Nach dem Tod eines Deutschen
Kennzeichen für Venedigs Gondeln

Nach dem tödlichen Unfall auf dem Canale Grande im August, bei dem ein deutscher Familienvater ums Leben kam, sollen Venedigs Gondeln von November an Kennzeichen, Rückstrahler und GPS bekommen.
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Ein Besuch in Venedig ohne Gondelfahrt ist für die meisten Touristen undenkbar. Doch seit dem tödlichen Unglück im August, bei dem ein Münchner Professor ums Leben kam, denken viele Urlauber anders. "Wegen des Unfalls haben wir keine Gondel gebucht", sagt ein 45-jähriger Deutscher, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern die Lagunenstadt besichtigt. Auch Jed aus Jordanien erscheint das Risiko zu hoch: "Mit so einer Gondel zu fahren ist bestimmt nett, aber das muss sicherer werden."

Deshalb hat der Bürgermeister einen 26-Punkte-Plan vorgelegt. Kernstück: Die Gondeln sollen mit Kennzeichen, Rückstrahler und GPD ausgestattet werden. Außerdem sollen die Zahl der Fähren und Privatboote reduziert und Gondelfahrten zur morgendlichen Stoßzeit verboten werden. Außerdem will Orsoni die Gondoliere auf Drogen kontrollieren lassen - der Fahrer der verunglückten Gondel hatte Haschisch und Kokain konsumiert. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, will Gondeln sogar ganz verbieten.

Jahrhundertelang prägten die langen schmalen Boote mit ihren gebogenen Spitzen das romantische Bild von Venedig. Doch seit nicht nur hunderte Gondeln, sondern auch Motorboote und die - "Vaporetti" genannten - Fähren auf dem Canale Grande unterwegs sind, herrscht auf der größten Wasserstraße der Stadt Chaos. 3000 Schiffe und Boote sind es im Schnitt pro Tag, an manchen sogar 4000.

Der 50-jährige Rechtswissenschaftler Joachim Vogel kam den bisherigen Ermittlungen zufolge ums Leben, als seine Gondel mit einem größeren Wassertaxi zusammenstieß. Die gesamte fünfköpfige Familie sowie der Gondoliere fielen ins Wasser, Vogel wurde offenbar zwischen beiden Booten zerquetscht.

Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni will den Verkehr auf dem berühmtesten Kanal der Welt nun sicherer machen. "Was passiert ist, war vermutlich tragisches Unglück", sagt Orsoni. "Aber die Regulierung des immer stärkeren Verkehrs auf dem Canale Grande ist ein Problem."

Die Gondoliere von Venedig sind eine eingeschworene Gemeinschaft und nicht gut auf die Kapitäne der Motorschiffe zu sprechen. Der tragische Unfall vom 17. August hat die feindselige Stimmung zwischen den beiden Berufsgruppen weiter angeheizt, sie geben sich gegenseitig die Schuld am Tod des Deutschen.

Die traditionelle Rivalität habe nun ein hässliches Gesicht bekommen, sagt Nicola Falconi, der Hauptvertreter der Gondelfahrer. "Wir versuchen die Lage zu beruhigen und eine Basis für ein Miteinander mit der Verkehrsgesellschaft ACTV zu schaffen", sagt Falconi. "Das Gleichgewicht ist verloren gegangen und wir müssen es wieder herstellen", sagt ACTV-Direktor Luca Scalabrin.

Schon länger protestieren die Gondoliere in ihren schwarzen Booten gegen die wachsende Zahl von Motorschiffen auf den Kanälen. Auf Facebook wünschte ein Gondelfahrer allen Fährkapitänen einen "langsamen und schmerzvollen Tod", womit er sich prompt eine Klage der Geschmähten einhandelte.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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