"Mutter der Nation" starb mit 94 Jahren
Inge Meysel ist tot

Die Schauspielerin Inge Meysel ist tot. Sie starb im Alter von 94 Jahren.

HB BERLIN. Die Schauspielerin Inge Meysel ist am Samstag im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Hamburg gestorben. Dies teilte ihr Betreuer Peter Knuth mit. Meysel litt seit rund einem Jahr an Altersdemenz. Bei ihrem Tod sei sie jedoch bei Bewusstsein gewesen, sagte Knuth. Ihre Betreuer seien bei ihr gewesen.

Im April diesen Jahres hatte Meysel einen komplizierten Oberschenkelbruch erlitten. Ihren 94. Geburtstag hatte sie im Mai mit ihren letzten Angehörigen, ihrer Nichte und deren Mutter, sowie ihrem Manager Knuth und ihrer Anwältin gefeiert.

Ihren Manager hatte sie zuletzt immer «Papa» genannt. «Das ist so traurig, dabei könnte man heulen», hatte Knuth kürzlich in einem Interview gesagt. Meysel habe zudem nur noch selten gesprochen, wenn dann zumeist über ihre Mutter.

Meysel wurde am 30. Mai 1910 als Tochter einer Dänin und eines deutschen Tabakwarenhändlers in Berlin geboren. Ihr Vater musste sich als Jude während der Nazi-Herrschaft zeitweise verstecken. 1930 debütierte sie in Zwickau in der Erstaufführung von Penzoldts «Etienne und Louise». Nach dem Krieg spielte sie am Hamburger Thalia Theater und später auch am Schauspielhaus. Ihren Durchbruch schaffte sie Ende 50er Jahre in dem Stück «Das Fenster zum Flur» als Portiersfrau. Diese Rolle brachte ihr später den Ruf als «Mutter der Nation» ein.

In den letzten 40 Jahren spielte sie in mehr als 100 Fernsehproduktionen, darunter war auch ihre Paraderolle als Putzfrau «Ada Harris». Ende Mai war Meysel in ihrer letzten Rolle zu sehen: als «Oma Kampnagel» in der ARD-Krimiserie «Polizeiruf 110» unter dem Titel «Mein letzter Wille».

Inge Meysel verkörperte nicht nur im Film eine resolute Frau. Auch als öffentliche Person nahm Meysel nie ein Blatt vor den Mund. So klagte sie 1978 gemeinsam mit Alice Schwarzer und Luise Rinser über die «Darstellung der Frau als bloßes Sexualobjekt» gegen das Magazin «Stern». 1991 machte sie Werbung als Mitglied für den Verein «Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben».

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