Modeindustrie
Die deutsche Masche

Warum die Modeindustrie hier zu Lande auch ohne eigene Produktionsstätten eine Zukunft hat. Ein Ausflug zu den großen Namen der Branche und zu den weitgehend unbekannten Überlebenskünstlern.

HB DÜSSELDORF.Nach Strich und Faden betrogen fühlten sich Gerhard Weber, Uwe Schröder und Heinz Krogner im Sommer dieses Jahres. Zeter und Mordio schrien die Herren der Modekonzerne Gerry Weber, Tom Tailor und Esprit gegen die rückwirkend von der Europäischen Union wieder eingeführten Importquoten für Textilien aus China.

Um ihre zigtausend vom Zoll blockierten Kleider zu lösen, verließ der eine seine Yacht vor Ibiza, der andere gab lautstarke Interviews via Freisprechanlage im Dienst-Daimler, der dritte polterte auf bayerisch Nicht-Zitierfähiges. Den Taktstock schwang Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands German Fashion. Ein hitziger Sommer.

Als er sich neigt, im September, kommen die blockierten Pullover, T-Shirts und Hosen frei. Endlich - und gerade noch rechtzeitig für die Herbst/Winter-Saison. Die Quoten bleiben.

Die Brüsseler Spitze an Bürokratismus hat eine Branche in die Schlagzeilen gebracht, um die es nach den Entlassungswellen in den 80er-Jahren still geworden war. Die Nähmaschinen ratterten im Osten, deutsche Schneiderinnen, Näherinnen und Büglerinnen schnatterten im Arbeitsamt. Nur noch fünf Prozent ihrer Kleider fertigen Gerry Weber und Co. heute in Deutschland. Geschnitten, genäht und gebügelt wird in der Türkei, in Tunesien, in Osteuropa, in Asien, zunehmend in China.

Das tapfere Schneiderlein von Wilhelm Busch - ein historischer Held. Der moderne Held ist der Manager. Und die Krogners, Webers, Schröders sind am Standort Deutschland sehr erfolgreich. Kreiert, gemanagt und vertrieben wurde im vergangenen Jahr in Deutschland für neun Mrd. Euro. 44 700 Menschen arbeiteten für 481 Modebetriebe von Alpenland bis Wolkenstricker. Branchenprimus ist Hugo Boss. Wer aber zieht noch die Fäden? Welches Strickmuster hält die Branche zusammen? Was ist ihre Masche? Eine Annäherung.

Die Geschichte vom "Modezaren von Westfalen" - wie "Die Zeit" Gerhard Weber jüngst nannte - beginnt 1986. Der (noch) mittelständische Unternehmer engagiert die 17-jährige Steffi Graf als Werbefigur für sein Modehaus - "trotz krummer Nase und Abdrücken von Tennissocken an den Beinen". Sie gewinnt in Tennisröckchen aus Westfalen das Turnier von Wimbledon. Es ist die Sensation des Jahres 1988. Ihr Sieg nützt auch ihm. Gerry Weber steigt zur internationalen Modemarke auf. Ein Jahr später gehen Weber und sein Kompagnon Udo Hardieck mit der Gerry Weber International AG an die Börse.

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