Aus aller Welt
Muskelspiel in Moskau

Russland hat seine Auslandsschulden beglichen und dank der Rekordpreise für Öl und Gas im so genannten Stabilisierungsfonds gut 77 Mrd. Dollar auf die Seite legen können - für schlechte Zeiten. Der Rohstoffreichtum füllt Russlands Kassen und stärkt das Selbstbewusstsein. Der Westen reagiert verstört.

MOSKAU. Für Europa waren die Bilder ein Schock. Kurz vor Silvester, mitten in einem der kältesten Winter in Osteuropa seit Jahren, zeigten die russischen Nachrichten, wie ein Arbeiter an einer Gaspipeline mit einem Rad werkelt: Ganz einfach sei es, erklärt er dem Publikum - ein paarmal drehen und schon sind die Gaslieferungen in die Ukraine gestoppt. Das Bild ging um die Welt. Kurz darauf war es dann so weit. Im Streit um Preiserhöhungen unterbrach Russland den Gasexport zum wichtigsten Transitland nach Westeuropa, und dieses hatte ein neues Feindbild: die russische "Energiesupermacht", "Gasputin" und den Monopolisten Gazprom, der für ein Viertel der europäischen Gasimporte verantwortlich ist.

Mit einem Mal dämmerte es einer breiten Öffentlichkeit, dass es Europa nicht nur an einer echten Energiestrategie fehlt, sondern dass es sich künftig politisch mit einem zunehmend selbstbewussten Russland auseinander setzen muss: Keine Spur mehr vom "kranken Mann an der Moskwa". Der hat inzwischen seine Auslandsschulden beglichen und dank der Rekordpreise für Öl und Gas im so genannten Stabilisierungsfonds gut 77 Mrd. Dollar auf die Seite legen können - für schlechte Zeiten.

Der "Gaskrieg" mit der Ukraine lieferte auch ein Muster, das sich heute in fast allen Konflikten zwischen Russland und Europa wiederfindet: Auf russischer Seite hat sich das Gefühl entwickelt, vom Westen nicht verstanden oder gar zurückgewiesen zu werden. Europa und vor allem die USA wiederum schauen mit steigender Skepsis auf ein Land, das immer unverhohlener einen Großmachthabitus an den Tag legt und es dabei nach westlichem Verständnis zudem am richtigen Ton fehlen lässt.

Auch gelungene Inszenierungen wie der G8-Gipfel in Sankt Petersburg im Sommer, der aus russischer Sicht einmal mehr den Anspruch untermauerte, mit den anderen Industrienationen auf Augenhöhe zu sprechen, haben daran wenig ändern können.

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