Nach dem Feuer
Kaliforniens Winzer hoffen auf Rückkehr der Touristen

Die verheerenden Brände in Kalifornien haben vieles zerstört, die meisten Weingüter aber verschont. Viele mussten jedoch schließen, andere fürchten Umweltschäden. Und der Tourismus läuft erst langsam wieder an.
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NapaDie Heißluftballons, fast ein Wahrzeichen für Napa Valley, sind zurück. Einen Monat nach den verheerenden Wald- und Buschbränden schweben sie wieder über das berühmte Weinanbaugebiet in Kalifornien hinweg, das sich in bunten Herbstfarben präsentiert. Just hat ein neues Weingut eröffnet, Ashes and Diamond (Asche und Diamanten) heißt es. Ein Name, der schon lange vor dem Feuer ausgewählt wurde, aber nun so treffend klingt.

Dabei sind die Weinkellereien in der Region wirklich noch glimpflich davon gekommen. Dem Interessenverband Wine Institute zufolge sind von den 1200 Weingärten in Sonoma, Napa und Mendocino nur zehn zerstört oder schwer beschädigt worden. Das hat viel mit dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Anbaugebiete zu tun, die in manchen Fällen wie Feuerschneisen wirkten. Sie verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf anliegende Gebäude. Und: Die diesjährige Ernte war schon zu 90 Prozent abgeschlossen, als die Brände zu wüten begannen, die insgesamt 43 Menschenleben kosteten und 8900 Gebäude vernichteten.

Trotz aller Erleichterung blicken viele Winzer mit Sorgen in die Zukunft. Sie haben Verluste wettzumachen, die entstanden sind, weil sie ihre Weingärten -und Kellereien ausgerechnet in der geschäftigsten Saison des Jahres schließen mussten. In manchen Fällen sind die Auswirkungen von Rauch und anderen Umweltschäden durch das Feuer auch noch nicht abzuschätzen. Zudem gilt es, nach all den Wochen mit lodernden Flammen in der Presse die Touristen zur Rückkehr zu bewegen – sie davon zu überzeugen, dass die Bezirke Napa, Sonoma und Mendocino weiterhin einen Besuch wert sind.

„Tourismus ist das Lebensblut des Weingebietes“, sagt Caroline Beteta von der Organisation Visit California, die in Zusammenarbeit mit dem US-Staat Kalifornien als Reiseziel vermarktet. „Ich glaube, sie (die Winzer) werden wieder voll in der Lage sein, die Welt wie bisher zu Gast zu haben.“

Es geht um viel: Besucher haben allein im vergangenen Jahr in den drei Bezirken mehr als 3,7 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) ausgegeben. So füllen in diesen Tagen denn auch Weinkellereien die Seiten in der führenden Regionalzeitung „San Francisco Chronicle“ mit Werbung. Zum Beispiel heißt es da: „Wir haben geöffnet und heißen Sie willkommen zurück in Napa!“ Allein Visit California gibt zwei Millionen Dollar für eine Anzeigenkampagne aus. Wenn Leute erst einmal verstünden, dass nicht alles abgebrannt sei, werde der Tourismus in wenigen Monaten zurückkehren, zeigt sich Eric Luse überzeugt. Er ist Winzer und Besitzer der Eric Ross Winery in Glen Ellen.

Und schließlich hätte es ja auch für ihn und die meisten anderen viel schlimmer kommen können. So schlimm wie für das Weingut Signorello Estate in Napa beispielsweise: Hier brannten das Gebäude für Besucher, eine Küche, Büros, ein Weinlabor und das Haus des Besitzers Ray Signorello ab. „Wir haben alle Computer, Server und Systeme verloren – die Dinge, mit denen wir unsere Geschäfte erledigt haben“, sagt Signorello. Aber er ist entschlossen, alles wiederaufzubauen und seinen Angestellten wieder Arbeit zu bieten.

In der Cardinale Winery in Oakville, bekannt für ihren hochwertigen Cabernet Sauvignon, betrachtet Winzer Chris Carpenter seine Trauben mit Skepsis. Er spricht offen über seine Angst, dass die Folgen des Feuers vielleicht noch jahrelang zu spüren sein könnten – besonders denkt er dabei an die entstandenen Umweltschäden. Seine Ernte war nur zu 50 Prozent erledigt, als es zu brennen begann. Nun fürchtet er, dass der Rauch den restlichen Trauben geschadet haben könnte. Er hofft, dass er nach dem Gärungsprozess Klarheit hat.

2008 hatte er schon einmal die Gelegenheit, verräucherten Wein zu kosten – und er weiß, wie der schmeckt: nicht sehr angenehm. Wie Rebensaft mit Räucherspeck-Geschmack. „Wenn wir so etwas spüren, werden wir nicht abfüllen“, sagt Carpenter. Dagegen ist bei der Gundlach Bundschu Winery in Sonoma bereits wieder Normalität eingekehrt. Kürzlich vor der Probierstube aalten sich Dutzende Touristen in der Sonne. Geschwärzte Hügel in der Nähe waren die einzige sichtbare Erinnerung an das Flammeninferno.

Bei Winzer Eric Luse ist die Probierstube noch leer. Aber, so sagt er sinnierend mit Blick auf vorbeifahrende Autos: „Wenn du nicht optimistisch bist, dann bist du im falschen Geschäft.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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