Nach BGH-Urteil
Bettina Wulff nimmt Feldzug gegen Google wieder auf

Der Prozess von Bettina Wulff gegen Google geht im Herbst weiter. Davon geht der Anwalt der Ex-First-Lady aus. Wulff versucht seit Jahren, die Kombination ihres Namens mit Begriffen aus dem Rotlicht zu unterbinden.
  • 22

Düsseldorf„Bettina Wulff“ und „Escort“ – die Chancen stehen gut, dass diese und ähnliche Wortkombinationen künftig nicht mehr von Google vorgeschlagen werden. Das glaubt der Anwalt der Noch-Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Gernot Lehr. „Ich gehe von einem Verhandlungstermin im Herbst aus“, sagte er Handelsblatt Online.

Den ursprünglich festgesetzten Termin beim Landgericht Hamburg am 26. April hatten Bettina Wulff und ihr Anwalt auf Eis legen lassen, da sie das Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in der vergangenen Woche abwarten wollten. Jetzt will Bettina Wulff bei ihrem eigenen Verfahren durchstarten.

Die Entscheidung der BGH-Richter dürfte ihr und anderen Prominenten Rückenwind bringen. Der BGH hatte entschieden, dass Googles Autocomplete-Funktion – also das automatische Hinzufügen von Suchbegriffen – teilweise rechtswidrig ist. Im aktuellen Fall hatte ein Unternehmer geklagt, weil die Suchmaschine seinen Firmennamen mit den Begriffen „Scientology“ und „Betrug“ automatisch kombiniert hatte.

Nach eigenen Angaben hat Google in Deutschland bisher fünf Verfahren im Autocomplete-Streit gewonnen. Bevor sie die Klage einreichten, hatten Wulff und ihr Rechtsbeistand monatelang Gespräche mit Google über den Umgang mit dem Autocomplete-Algorithmus geführt.

Die Antwort des Konzerns war stets die Gleiche: Aus grundsätzlichen Erwägungen und zur Vermeidung des Vorwurfs der Zensur dürfe man den Automatismus nicht stoppen. Technisch sei das möglich, argumentierte stets Wulffs Anwalt. Etwa bei Kinderpornografie filtere der Konzern zweifelhafte und anrüchige Vervollständigungen.

Dem jüngsten Urteil entsprechend muss Google die Funktion zwar nicht abschaffen, konkrete Aufforderungen Betroffener müssen aber überprüft und gegebenenfalls unterbunden werden. Das könnte demnach auch auf den Fall „Wulff“ zutreffen. Seit Jahren kämpft die ehemalige deutsche First Lady darum, unwahre Gerüchte im Internet, sie habe eine Rotlicht-Vergangenheit, zu unterbinden.

Durch die Autocomplete-Funktion werden ihrem Namen Begriffe wie „Escort", „Artemis" oder „Rotlicht" hinzugefügt. Tippt man ein „P“ ein, führt das Programm etwa zu „Bettina Wulff Prostitution“, ein „N“ führt zu „Nylon“, „Netzstrümpfe“ oder „Nachtclub“. Die Liste ist beliebig fortsetzbar. Vielleicht nicht mehr allzu lang. „Das Urteil ist sehr ermutigend“, sagte Lehr. „Es war also richtig zu klagen.“

Kommentare zu " Nach BGH-Urteil: Bettina Wulff nimmt Feldzug gegen Google wieder auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hat Frau Wulff noch nicht alle Bücher an den Mann gebracht?

  • Was sich Frau Wulff, nachdem ihr Mann aus dem Amt gedrängt wurde geleistet hat, ist schon nach Studium ihres Buches sehr grenzwertig.
    Ich sehe keinen moralischen Unterschied, ob die Dame früher mal im Milieu tätig war, oder sich nur die passenden Männer gesucht hat, um persönliche Vorteile auf Kosten dieser Männer zu erlangen!

  • Das Problem liegt nicht in der Kombination des Gesuchten mit negativ belasteten Zusätzen (z.B. "Bettina Wulff Rotlich"), sondern mit POSITIV besetzten Zusätzen. Beispiele: "Bettina Wulff Missionar" oder "Bettina Wulff gefühlsecht". Denn was ist an Missionaren oder Gefühlen schon negativ?
    Das bedeutet, Google wird die Funktion komplett abschalten müssen. Freut sich Microsoft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%