Mörder von Jakob von Metzler als Zeuge geladen
Folter-Prozess gegen Ex-Vize-Polizeichef beginnt

Vor dem Frankfurter Landgericht beginnt am Donnerstag der Prozess gegen den ehemaligen Vize-Polizeichef der Stadt, Wolfgang Daschner. Auf seine Anweisung hin war dem Entführer des Bankierssohnes Jakob von Metzler in einem Verhör mit Folter gedroht worden.

HB FRANKFURT.Der 61-jährige Daschner ist wegen Anstiftung zu schwerer Nötigung und Amtsmissbrauchs angeklagt. Neben ihm muss sich der ausführende Beamte vor Gericht verantworten. Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall zuletzt durch eine Erklärung Daschners, wonach er von höherer Stelle grünes Licht für die Gewaltandrohung bekommen hatte. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) dagegen hat hierfür nach eigenen Worten keine Anhaltspunkte. Alle in Betracht kommenden Personen hätten in dienstlichen Erklärungen bestritten, Daschners Vorgehen genehmigt zu haben, sagte er. Daschner will den Namen seiner Kontaktperson nach Angaben seines Verteidigers Eckart Hild zunächst auch im Prozess nicht nennen.

Daschner hatte die Gewaltandrohung damit gerechtfertigt, dass er vier Tage nach der Entführung nur so noch eine Möglichkeit gesehen habe, das Leben des Jungen zu retten. Über die Drohung fertigte er noch am gleichen Tag einen Aktenvermerk an. Der Entführer Magnus Gäfgen gab das Versteck des Jungen nach der Drohung preis, Jakob war jedoch längst tot. Im Prozess gegen Daschner ist Gäfgen als Zeuge geladen. Er hatte Jakob am 27. September 2002 auf dem Heimweg von der Schule entführt und ihn unmittelbar danach in seiner Wohnung erstickt. Der Prozess gegen Gäfgen wäre ihm April 2003 beinahe geplatzt, als das Gericht all seine Geständnisse wegen der Gewaltandrohung für nichtig erklärte. Gäfgen wiederholte sein Geständnis jedoch und wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

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