Nach Busunglück schwierige Identifizierung
Mehr Sicherheit und Kontrolle gefordert

Nach dem zweiten schweren Busunglück mit deutschen Touristen innerhalb weniger Tage mehren sich die Forderungen nach schärferen Kontrollen und strengeren Sicherheitsvorschriften für Busse. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sprach sich am Montag für eine strengere Überwachung von Lenkzeiten, Ruhepausen und Fahrgeschwindigkeiten aus. Außerdem forderte er eine Ausweitung der Gurtpflicht in Bussen sowie vollständige Passagierlisten.

Reuters HANNOVER/BERLIN. Das Verkehrstechnische Institut der deutschen Versicherungsunternehmen forderte die Pflicht zum Einbau von Elektronischen Stabilitätsprogrammen (ESP) in Bussen, manipulationssichere Tempobegrenzer und stabilere Bauweisen für Busse. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) kündigte Gespräche mit dem Bundesverband der Busunternehmen an. Es gehe nun darum, Kontrollen zu verschärfen und Manipulationen an den Fahrtenschreibern zu verhindern, sagte Stolpe. Die Gewerkschaft der Polizei bemängelte, dass Verkehrskontrollen bei der Polizei eine immer geringere Rolle spielten.

Am Samstagmorgen waren bei dem Busunfall in der Nähe von Lyon 28 Menschen getötet und 47 verletzt worden, einige von ihnen schwer. Der Bus war nach ersten Ermittlungen auf regennasser Fahrbahn zu schnell gefahren und ins Schleudern geraten. Gut eine Woche zuvor war ein deutscher Reisebus in Ungarn von einem Zug erfasst worden.

Wegen unvollständiger Passagierlisten war die Identifizierung der Todesopfer und Schwerverletzten in Frankreich auch am Montagnachmittag, mehr als 60 Stunden nach dem Unglück, noch nicht abgeschlossen. Die Reisenden waren unterwegs nach Spanien und stammen aus Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Mindestens neun Tote kommen aus Niedersachsen, sieben aus Schleswig-Holstein, drei aus Nordrhein-Westfalen.

„Es ist schon sinnvoll, die Lenkzeiten mehr zu überprüfen und Geschwindigkeitskontrollen zu verstärken, um mehr Sicherheit zu garantieren“, sagte Minister Schünemann vor Journalisten in Hannover. Auch sei es vernünftig, die bisher europaweit nur für neuere Busse geltende Gurtpflicht auf ältere Busse auszuweiten. Nach Angaben der Innenministerien der betroffenen Bundesländer stammen mindestens neun Todesopfer aus Niedersachsen, darunter der Fahrer des Doppeldeckerbusses, sieben aus Schleswig-Holstein und drei aus Nordrhein-Westfalen.

Wesentlicher Grund für die Probleme bei der Identifizierung der Leichen ist, dass es keine vollständige Passagierliste gab, da bei kleineren Gruppen der an mehreren Orten zugestiegenen Insassen nur eine Person namentlich aufgeführt war. „Wir werden prüfen, ob man hier genauso wie bei Flugreisen eine Namensliste komplett haben muss“, sagte Schünemann.

Am Sonntagabend waren rund zwei Dutzend Überlebende des Busunglücks mit einer Sondermaschine aus Lyon nach Deutschland zurückgekehrt. Sie wurden von Sicherheitskräften abgeschirmt. Fünf Reiseveranstalter hatten den Bus bei dem Unternehmen Tiger-Reisen aus Wunstorf bei Hannover gechartert. Gesteuert hat den Doppeldeckerbus nach ersten Ermittlungen der Geschäftsführer von Tiger-Reisen selbst. Anstatt der bei nasser Fahrbahn vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde soll er französischen Angaben zufolge 117 gefahren sein.

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