Nach Amoklauf
Nach Amoklauf: Angst vor „Big-Brother-Klima“

Nach dem Amoklauf von Winnenden hat das Nachdenken über politische Konsequenzen begonnen. Der Deutsche Lehrerverband (DL) wandte sich im Gespräch mit Handelsblatt.com ausdrücklich gegen überzogene Forderungen aus der Politik. Laut Polizei gibt es inzwischen erste Anzeichen für ein Motiv des Täters.

dne/HB BERLIN. Eine weitere Verschärfung des Waffenrechts halten Politiker und Experten aber nicht für erforderlich. „Wir sind auf der Höhe der Zeit“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), der „Welt“. Ähnlich äußerte sich der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach: „Wir haben das Waffenrecht nach Erfurt weiter verschärft und haben im internationalen Vergleich ein strenges Gesetz“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, erklärte in der hannoverschen „Neuen Presse“: „Das Waffenrecht in Deutschland ist so streng wie nie zuvor.“ Die Waffen wie vorgeschrieben wegzuschließen, liege „in der Verantwortung eines jeden privaten Waffenbesitzers“.

Bosbach warnte vor einer einseitigen Diskussion um das Waffenrecht: „Die Themen schulpsychologische Arbeit und Gewaltprävention sind nach so einem Fall mindestens genauso wichtig.“ Edathy kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, Metalldetektoren einzusetzen „in den Schulen, in denen bereits festgestellt wurde, dass Waffen im Umlauf sind“.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) warnte dagegen vor überzogenen Konsequenzen. "Metalldetektoren und Kameras zur Videoüberwachung zu installieren, halte ich nicht für sehr sinnvoll", sagte DL-Präsident Josef Kraus am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Das gaukelt eine Sicherheit vor, die es nicht gibt. Außerdem schafft eine solche Installation ein Big-Brother-Klima, das nicht gut ist für eine Einrichtung, in der sich Heranwachsende frei entfalten sollen." Im Übrigen sei es asu seiner Sicht so, dass Amokläufer eine möglichst große Zahl an Opfern in Kauf nähmen, sagte Kraus weiter. "Wenn er dergleichen vorhat, dann lässt er sich von keinem Metalldetektor abhalten, oder er überfällt einen von täglich Hunderttausenden von Schulbussen."

Der Lehrerverbands-Präsident riet dazu, den Schulen zu überlassen, welche Konsequenzen sie aus der Tat in Baden-Württemberg ziehen. Jede Schule müsse unter Berücksichtung ihrer spezifischen Gegebenheiten "eigenverantwortlich" handeln, sagte Kraus. "Zum Beispiel haben viele Schulen eigene Evakuierungspläne bzw. Schließsysteme entwickelt."

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