Mysteriöse Mordserie mit neun Toten
Polizei tappt im Dunkeln

Über die Hintergründe der bundesweiten Mordserie mit mittlerweile neun Opfern rätseln die Ermittler weiter. Ein Motiv für die tödlichen Schüsse auf einen 21- Jährigen in Kassel am vergangenen Donnerstag sei nicht erkennbar, berichtete die Staatsanwaltschaft am Dienstag.

HB KASSEL/WIESBADEN. Hinweise auf den oder die Täter fehlen. Der Betreiber eines Internet-Cafés in Kassel war mit zwei Schüssen in den Kopf getötet worden. Die Kugeln stammten aus derselben Waffe, mit der schon acht andere meist türkischstämmige Kleinunternehmer getötet worden waren.

„Wir starten mit unseren Ermittlungen vollkommen neu“, sagte Kassels Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Zunächst klopfe die eigens eingerichtete 20-köpfige Mordkommission das persönliche Umfeld das Opfers ab. Gleichzeitig stehen die Kassler Ermittler in ständigem Kontakt mit den Kollegen aus den anderen Bundesländern, wo es weitere acht Mordopfer gab. Bislang gebe es ebenso wie in den anderen Fällen keinerlei Anhaltspunkte für Schutzgelderpressung oder Drogengeschäfte. „Bei allen neun Opfern ist überhaupt nichts zu holen gewesen, das solche Morde gerechtfertigt hätte“, sagte Jungnitsch.

Die Staatsanwaltschaften haben insgesamt 30 000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, mit denen die Verbrechen aufgeklärt werden können. Einziges Bindeglied aller Fälle sei die Waffe, schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) auf seiner Internet-Seite. Alle Opfer waren mit einer tschechischen Pistole der Marke Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65 Millimeter, erschossen worden. In zwei Fällen wurde zusätzlich mit einer zweiten Pistole unbekannten Typs mit einem kleineren Kaliber (6,35 Millimeter) geschossen.

Auch anderen Gemeinsamkeiten helfen den Ermittlern nicht weiter: So sei in keinem der Fälle ein Motiv erkennbar, heißt es beim BKA. Die Täter hätten jeweils „sehr professionell gehandelt“. Alle Opfer wurden an ihrem Arbeitsplatz erschossen, als sie allein waren. Stets fielen die Schüsse während der Geschäftszeiten. Verbindungen der Opfer untereinander konnten bisher nicht hergestellt werden. Die Mordserie begann im September 2000. In Nürnberg gab es drei und in München zwei Morde, andere Tatorte waren Hamburg, Rostock, Dortmund und im jüngsten Fall Kassel.

Die Polizei in Bayern erhofft sich von den jüngsten Fällen in Dortmund und Kassel neue Hinweise. „Bei den Ermittlungen geht es um zwei zentrale Fragen: Welche Motive hatten die Täter? Und was ist das Verbindende der Fälle“, erklärte ein Nürnberger Polizeisprecher am Dienstag. „Bislang haben wir nur festgestellt, dass es sich um kleine Lichter in einer Kette handelt, die wir noch nicht erkennen können.“ Finanzfahnder hätten in den Büchern der Kleinunternehmer keine Auffälligkeiten gefunden.

Das Kasseler Opfer war ein Deutscher türkischer Abstammung. Als er getötet wurde, waren drei Männer im Alter von 14, 16 und 35 Jahren in den Telefonkabinen oder an den Internetstationen des Geschäfts. Bei der Vernehmung berichtete der 35-Jährige, einen dumpfen Knall gehört zu haben. Wegen des Straßenlärms und der Konzentration auf sein eigenes Telefonat habe er dem aber keine Bedeutung beigemessen. Die Männer stehen nicht unter Tatverdacht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%