Nach Anklage: Boston-Attentäter droht die Todesstrafe

Nach Anklage
Boston-Attentäter droht die Todesstrafe

Sicherheitskreise vermuten religiöse Motive hinter den Anschlägen in Boston. Gegen Dschochar Zarnajew ist nun Anklage erhoben worden. Er soll jedoch nicht als „feindlicher Kämpfer“ behandelt werden.
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Boston/WashingtonDem überlebenden der beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston droht nach der Anklageerhebung die Todesstrafe. Dschochar Zarnajew wurde am Montag im Beisein eines Richters im Beth Israel Deaconess Krankenhaus in Boston die Klageschrift verlesen, wie ein Sprecher des Bundesbezirksgerichts für den Distrikt Massachusetts mitteilte. Sie umfasst den Einsatz einer Massenvernichtungswaffe sowie die Zerstörung von Eigentum mit Todesfolge mit Hilfe eines Sprengsatzes.

Sollte Zarnajew schuldig gesprochen werden, kann laut der Behörde die Todesstrafe oder eine langjährige, möglicherweise gar lebenslange Haftstrafe gegen ihn verhängt werden. Als Tag für die erste Anhörung des Beschuldigten wurde der 30. Mai festgelegt. "Wir haben einmal mehr gezeigt: Wer unschuldige Amerikaner angreift und unsere Städte zu terrorisieren versucht, kann sich der Strafe nicht entziehen", sagte Justizminister Eric Holder.

Zwar wurde im Bundesstaat Massachusetts die Todesstrafe in den 80er Jahren abgeschafft. Zarnajew wird allerdings nach US-Bundesrecht angeklagt. Zuständig für den Fall ist die Staatsanwältin Carmen Ortiz. Ihr ist vorgeworfen worden, zu hart gegen Angeklagte vorzugehen. Unter anderem war sie für den mutmaßlichen Hacker Aaron Swartz zuständig, der im Januar Selbstmord beging. Internet-Aktivisten hatten anschließend ihre Absetzung gefordert.

Das Weiße Haus betonte, Zarnajew werde nicht als "feindlicher Kämpfer" behandelt, wie dies von einigen Republikanern gefordert worden war. "Wir werden diesen Terroristen durch unser ziviles Justizsystem bestrafen", sagte Sprecher Jay Carney. Die US-Justiz habe seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bewiesen, dass es der anhaltenden Bedrohung gewachsen sei. Als "feindlicher Kämpfer" könnte Zarnajew wie die Terrorverdächtigen im US-Gefangenenlager Guantanamo unbefristet ohne Anklage oder Prozess festgehalten werden.

Zarnajew soll vor einer Woche gemeinsam mit seinem 26 Jahre alten Bruder Tamerlan den Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben, bei dem drei Menschen getötet und rund 180 weitere verletzt worden waren. Tamerlan war in der Nacht zum Freitag bei einer Verfolgungsjagd mit Polizisten getötet worden. Zarnajew selbst wird derzeit wegen Verletzungen behandelt, die er während einer Schießerei mit der Polizei erlitt.

Dschochar Zarnajew wird unter Bewachung auf der Intensivstation behandelt. Er erlitt bei einer Schießerei mit der Polizei eine Schussverletzung am Bein sowie einen Mund-Durchschuss. Es ist nicht klar, ob er sich jenen bei einem Schusswechsel zuzog oder bei einem Selbstmordversuch selbst zufügte. Unbestätigten Medienberichten zufolge wird er künstlich beatmet und antwortet schriftlich auf die Fragen der Ermittler. Die Verlesung der Anklage deutet darauf hin, dass er ansprechbar ist, da der anwesende Richter sich davon überzeugen müsste, dass er dem Vorgang folgen kann.

Die beiden mutmaßlichen Bombenleger von Boston hatten nach Angaben Washingtoner Sicherheitskreise vermutlich religiöse Motive für ihren Anschlag in der vergangenen Woche. Das sagten zwei Gewährsleute am Montag. Dschochar und Tamerlan Zarnajew seien den bisher ermittelten Beweisen zufolge vermutlich Einzeltäter.

Die Attentäter planten nach Einschätzung der Ermittler vermutlich noch weitere Anschläge. Wie der Bostoner Polizeichef Ed Davis dem Fernsehsender CBS sagte, verfügten sie bei ihrer Flucht noch über mehrere selbstgebastelte Sprengsätze und Schusswaffen. In Boston wurde um 14.50 Uhr (Ortszeit, 20.50 Uhr MESZ) eine Schweigeminute für die Opfer der Anschläge abgehalten. Zu diesem Zeitpunkt war die erste der beiden Bomben an der Marathonstrecke explodiert.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Anklage: Boston-Attentäter droht die Todesstrafe"

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  • Immerhin wird hier mutmaßlicher Attentäter geschrieben. Den schwarzen Rucksack hat ja offenkundig ein anderer hingelegt. Aber treibt ruhig weiter euer Spiel.

  • Ich habe noch keine einzige Aussage des Jungen gelesen. Was schreibt er denn? Warum wird nichts veröffentlicht?

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