Mordrate in Dallas kräftig angestiegen
Dallas ist Hochburg der Verbrechen

Nicht in New York, Chicago oder Los Angeles werden die meisten Verbrechen verübt, sondern in Dallas. Eine Hochrechnung des FBI förderte zu Tage, dass in Dallas 95,4 Verbrechen auf 1 000 Einwohner kommen. Damit liegt die Stadt klar vor dem "Big Apple" - dort sind es nur 31,1 Straftaten auf 1 000 Einwohner.

HB DALLAS. Wenn Europäer an Kriminalität in den USA denken, dann fällt den meisten New York, Chicago oder Los Angeles ein. Doch nicht dort lebt man am gefährlichsten, sondern in Dallas im US-Bundesstaat Texas. Seit kürzlich bekannt wurde, dass Dallas die höchste Gewaltverbrechens-Rate aller Millionenstädte der USA besitzt, haben die Behörden eine hektische Betriebsamkeit entfaltet. Der Polizeichef wurde gefeuert und Bürgermeisterin Laura Miller versprach den knapp 1,2 Millionen Bewohnern Besserung. „Unglaublich, diese hohe Kriminalitätsrate ist unentschuldbar“, empörte sie sich.

Alarmiert wurden die Bürger von Dallas durch eine von der Bundespolizei FBI veröffentlichte Hochrechnung für 2003, die auf den Zahlen für das erste Halbjahr basiert: Unter den insgesamt neun US-Städten mit mehr als einer Million Einwohnern liegt Dallas mit 95,4 Verbrechen auf 1 000 Einwohner klar vorne. Bei dieser Statistik werden Mord, Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung und Diebstahl erfasst. New York hatte laut dieser FBI-Statistik im Vorjahr die geringste Verbrechensrate unter den Millionenstädten (31,2 Straftaten per 1 000 Einwohner).

Morde in Dallas drastisch angestiegen

Beunruhigend für die Bewohner der texanischen Metropole ist vor allem der drastische Anstieg der Morde, deren Zahl im ersten Halbjahr 2003 rasant um 72 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum stieg. Chicago mit seinem in Filmen immer wieder gepflegten Gangster-Image führt zwar weiter landesweit bei den Morden, aber liegt bei den Gewaltverbrechen (59,4 per 1000 Einwohner) weit hinter Dallas zurück.

Polizeichef von Dallas gefeuert

Nachdem die Schreckensmeldung auch in der internationalen Presse verbreitet wurde, feuerte die Stadt Dallas kurzerhand den seit langem umstrittenen Polizeichef Terrell Bolton. Doch der Abschuss des schwarzen Karrierepolizisten allein wird kaum den schlechten Ruf der Stadt als Verbrechens-Hochburg beseitigen oder verschreckte Touristen zurückbringen.

In den Medien und in der Öffentlichkeit wird nun hitzig diskutiert, warum gerade Dallas der negative Spitzenreiter ist und wie man das Verbrechen bekämpfen kann. Dallas habe eine sehr junge Bevölkerung, viel Geld sei im Umlauf und die Stadt liege zudem an der Interstate 35, einer Hauptverkehrsader von und nach Mexiko, die Drogen ins Land bringen, sagte die Vorsitzende der Verbrechenskommission von Dallas, Katy Menges, der Zeitung „Dallas Morning News“.

Weiße und Besserverdienende wandern ab

Nach Ansicht von Jura-Professorin Tory Caeti von der University of North Texas haben in den vergangenen Jahren immer mehr Weiße und Besserverdienende den Stadtkern verlassen und sind in die Vorstädte gezogen. An ihrer Stelle siedeln sich ärmere Lateinamerikaner und Schwarze an. Experten führen allgemein die schlechte Konjunktur an, die traditionell die Bereitschaft erhöhe, Verbrechen zu verüben. Doch es gibt etliche Städte, die weitaus stärker an Arbeitslosigkeit und Firmenbankrotten zu leiden haben als Dallas. Plausibler als Erklärung für die hohe Kriminalität erscheint die Tatsache, dass Dallas mit 2,4 Beamten pro 1 000 Einwohner statistisch nur halb so viele Polizisten hat wie etwa New York.

Der gefeuerte Polizeichef stand schon lange auf der Abschussliste unter anderem wegen eines Drogenskandals vor zwei Jahren. Damals waren Dutzende von Unschuldigen nach fingierten Drogenkäufe festgenommen worden. Aber Bolton lässt sich jetzt in der schwarzen Bevölkerung von Dallas als Märtyrer feiern. Auf Protestmärschen warfen seine Anhänger der Stadt vor, Bolton sei wegen seiner Hautfarbe entlassen worden. Sie verlangen die Absetzung von Bürgermeisterin Laura Miller und damit droht eine weitere Ausweitung der Krise.

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