, weil sich niemand um sie kümmert. Sie bauen sich in Ruinen und auf freien Arealen Blech- und Holzhütten. Von Slums wie in Bombay ist mittlerweile die Rede.<<

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