Morgen öffnet die 50. Kunst-Messe München – Ein Streifzug zu den Höhepunkten der Jubiläumsausstellung
Die traditionsreichste Antiquitätenmesse lockt

Neue Wege geht Angela Gräfin von Wallwitz mit Alter Kunst auf der 50. Kunst-Messe München (KMM). Die angesehene Porzellanhändlerin verzichtet auf Vitrinen. Stattdessen führt sie an vier Wänden vor, „wie modern man mit Kunst aus Porzellan leben kann

HB MÜNCHEN.. Ganz ostasiatisch oder im Country-Look.“ In einem Bibliothekssegment positioniert die Münchenerin zwischen den Büchern Porzellanobjekte als persönliche Eye-Catcher. Im „Salon des 18. Jahrhunderts“ lässt sie eine Wegely-Dose von den noblen Geschenken des Alten Fritz künden (14 000 Euro)

Neu entdeckte Skulpturen erster Qualität hält der Kunsthandel Dr. Bernhard Decker, Frankfurt, bereit: darunter eine große spätgotische Lindenholzfigur des hl. Bernhard von Clairvaux, die der Spezialist Hans Wydyz aus Freiburg zuschreibt (über 500 000 Euro, siehe Foto S. 45). „Seit Jahrzehnten war kein Werk mehr von Wydyz auf dem Markt.“

Was bietet die 50. KMM bei den Alten Meistern? Oskar Scheidwimmer, München, stellt u.a. zwei Stillleben von Michiel Simons aus: darunter ein „herrlich erhaltenes“ mit Quitten, Trauben und Gläsern für 120 000 Euro. Der Niederländer-Händler hält ferner eine frühe Landschaft des Jan van Goyen parat (über 100 000 Euro) und eine „Elegante Zecherrunde“ des Dirk Hals (160 000 Euro). Schräg gegenüber bei Frye & Sohn, Münster, hängt ein kurios zusammengestelltes Früchtestillleben. 1661 datierte Jan van Kessel d.Ä. die möglicherweise symbolisch zu lesende Melange aus Blumenkohl und Artischocke, Erdbeeren und Steinobst (165 000 Euro).

Obst und Gemüse verführen auch bei H.J. Esch, Düsseldorf, zum Naschen. Doch Vorsicht: Eierviertel und Kürbisse sind „Schaugerichte“ aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und aus Fayence (6 800 Euro). Schön schmal ist bei Esch eine Transition-Kommode, die er dem Mannheimer Hofebenisten Jakob Kieser zuordnet. Ihre Bronzebeschläge und Intarsien orientieren sich an französischen Vorbildern, nicht aber ihr Preis von 46 500 Euro.

Französische gestempelte Möbel sind das Spezialgebiet von Ralph Gierhards, Düsseldorf. Ein gut dokumentierter Damensekretär von Maître Jean-François Hache aus Grenoble kommt hier auf 220 000 Euro, ein Bureau plat von Macret in zurückhaltenden Maßen auf 245 000 Euro.

Die Galerie Neuse, Bremen, setzt sich seit einiger Zeit verstärkt für die deutsche Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts ein. Davon zeugt auf der KMM ein ganzfiguriges Porträt von Karl VII., ab 1742 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, gemalt von A.F. Oeser (155 000 Euro). Aus der Sammlung von Thomas Manns Münchener Schwiegervater stammt ein Siebenbürger Renaissance-Humpen, der sich durch außerordentliche Eleganz und ein dezentes Wechselspiel von Silber und Gold auszeichnet (145 000 Euro). Ein Sinnbild des Wohllebens findet sich für 5 750 Euro am Stand der Galerie Henrich, München. Ein Putto verteilt Blumen und Blüten auf einer silbernen Schauplatte von Johann Philipp Höfler, Nürnberg, 1690.

Roswitha Eberwein, Göttingen, bringt überwiegend altägyptische Kunst mit nach München. Doch neben einer Grabwand eines königlichen Sieglers, um 2250 v. Chr. (18 500 Euro), fällt eine ungewöhnliche Skulptur aus Baktrien auf, aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Eine Göttin trägt einen krinolinenartigen Kultmantel aus Serpentin. Ihr Kopf leuchtet hell, ist er doch aus Kalkstein gemeißelt (über 200 000 Euro). Neuaussteller ist Numisart, München, die antike Münzen, Keramik und Skulptur auf anspruchsvolle Weise zusammenbringen wollen.

Bei der Messegründung vor 50 Jahren dominierten noch Barock und Rokoko. „Jugendstil war verpönt, Biedermeier eine Lachnummer und Art déco ein Fremdwort“, liest man im Katalog. Patrick Kovacs, Experte für Möbel und Kunsthandwerk aus Wien um 1900, weiß, dass das heute anders ist.

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