Nach dem Tsunami: Viele Geister, wenig Touristen

Nach dem Tsunami
Viele Geister, wenig Touristen

Es hat sich einiges geändert hier, in einer der Tourismushochburgen Südostasiens. Die Thai bauen die vom Tsunami zerstörten Touristenregionen wieder auf, die Gäste kommen langsam zurück. Doch die Flutwelle und die Folgen sind noch lange nicht vergessen.

PHUKET. Es sind die kleinen Dinge, an denen Mary und John Bryant immer wieder die Unterschiede zwischen vorher und nachher bemerken. „Unser Lieblingsplatz am Strand ist jetzt noch unbesetzt, wenn wir nach dem Frühstück kommen“, erzählt die 61-jährige Engländerin aus einem Londoner Vorort. „Dieses Jahr ist einfach weniger los hier.“ Der Tuk-Tuk-Fahrer, mit dem sie am liebsten unterwegs ist, hat sich eine neue Motor-Rikscha angeschafft – die alte hat das Meer ihm genommen. „Wir müssen nicht mehr auf aufgeschlitzten Bänken sitzen, die notdürftig mit Decken bedeckt sind“, ergänzt John Bryant. Und die nette Kellnerin im Strandcafé, die so gut Englisch sprach, ist nicht mehr da. „Ob sie weggezogen ist oder ob sie nicht mehr lebt, das wissen wir leider nicht.“

Man muss Phuket so gut kennen wie die Bryants, die seit fünf Jahren immer wieder im Süden Thailands Urlaub machen, um festzustellen: Es hat sich einiges geändert hier, in einer der Tourismushochburgen Südostasiens. Nur auf den ersten Blick sieht es auf der Halbinsel so aus wie immer – so, als ob nichts geschehen wäre am 26. Dezember 2004, als hätte es den Tsunami nicht gegeben, der die Strandliegen zerfetzte, Restaurants und Souvernirläden zertrümmerte, Swimmingpools, Garküchen und Tauchagenturen zerschlug, die Küste des Indischen Ozeans verwüstete.

Ein Jahr später ist davon nichts mehr zu sehen. Das Meer glitzert türkisgrün und kräuselt sich sanft, die Luft schmeckt nach Salz und Sommer. Vom breiten Strand aus lassen sich Urlauber an Fallschirmen über die Bucht ziehen. Die Strandliegen stehen in drei Reihen ordentlich hintereinander. An der Straße zum Strand warten die Tuk-Tuks in Reih und Glied auf Kundschaft. Touristen flanieren über die Rummelmeile mit ihren Ständen mit gefälschten Rolex-Chronometern, Häagen-Dazs- und Starbucks-Läden.

Heile Welt? Nicht ganz. Die Schatten der Katastrophe lassen sich nicht einfach so abschütteln. Selbst eingefleischte Thailand-Fans wie das Ehepaar Bryant haben überlegt, ob sie nach dem Tsunami ihre Tradition wieder aufnehmen und erneut nach Phuket fliegen. „Am Ende hat der Wunsch, die Gegend nochmal sehen zu wollen, den Ausschlag gegeben“, sagt die zierliche Engländerin.

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