Mütter fordern Aufklärung
Wut und Trauer bei Gedenken an die Opfer von Beslan

Ein Jahr nach der Geiseltragödie von Beslan mit 331 Toten haben am Donnerstag Tausende bei einer Erinnerungsfeier der Opfer gedacht. Neben der Trauer machte sich auch Wut breit. Angehörige wollen wissen, wer die Verantwortung trägt für die Geschehnisse am ersten Schultag vor einem Jahr.

HB MOSKAU. Trauer, Tränen und Zorn haben den Jahrestag des Geiseldramas im südrussischen Beslan geprägt. Angehörige weinten in der Sporthalle der Schule im Nordkaukasus um die 331 Opfer, hielten aber auch mit ihrer Wut über die vermeintlich Schuldigen nicht zurück. Sie wollen wissen, wer die Verantwortung trägt für die Geschehnisse am ersten Schultag vor einem Jahr.

Damals stürmten tschetschenische Rebellen das Gebäude und nahmen etwa 1200 Geiseln - Schulkinder, Eltern und Lehrer. Mütter, die bei dem Drama ihre Kinder verloren hatten, baten am Donnerstag weinend um Asyl im Ausland. Das Bündnis „Mütter von Beslan“ will am Freitag zu Präsident Wladimir Putin in den Kreml fahren und sich persönlich beklagen. Am Donnerstag gedachte Putin des Dramas in einer anderen Provinzstadt, rund 500 Kilometer von Beslan entfernt.

„Mörderin, Mörderin! Warum bist du hierher gekommen?“, schrien einige der Trauernden der Schulleiterin Lydia Tsalijewa ins Gesicht. Sie werfen ihr vor, mit den Geiselnehmern zusammengearbeitet zu haben. „Es waren unsere eigenen Leute, die uns verkauft haben“, sagte Klara Kotunowa, deren Enkel bei dem Geiseldrama starb. Tsalijewa bestreitet die Vorwürfe - doch die Gerüchte belegen das tiefe Misstrauen der Menschen gegen Behörden und Amtsträger in der kleinen Stadt.

Die Tschetschenen hätten gar nicht erst über die schwer bewachten Straßen nach Beslan kommen dürfen, sagen die Mütter von Beslan. Die Befreiungsaktion zwei Tage nach der Geiselnahme sei schief gegangen. Die meisten Toten hatte es gegeben, als Sicherheitskräfte die Schule stürmten. Zuvor war es in der Sporthalle zu einer bislang unerklärten Explosion gekommen. Die Hälfte der Opfer waren Kinder.

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