Nach Demonstration
Krawalle in Hamburger Schanzenviertel

Nach einer Demonstration von 3 000 Menschen in Hamburg haben Linksextreme am späten Samstagabend im Schanzenviertel eine brennende Barrikade errichtet und mit Eisenstangen die Scheiben einer Bank zerstört. Anrückende Polizeieinheiten wurden mit Flaschen beworfen. An den Krawallen waren rund 50 Autonome beteiligt. Die Polizei setzte Wasserwerfer zum Löschen der Barrikade ein. Drei Menschen wurden wegen Verdachts der Brandstiftung festgenommen.

dpa HAMBURG. Die Polizei sperrte den Bereich um den linken Szene-Treff Rote Flora ab. Insgesamt kam es im Laufe des Tages zu 28 Festnahmen, 50 Menschen kamen in Gewahrsam. Bei der Demonstration gab es drei Verletzte. Die Polizei war mit 2500 Beamten aus ganz Norddeutschland im Einsatz.

Wenige Minuten nach Beginn der Krawalle war die Polizei im Schanzenviertel und verhinderte weitere Schäden. „Ich gehe davon aus, dass es sich um eine Frustaktion handelte, da sie bei der Demonstration nicht zum Zuge gekommen sind“, sagte Einsatzleiter Hartmut Dudde. Das linksalternative Viertel war in der Vergangenheit wiederholt Brennpunkt von linksautonomen Krawallen.

Zuvor hatte es bereits nach Ende des Protestzuges in der Hamburger Innenstadt kleinere Randale gegeben. Nach Polizeiangaben gingen zwei Autos in Flammen auf, zudem brannte ein Müllcontainer. Bei einem Polizeiauto wurde die Heckscheibe eingeschlagen. Im belebten Zentrum der Hansestadt wurden Böller gezündet. Die Polizei konnte Geschäfte, Einkaufszentren und Weihnachtsmärkte schützen.

Die eigentliche Kundgebung hatte sich gegen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in der linken Szene gerichtet. Die Veranstalter hatten den Zug vorzeitig in der Nähe der Reeperbahn für beendet erklärt, nachdem die Gruppe nur einige hundert Meter vorangekommen und von der Polizei immer wieder gestoppt worden war. Andreas Blechschmidt, der die Demonstration angemeldet hatte, sprach nach dem Ende des Aufzugs von einem „politischen Skandal“. Es habe offensichtlich politische Vorgaben gegeben, die Demonstration von der Innenstadt fernzuhalten. Kleinere Verstöße gegen Auflagen seien zum Anlass genommen worden, das Versammlungsrecht einzuschränken. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.

Die Demonstration stand unter dem Motto „Gegen Sicherheitswahn und Überwachungsstaat“. Die Teilnehmer kritisieren den „Terrorismus- Paragrafen“ 129 a des Strafgesetzbuches, mit dem mehrere bundesweite Durchsuchungen begründet worden waren, erklärten die Veranstalter. Weil dieser bereits im Vorfeld geplanter Terrortaten einschlägig ist, lieferte er der Bundesanwaltschaft den Ansatzpunkt für Durchsuchungen in der linken Szene. So auch vor dem G8-Gipfel, als fast 900 Beamte bundesweit rund 40 Wohnungen und Büros durchsuchten.

Der Protestzug wurde von einem massiven Polizeiaufgebot gesichert. An Straßenkreuzungen fuhren Wasserwerfer auf. Vorneweg ging ein großer „Schwarzer Block“ aus linksextremen, mit schwarzen Kapuzen bekleideten und Sonnenbrillen tragenden Autonomen. Auch aus dem benachbarten Ausland waren Sympathisanten angereist. „Die Hälfte der Teilnehmer, etwa 1400 Demonstranten, sind der autonomen Szene zuzurechnen“, sagte Einsatzleiter Dudde. Unter der Teilnehmern befand sich auch eine Gruppe von Rentnern, die nach Ausschreitungen bei ähnlichen Demonstrationen in Hamburg in diesem Jahr als „Sicherheitspuffer“ zwischen Polizei und „Schwarzem Block“ marschierte.

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