„#Mundpropaganda”

Promi-Männer knutschen gegen Homophobie

Grönemeyer, Moses Pelham und zwei Olympiasieger: Für das „GQ”-Magazin ließen sich Sportler, Musiker und Schauspieler beim Knutschen miteinander ablichten. Die „#Mundpropaganda”-Kampagne zielt auch auf Russland ab.
Diese Promi-Männer knutschen für mehr Toleranz
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Jonas Reckermann (l.) und Julius Brink standen bereits als Paar in der Öffentlichkeit – auf dem Beachvolleyballfeld. Daran haben die beiden gute Erinnerungen, schließlich gewannen sie bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London die Goldmedaille. „Also sagen wir so, ich war ihm ja schon in anderen Jubelszenen wesentlich näher“, erinnert sich Reckermann. Und Brink betont die Vorbildfunktion von olympischen Athleten: „Ich würde mir wünschen, dass gerade der olympische Gedanke frei von Barrieren ist.”

Foto: Felix Krüger für GQ Deutschland

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In der neuen Ausgabe des Männermagazins, das sich normalerweise mit Lebensstil, Luxus und Mode beschäftigt, sind die sechs zustande gekommenen Fotos küssender heterosexueller Männer abgedruckt. Ein Making-Of des Fotoshootings gibt es hier zu sehen.

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Johannes Strate (l., hier mit Bandkollege Jakob Sinn) von der Band Revolverheld beklagt ein defektes Rollenbild in Deutschland: „Ich habe auch oft das Gefühl, dass in den Medien Schwulsein immer dann akzeptiert wird, wenn es so der bunte, lustige Pausenclown ist, über den alle lachen. Aber wenn es dann ernst wird, dann dürfen sich Schauspieler im Zweifel doch nicht outen, weil sie die richtigen Macho-Rollen nicht mehr kriegen würden.“

Foto: Felix Krüger für GQ Deutschland

Herbert Grönemeyer fordert mehr Musikunterricht
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„Ich finde es richtig, mit der Kampagne Stellung zu beziehen”, betont der deutsche Popsänger Herbert Grönemeyer, der sich für das GQ-Fotoshooting küssend mit dem Schauspieler August Diehl ablichten ließ. „Das ist auch für die Menschen in Russland wichtig, dass sie das Gefühl haben, sie werden damit nicht allein gelassen.“

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Das „Aktions-Visual” der Kampagne liegt dem Magazin als Aufkleber bei. Mit der Raute vor dem Wort „Mundpropaganda” will die Zeitschrift dazu aufrufen, sich in sozialen Netzwerken mit diesem Hashtag über die Kampagne zu unterhalten. Die Rechnung geht auf: Das neue Hashtag macht schnell die Runde.

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Die Schauspieler Ken Duke (l.) und Kostja Ullmann wollen mit ihrem Kuss für die Kamera ein Zeichen setzen. „Die Russen und vor allem auch Putin sollten sehen, was es bedeutet, in einer liberalen, demokratischen Gesellschaft aufzuwachsen”, erklärt Ullmann.

Foto: Felix Krüger für GQ Deutschland

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Auch die Rapper knutschen: Musikproduzent Thomas D, der sich beim Knutschen mit seinem Rapperkollegen Moses Pelham fotografieren ließ, kritisiert die Situation im eigenen Land: „Wir haben natürlich offiziell die Freiheit, dass jeder so sein kann, wie er will. Aber in den Köpfen findet diese Freiheit selten statt oder wenig. Schwule müssen hier weniger Verfolgung fürchten – aber die Ächtung, die Missbilligung und die Ablehnung, die spürt man bestimmt jeden Tag.“

BerlinZwei attraktive Männer mit Dreitagebart, gekleidet mit schwarzen Shirts, ausgeleuchtet in einem Raum mit grellem Licht – und absolute Intimität, ein inniger Kuss zwischen Jonas Reckermann und Julius Brink: Unter dem Motto „#Mundpropaganda – Gentlemen gegen Homophobie” startet das Männermagazin GQ eine Aktion gegen Intoleranz. In einem Fotoshooting der Zeitschrift küssen sich männliche Stars wie Herbert Grönemeyer, die Bandmitglieder von Revolverheld und die Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann ganz öffentlich.

Mit der Aktion bricht das Männermagazin auch in Deutschland ein Tabu. Schließlich gilt „schwul” immer noch als Schimpfwort, die sexuelle Orientierung spielt auch unbewusst bei vielen Angelegenheiten noch eine Rolle. Die Männer haben sich auf Initiative von GQ in Fotostudios in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin paarweise getroffen – um sich zu küssen und dabei den sonst männertypischen Schauder vor der Intimität mit einem Mann zu überwinden. In einigen Fällen lagen die Kuss-Kombinationen auf der Hand – wie bei Brink und Reckermann – in anderen Fällen äußersten die Promi-Männer Wünsche, mit wem sie knutschen wollten. So wünschte sich laut Verlag Herbert Grönemeyer den Schauspieler August Diehl für die Aktion.

Dazu stellt die Zeitschrift Statements der 13 prominenten Fremd-Küsser: „Du kannst niemandem befehlen, wen er lieben soll“, erklärt der Rapper Thomas D seine Beteiligung am Projekt, bei dem 13 heterosexuelle deutsche Stars mitmachten. Besonderer Augenmerk liegt dabei auf die am 7. Februar beginnenden Olympischen Winterspiele im besonders gegen Homosexuelle restriktiven Russland.

Der Schauspieler Kostja Ullmann sieht das Protestverbot der Athleten während der Sportveranstaltung kritisch: „Wenn die Sportler nach Russland gehen, müssen sie das Recht haben, zu demonstrieren und ihre Meinung zu äußern. Andernfalls sollte das Ganze nicht stattfinden.“

Die Bilder sollen ein Zeichen der Solidarität und des Protests gegen Homophobie sein, die wie die jüngsten Beispiele aus Russland oder Frankreich zeigen, noch immer weit verbreitet ist. In Frankreich gab es jüngst Proteste gegen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. In Russland werden sie gar verfolgt, verprügelt und inhaftiert.

Die sechs laut GQ „überraschend leidenschaftlichen Bilder” (GQ-Chefredakteur José Redondo-Vega) sind in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift abgedruckt, die ab dem 12. Dezember verkauft wird. Björn Warns von der Rappergruppe Fettes Brot hat das Shooting keine Überwindung gekostet: „Wir küssen uns auch auf der Bühne oft. So was ist nichts Besonderes oder Neues für uns.“

Der Beachvolleyballer Julius Brink küsste vor der Kamera des GQ-Fotografen Felix Krüger mit seinem ehemaligen Jonas Reckermann erstmals einen Mann – und bereut es nicht: „Es war eine interessante Erfahrung. Meine Frau ist mir dennoch lieber.“

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