Mutter vor Gericht
Lange Haftstrafen im Babymord-Prozess gefordert

Sowohl die Anklage als auch die Verteidigung haben im Prozess um die Todesfälle zweier Babys mehrjährige Haftstrafen für die Mutter beantragt. Die 36-Jährige könnte für mehr als fünf Jahre ins Gefängnis kommen.
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BraunschweigAnklage und Verteidigung haben im Prozess um die Todesfälle zweier Babys in Braunschweig mehrjährige Haftstrafen für die angeklagte Mutter beantragt. Die 36-Jährige hatte gestanden, ihrer 2005 geborenen Tochter die Kehle durchgeschnitten zu haben. Ein im April zur Welt gekommenes Mädchen soll in der Badewanne ertrunken sein, während die Mutter ohnmächtig war. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll die Frau wegen zweifachen Totschlags siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis, die Verteidigung plädierte auf fünfeinhalb Jahre.

Bei den bisher fünf Verhandlungstagen am Landgericht Braunschweig hatte die Lebensgeschichte der Frau im Mittelpunkt gestanden. Nach eigener Aussage war sie mit zwölf Geschwistern und ihren Eltern in einer Dreizimmerwohnung in Celle aufgewachsen. Ihre kurdischen Eltern waren streng gläubige Yeziden. Als 18-Jährige floh sie vor einer drohenden Zwangsheirat zu ihrem Liebhaber nach Braunschweig.

Dort lebte sie seither „im Verborgenen“, wie sie selbst sagte. Ohne Ausweis, ohne Krankenversicherung und ohne angemeldeten Wohnsitz kam sie durchs Leben, finanzierte es durch Jobs in der Gastronomie. Für Bekannte und ihre Lebensgefährten erfand sie verschiedene Lügen über ihre Herkunft. Sie erzählte, dass sie im Kloster oder bei Adoptiveltern groß geworden sei.

Ihre zwei Schwangerschaften verheimlichte sie. Die erste im Jahr 2005 hatte sie nach Ansicht eines Gutachters bis zur Geburt des Kindes verdrängt. Psychisch bescheinigte der Experte der Angeklagten zwar keine Krankheit. Sie habe aber in realitätsferne Zustände fallen können. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein solcher Zustand nach der fast 24 Stunden dauernden Geburt im Jahr 2005 vorlag. Die Frau habe völlig überfordert und wie in Trance zum Messer gegriffen, um ihr Kind zu töten, sagte die Oberstaatsanwältin. Die Mutter verscharrte die Babyleiche am Waller See.

Beim Tod des zweiten Kindes gibt es nach Überzeugung der Anklagebehörde „eine Fülle von Indizien“ dafür, dass die Tat geplant war. Die Mutter, die sich nach eigenen Angaben diesmal auf das Kind gefreut hatte, habe keine Babykleidung oder Windeln gekauft und auch keine Hilfe für die Geburt geholt. Als das Kind nach der Geburt ertrunken sei, habe sie die Leiche „in menschenverachtender Weise“ im Müllcontainer einer Tankstelle entsorgt.

Die Verteidigung hingegen betonte die Reue und Einsicht der Frau. Sechs Jahre nach der ersten Tat und unter dem Fahndungsdruck der Polizei sei sie nicht etwa abgetaucht, wie sie es sonst typischerweise in ihrem Leben getan habe. Sondern sie habe sich der Polizei gestellt und ihre Taten vor Gericht ausführlich und „mit ziemlich viel Mut“ geschildert, wie die Verteidigerin sagte. Von den Vätern der Kinder sei die Angeklagte im Stich gelassen worden. Ein Urteil will das Gericht am Montag (14. November) verkünden.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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