Nach dem Abschuss
Morddrohungen gegen „Bruno“-Schützen

Nach seinem Abschuss in der Nacht zu Montag hatte es um „Bruno“ endlich ruhig werden sollen. Stattdessen protestieren jetzt zahlreiche Naturschutzorganisationen gegen den Tod des „Problembären“. Beim Landesjagdverband Bayern gingen gar Morddrohungen gegen die Schützen ein.

HB MÜNCHEN. „Der Bär ist tot, es leben die Mörder“, zitiert der Sprecher des Landesjagdverbandes Bayern, Thomas Schreder, eine E-Mail. Ein anderer E-Mail-Schreiber habe sich nach Namen und Adressen der Jäger erkundigt, die den Bären „ermordet“ hätten - „das Gleiche soll nun mit denen geschehen“. Schreder sagte, er werde wegen der Drohungen die Justiz einschalten. „Ich leite das weiter an die Staatsanwaltschaft.“

Insgesamt seien binnen kürzester Zeit nach „Brunos“ Tod rund 100 E-Mails bei dem Verband eingegangen. Unter anderem hätten sich Rechtsanwälte gemeldet, die den Verband verklagen wollten. Wer den tödlichen Schuss auf Bruno abfeuerte, ist unklar. Die Behörden wollen die Identität des Schützen nicht preisgeben. Man erklärte lediglich, der Bär sei „von jagdkundigen Personen“ auf der Kümpflalm in der Nähe des Spitzigsees erlegt worden. Der Jagdverband hatte mit Bedauern auf den Abschuss des Bären reagiert, ihn jedoch auf Grund von „Brunos“ atypischem Verhalten als notwendig angesehen.

Ähnlich bewertete die Lage auch die internationale Naturstiftung WWF: „'Bruno' war nach unserer Einschätzung bereits ein Risiko-Bär“, sagte die österreichische WWF-Sprecherin Susanne Grof. „Man könnte ihn beinahe verhaltensgestört nennen.“ Das habe auch die Art und Weise gezeigt, wie er Tiere riss.

Bär soll ausgestopft werden

Währenddessen reagieren zahlreiche andere Tierschützer mit Protest. „Die Versuche, den Bären lebend einzufangen, hätten fortgesetzt werden müssen“, erklärte Marlene Wartenberg von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Die Stiftung hatte für den Bären ein Gehege bei München bereitgestellt. Auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, äußerte sich betroffen: „Ich bin entsetzt, empört und traurig. Es ist beschämend, dass die Behörden keine andere Antwort für den ersten Bären hatten, der nach 170 Jahren deutschen Boden betreten hat.“

Die bayerische SPD forderte inzwischen den Rücktritt von Landesumweltminister Werner Schnappauf. „Der politisch verantwortliche Bärentöter Schnappauf hat als Umweltminister versagt und sollte seinen Hut nehmen“, erklärte der Umweltsprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, am Montag in München. SPD-Fraktionschef Franz Maget kündigte an, den Vorgang juristisch überprüfen zu lassen: „Die Abschussgenehmigung war ein Fehler und widerspricht möglicherweise dem Gesetz.“

Nach den erfolglosen Versuchen finnischer Bärenjäger, das seit Wochen durch deutsche Gefilde streunende Tier zu stellen und zu betäuben, hätten Experten erklärt, dass auch andere Fangmethoden keinen Erfolg mehr versprächen. Nach Angaben Bernhards wurden die Behörden am Sonntagabend informiert, dass der Bär im Spitzingseegebiet in den bayerischen Alpen gesehen wurde. Drei Jäger hätten sich dann auf die Fährte des Tieres gemacht und den Bären am frühen Montagmorgen aus 150 Meter Entfernung erschossen. „Der Bär war sofort tot“, sagte Bernhard. Das Tier solle nun wissenschaftlich untersucht, präpariert und später im Museum „Mensch und Natur“ in München ausgestellt werden.

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