Mount Everest
Das dicke Geschäft in dünner Luft

Hunderte Abenteuerlustige bezahlen jede Saison viel Geld, um auf den höchsten Punkt der Erde zu klettern. Das Geschäft mit dem Mount Everest blüht. Viele wollen daran verdienen – und das, obwohl es regelmäßig Tote gibt.
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Selten lag eine Zeitung mit einer Schlagzeile so daneben, wie die britische „Evening News“: „Verbissene Zähigkeit besiegt Everest. Er wird nie wieder erstiegen werden“, titelte das Blatt 1953, kurz nachdem die Nachricht über die erfolgreiche Erstbesteigung des höchsten Bergs im Königreich eintraf.

Der neuseeländische Bienenzüchter Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay hatten am 29. Mai 1953 gegen 11.30 Uhr als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest erreicht. Seitdem hat das nepalesische Tourismusministerium rund 4000 weitere Gipfelstürmer registriert.

Was damals als historische und heldenhafte Entdeckerleistung rund um den Globus gefeiert wurde, ist heute zu einem einträglichen Geschäft geworden. Schnellster Aufstieg, ältester Gipfelbezwinger, der erste Blinde auf dem Dach der Welt: Kritiker beklagen schon lange, der Everest würde zunehmend von Selbstdarstellern instrumentalisiert. Zu sehr stünden kommerzielle Interessen im Fokus, sagen sie.

Einer dieser „Selbstdarsteller“ ist Aydin Irmak. Vergangenes Jahr versuchte der New Yorker Fahrradhändler mit seinem Drahtesel den Gipfel zu erreichen. Es wäre ein schöner PR-Gag gewesen, für ihn und die von ihm engagierte Expeditionsagentur. Doch im Basislager nahmen ihm Beamte der Umweltbehörde sein Gefährt ab. Am Ende stand er ohne Zweirad auf dem Gipfel. Ein Buch über sein Abenteuer hat er bereits fertig. Es sind Geschichten wie diese, die dafür sorgen, dass auch Menschen ohne große Bergerfahrung eine erfolgreiche Besteigung für möglich halten. Ihre Zahl wird Jahr für Jahr größer – und das sorgt für sprudelnde Einnahmen am Berg der Berge.

Das große Geschäft mit dem höchsten Punkt der Erde beginnt Mitte der 1980er Jahre. Richard „Dick“ Bass, Millionär aus Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma, will als erster Mensch auf dem höchsten Berg jedes Kontinents stehen. 1985 fehlt ihm von den so genannten „Seven Summits“ nur noch der Everest.

Nach drei missglückten Versuchen beauftragt der Unternehmer den Bergsteiger David Breashears damit, ihn auf den Gipfel zu führen. Als Bass am 30. April 1985 im Alter von 55 Jahren auf dem Dach der Welt steht, fällt der Startschuss für den Ausverkauf des Everest. Das erfolgreiche Unternehmen ruft weitere wohlhabende Abenteuerlustige auf den Plan und erfahrene Bergsteiger wittern ein einträgliches Geschäft darin, gutbetuchte Kunden auf den Gipfel zu führen.

Kommentare zu " Mount Everest: Das dicke Geschäft in dünner Luft"

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  • Newsticker*Newsticker*Newsticker* Das dicke Geschäft auf dünnen Strassen: "Obwohl es manchmal zu Verkehrsunfällen mit Toten kommt, sieht die Autobranche weiter das große Geschäft...". Goodbye Handels-Bla-Bla.

  • Es ist schon ulkig dieser Tage in den Medien das Gefûhl suggeriert zu bekommen, der "Everest" wäre einfach. Die meisten der Leser würden vermutlich schon auf dem Weg ins Basislager massive Probleme bekommen, müssten sie auch nur einen Teil ihrer Ausrüstung selbst den langen Weg empor auf 5.400 m transportieren. Ein großer Teil würdemit Kopfschmerzen oder unter Übelkeit leidend zurückkehren.Und vermutlich niemand würde den Everestgipfel erreichen, wenn sich die Sherpas nicht von A-Z um alles, wirklich ALLES kümmern würden.
    Aus der Sicht eines Sherpas ist ein Bergtourist durchschnittlicher Hoch-Alpinist wie eine Porzellanvase, die man unter dem Sauerstoffzelt ins Ziel stützt und dabei jede Widrigkeit, jede Extra-Anstrengung abnimmt. Von der ZähIgkeit des Bergvolkes sind wir Lichtjahre entfernt und wir blieben wohl chancenlos, würden diese Menschen den Everest nicht mindestens 3 mal am Stück besteigen, während sie den zahlungskräftigen einmal an der Hand zum Gipfel geleiten, Seile fixieren, Sauerstoffflaschen und Nahrung transportieren, für Nachschub sorgen, den Medizinkoffer hinterherschleppen, Elte auf- und abbauen, ab Februar den Khumbu-Eisbruch versichern, Kochen, Kommunikation oder uns notfalls ins Tals tragen.
    Der Everest by fair means ist nach wie vor ein Unternehmen für sehr wenige Menschen auf dem Globus. Und selbst bei einer Bezahl-Expedition mit allen nur erdenklichen Erleichterungen und der Erfahrung der Einheimischen & Profis, sollte man sich nicht der Illusion hingeben, der Gipfel sei ohne äußersten Willen, einer Super-Kondition, Zähigkeit, Mut und physischer Besterfassung zu erreichen.
    Der Everest ist kein Matterhorn und kein Mont Blanc, das wird jedem schlagartig klar, der das erste mal ins Himalaya reist.

  • Hochgetragen werden wollen alle, um danach zu behaupten sie seien dort gewesen: und sowas kostet heutzutage halt etwas mehr als Tensai Norgay damals bekommen hatte.

    Heute haben wir es am Himalaya mit RiskJunkies zu tun, mit Überlebenden, die ohne Sauerstoffmasken nichtmal zum Bus kommen, der sie in den Einstieg fährt, also mit Leuten, die den Everest als FreizeitMust verstehen.

    Der Everest, jeder Everest btw glänzt, solange noch keiner dort war: sobald der Erste dort war wird der Everest halt zum Souvenirladen für die Hinterhertaperer, die alles wissen ohne von Irgendetwas so etwas wie eine Ahnung zu haben.

    Und deswegen werden vlt ganz Viele Peterchens Mondfahrt kaum überlebt haben, weshalb sie den Everest eben buchen, wie sagen wir mal, die Mentalarmut, die sich nichteinmal mehr buchen müssen: weil, die haben sie brav im Marschgepäck wie ihre kleine Durschnittsexistenz samt Vollversicherungen.

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