Mögliche Anklage am Mittwoch
O.J. Simpson in Untersuchungshaft

Mehr als zehn Jahre nach seinem Freispruch in einem aufsehenerregenden Doppelmordprozess droht dem früheren US-Footballstar O.J. Simpson ein neues Gerichtsverfahren. Am Mittwoch muss sich Simpson in Las Vegas wegen des Verdachts auf einen bewaffneten Raubüberfall vor Gericht einfinden.

HB LAS VEGAS. Dann könnte gegen ihn Anklage erhoben werden, sagte Richterin Nancy Oesterle am Montag in Las Vegas. Bis dahin bleibe der 60-Jährige in Untersuchungshaft. Er war am Sonntag festgenommenen worden. Der zuständige Richter vom Bezirk Clark County (Nevada) hatte bereits am Sonntag Simpsons Freilassung gegen Kaution abgelehnt. Weitere Anhörungen in dem Fall könnten Anfang Oktober beginnen, so Oesterle.

Der ehemalige Sportstar soll gemeinsam mit mehreren Komplizen in ein Hotelzimmer in Las Vegas eingedrungen sein und zwei Sammler von Fan-Artikeln unter Androhung von Waffengewalt zur Herausgabe von Erinnerungsstücken gezwungen haben. Wie Polizeisprecher Clint Nichols in der Nacht zum Montag mitteilte, wird Simpson mehrerer Verbrechen beschuldigt, unter anderem des Raubs und des Überfalls mit einer tödlichen Waffe. Der Internetdienst „Tmz.com“ veröffentlichte am Montag eine Audioaufzeichnung von dem Vorfall, auf der O.J.Simpson laut fluchend und mit drohender Stimme zu hören sein soll. Die Tonaufnahme ist sechs Minuten lang.

1995 war Simpson trotz erdrückender Beweislage vom Doppelmord an seiner früheren Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald Goldman freigesprochen worden. Ein späteres Zivilverfahren machte ihn jedoch für den Tod der beiden verantwortlich und verpflichtete ihn zur Zahlung von 33,5 Millionen Dollar (knapp 25 Millionen Euro) an die Familien der Opfer.

Der Überfall auf die Sammler, zu dem es zunächst widersprüchliche Darstellungen gab, soll sich am Donnerstag ereignet haben. Am Sonntag wurde Simpson daraufhin in einem Hotel in Las Vegas festgenommen und - noch in Golfkleidung - in Handschellen abgeführt. „Er kooperierte mit uns und fragte umgehend nach seinem Anwalt“, sagte der Polizeisprecher. Ein ebenfalls festgenommener Bekannter wurde später wieder freigelassen. Vier weitere Männer, die auch an dem Vorfall beteiligt gewesen sein sollen, wurden noch gesucht.

Wem die entwendeten Sammlerstücke gehörten, blieb zunächst unklar. Unter den Gegenständen, die nach Angaben der Polizei bis zu 5000 Dollar wert sein könnten, sollen auch Abzeichen und Fotos von Simpson gewesen sein, die er möglicherweise noch als seinen Besitz ansah.

„Ich wollte nur mein Eigentum zurück. Das ist kein Diebstahl“, sagte der Ex-Sportler der „Los Angeles Times“ am Sonntag. Er habe den Tipp bekommen, dass in dem Hotelzimmer in Las Vegas persönliche Gegenstände wie Kinderfotos und Negative von seiner Ex-Frau Nicole zum Verkauf stünden, die ihm früher gestohlen worden seien. Daraufhin sei er mit Freunden in das Hotel gegangen. Waffen seien nicht im Spiel gewesen. Ein Polizeisprecher sagte, wegen der Art des Überfalls müssten die Vorgänge in jedem Fall geklärt werden - unabhängig von der Eigentumsfrage.

Von dem Schadenersatz, den Simpson den Familien der Mordopfer zahlen soll, hat er bisher Medienberichten zufolge noch kaum etwas erstattet. Die Angehörigen bekamen deshalb kürzlich die Rechte an seinem umstrittenen Buch „If I did It“ (Wenn ich es getan hätte) zugesprochen. Die Familie von Ron Goldman will das Skript veröffentlichen.

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