Münchener Oktoberfest
"Ozapft is" zum 176. Mal

Samtag, Punkt 12 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ruft laut vernehmbar die zwei Wörter, auf die die gesamte versammelte Festgemeinde gewartet hat: "Ozapft is". Damit startet das 176. Oktoberfest. Nach Veröffentlichung eines neuen Drohvideos wurden auch in München die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

HB MÜNCHEN. Traditionell soll es unpolitisch zugehen auf der Wiesn - eine Woche vor der Bundestagswahl ließen es sich die zahlreichen Politiker am Samstag aber nicht nehmen, die eine oder andere Andeutung fallen zu lassen und auch ein bisschen gegen die Konkurrenz zu sticheln.

"Ich genieße es, hier jedes Jahr die Chance zu haben, einen neuen Ministerpräsidenten kennenzulernen", scherzte Ude mit Blick auf den raschen Wechsel an der Spitze der bayerischen Staatsregierung in den vergangenen drei Jahren. Nach 2005 und 2008 gelang es dem SPD - Bürgermeister auch in seinem 17. Wiesn-Jahr, das erste Fass mit nur zwei Schlägen anzuzapfen.

Dem bayerischen Ministerpräsidenten gebührt traditionell die erste frisch gezapfte Maß Oktoberfestbier. Horst Seehofer (CSU), der im Janker kam, zeigte sich zuversichtlich, auch im kommenden Jahr wieder beim Anstich dabei zu sein. "Das ist ziemlich sicher. Das Rotationsprinzip ist beendet." Allerdings wird er auch 2010 wohl wieder ohne Lederhosen erscheinen. Seine Waden seien einfach nicht so schön wie die von Ude, sagte der Ministerpräsident.

Als erstes Ministerpräsidentenpaar seit langem marschierten die Seehofers gemeinsam mit dem Ehepaar Ude ins Festzelt ein - auf ausdrücklichen Wunsch Seehofers. "Ich halte das für zeitgemäß", sagte er. "Politisch hat das nichts zu sagen", betonte Seehofer zwar, später fügte er allerdings noch hinzu, die Wiesn-Eröffnung sei ein großer Genuss: "Das ist mir lieber als zwei Kabinettssitzungen mit der FDP."

Der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte Seehofer allerdings ein Herz schenken und ihr eine Lebkuchen-Leckerei von der Wiesn mitbringen. Was darauf stehen soll, war ihm allerdings noch nicht ganz klar. Es müsse schon "etwas Hintersinniges" sein, sagte der CSU - Chef. "Du bist mein Sonnenschein, oder so."

So kurz vor der Bundestagswahl ließen die Politiker es sich auch nicht nehmen, ihre Wirkung auf das Bierzelt-Publikum zu testen. Ude und Seehofer ernteten tosenden Applaus, als sie den trinkfreudigen Besuchern zuprosteten. Die Chefin der Bundes-Grünen, Claudia Roth - im neongrünen Dirndl mit orange-farbenen Haaren - wurde dagegen mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen bedacht.

Ein Dirndl-Skandal wie im vergangenen Jahr blieb der Wiesn 2009 erspart. Seehofers Ehefrau Karin erschien im traditionellen blauen Dirndl mit rot-weiß karierter Schürze, die ganz auf die Krawatte ihres Gatten abgestimmt war. "Das haben wir geliehen", scherzte Seehofer. Seine Frau sagte aber, es gehöre wirklich ihr. "Ich trage gerne Dirndl." Im Vorjahr hatte sich Marga Beckstein, die Frau des damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU), geweigert, ein Dirndl zu tragen und war in Trachtenjacke zum Wiesn-Anstich gekommen.

Für einen Aufreger hatte wenige Tage vor dem Anstich ein Streit um Fotos von nackten Brüsten und Betrunkenen auf dem Oktoberfest gesorgt. Der Bayerische Journalistenverband sprach von "Zensur". In dem Akkreditierungsformular für das Hofbräu-Zelt heißt es unter anderem: "Aufnahmen von Personen in unangemessener oder unvollständiger Kleidung sind verboten." Die Festleitung um Wiesn- Chefin Gabriele Weishäupl sagte dazu, jeder Wirt dürfe von seinem Hausrecht Gebrauch machen.

Rund sechs Millionen Menschen werden auch in diesem Jahr wieder zur Wiesn erwartet, die am 4. Oktober endet. "Mein Wunsch ist wirklich, es möge eine friedliche Wiesn werden", sagte Ude. Nach islamistischen Terror-Drohungen gegen Deutschland wurden die Sicherheitsvorkehrungen in ganz Deutschland verschärft - auch auf dem Münchner Oktoberfest.

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