Musik auf Vinyl
Die Rückkehr der Schallplatte

Die CD sollte ihr Ende bedeuten. Doch nun feiert die gute alte Schallplatte ein Comeback. Millionen der schwarzen Scheiben verlassen jährlich eines der größten Presswerke weltweit. Die Nachfrage steigt.
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LodeniceDie Schallplatte lebt. Wer es nicht glauben will, muss nur einen Blick hinter die Werks-Tore einer kleinen Fabrik bei Prag werfen. Bei einem der größten Hersteller der runden Scheiben weltweit stehen die Maschinen seit fünf Jahren nicht mehr still. „Wir produzieren 24 Stunden täglich, 360 Tage im Jahr“, sagt GZ-Media-Verkaufsdirektor Michal Nemec stolz.

Der typische leichte Plastik-Geruch der Vinyl-Scheibe liegt in der Luft. Arbeiterinnen stehen konzentriert an Dutzenden großen Pressmaschinen. Mit flinker Hand legen sie die beiden Etiketten auf beide Seiten eines kleinen „Kuchens“ aus Kunststoff-Material. Das kleine Päckchen kommt zwischen die Pressmatrizen. Den Rest erledigt ein enormer Druck von 150 Tonnen - fertig ist die Schallplatte.

Dass in dem kleinen Dorf Lodenice überhaupt noch Schallplatten hergestellt werden können, hat auch etwas mit dem Geiz der Fabrikbesitzer zu tun. „Die CD hätte fast den Tod der Schallplatte bedeutet“, sagt Nemec. Doch die Besitzer ließen die alten Maschinen nicht etwa verschrotten. „Es war für sie ein Wert, um den es schade gewesen wäre“, erzählt er. Als dann der Vinyl-Boom begann, riss er die Pressen aus ihrem Märchenschlaf.

Dass die Schallplatte zum neuesten Lifestyle-Accessoire wurde, hat hier alle überrascht. Nemec erklärt sich das Phänomen so: „Immer mehr Menschen suchen einen natürlichen Lebensstil, sie wollen das Leben besser genießen.“ Manche würden wieder selbst kochen. „Und ein Teil der Leute will, wenn sie Musik hören, mehr Gefühl damit verbinden“, sagt er.

Das fange schon bei der Verpackung an, die viel aufwendiger sei als zu den Hochzeiten des Mediums. Auch die Platte selbst ist längst nicht mehr nur rußgeschwärzt. Es gibt sie in allen Farben des Regenbogens oder bunt gesprenkelt.

Ob die Klangqualität besser als bei einer digitalen CD ist, darüber tobt seit Jahrzehnten ein heftiger Glaubenskrieg. Auf der einen Seite stehen die Liebhaber des warmen Vinyl-Klangs, auf der anderen die Verfechter des technischen Fortschritts. Im Tonstudio DM1 der Plattenfabrik stellt Toningenieur Jiri Zita gerade einen Master her, die Vorlage für die Schallplatte. „Wenn das Ausgangsmaterial gut vorbereitet ist, dann kann die Schallplatte tatsächlich besser klingen als die CD“, sagt er.

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