Nach der Weinstein-Affäre Jeder sechste Mann gibt sexuelle Belästigung zu

Die Weinstein-Affäre hat eine breite Debatte über sexuelle Belästigung entfacht. Viele Frauen fühlen sich als Opfer. Und eine beachtliche Zahl von Männern räumt in einer Umfrage falsches Verhalten ein.
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Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge schon sexuelle Belästigung erfahren – gegenüber nur zwölf Prozent der Männer. Quelle: dpa
Sexismus-Debatte

Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge schon sexuelle Belästigung erfahren – gegenüber nur zwölf Prozent der Männer.

(Foto: dpa)

BerlinFast die Hälfte der Frauen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge schon sexuelle Belästigung erfahren. Zugleich gibt mehr als jeder sechste Mann zu, schon einmal jemanden sexuell bedrängt zu haben. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, an der Ende Oktober bundesweit insgesamt 2056 Menschen teilnahmen.

43 Prozent der befragten Frauen gaben an, sexuell bedrängt oder belästigt worden zu sein - gegenüber zwölf Prozent der befragten Männer. Die Ergebnisse zeigen, wie verbreitet die Übergriffe auch in Deutschland sind, nachdem zuletzt Missbrauchsvorwürfe gegen den US-Filmmogul Harvey Weinstein weltweite Diskussionen entfacht hatten.

So wenden sich Hollywood-Stars angewidert ab
Harvey Weinstein
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Es begann mit einem Bericht der New York Times. Der US-amerikanische Filmproduzent soll über Jahre Frauen sexuell belästigt haben. Da sich die Hinweise mehr und mehr verdichten, wurde Weinstein unlängst von seinem eigenen Filmstudio vor die Tür gesetzt. Der Skandal erschüttert Hollywood. Nicht wenige Schauspieler und Verantwortliche aus dem Business melden sich zu Wort.

Die ersten öffentlichen Stimmen
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Die Schauspielerinnen Rose McGowan (l.) und Ashley Judd sind die ersten Frauen, die als Betroffene ihre Stimme gegen den Hollywoodmogul erheben. Bereits im vergangenen Jahr schrieb McGowan auf Twitter, dass sie von einem damals nicht näher benannten Studiochef vergewaltigt worden sei. Zudem gehöre sie nach Informationen der Times zu einer der insgesamt acht Frauen, denen Weinstein Schweigegeld gezahlt habe. Judd gab demselben Blatt ein Interview, in welchem sie von ihrer „schmutzigen Erfahrung“ mit dem Oscar-prämierten Produzenten erzählt.

„Ich wusste nichts darüber, aber es überrascht mich kein Stück und passt ohnehin zu diesem System.“
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Der Sex-Skandal zieht in Hollywood seine Kreise und trifft bei vielen erschütterten Filmstars nur auf Entrüstung und Unverständnis. So auch bei Schauspielerin Emma Thompson, die sich gegenüber BBC Newsnight äußerte. „Was ich außergewöhnlich finde, ist, dass dieser Mann nur die Spitze eines ganz bestimmten Eisbergs ist. Ich denke nicht, dass man ihn als sexsüchtig bezeichnen könnte; er ist ein Jäger. Aber er sitzt sozusagen auf der obersten Sprosse eines Systems voller Belästigung, Verharmlosung, Mobbing und Beeinflussung.“

„Er ist das Sinnbild eines systembedingten Problems“
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Der aus Kanada stammende Schauspieler Ryan Gosling auf Twitter. „Ich möchte mich den Stimmen der Unterstützung für die Frauen anschließen, die den Mut haben, sich gegen Weinstein auszusprechen. Wie viele Menschen in Hollywood habe auch ich mit ihm zuvor zusammengearbeitet und ich bin von mir selbst tief enttäuscht, dass ich so blind war. [...] Männer sollten zu den Frauen halten und zusammenarbeiten, bis Rechenschaft abgelegt und eine Änderung erreicht wurde.“

„Das darf nicht passieren, es sollte nicht passieren, aber es geschieht in jeder einzelnen Industrie.“
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Schauspielerin und Ehefrau von Ryan Reynolds, Blake Lively, in einem Interview mit dem Hollywood Reporter. „In keiner Form habe ich diese Erfahrung mit Harvey machen müssen und ich denke, wenn den Leuten diese Geschichten zu Ohren gekommen wären ... dann glaube ich doch noch ausreichend an die Menschheit, dass diese Dinge nicht einfach fortgeführt worden wären. [...] Es ist niederschmetternd zu hören. Wenn Menschen ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen, gibt es eine Sache, die geschehen muss: Ihnen muss zugehört sowie vertraut werden und man muss sie ernstnehmen.“

„Man kann sich kein ,Oh, na ja, ich bin in den 60er- und 70er-Jahren aufgewachsen, deshalb ...‘ kaufen“
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Tom Hanks nimmt im Interview mit der New York Times Bezug auf Weinsteins anfängliches Statement, in welchem er sein Verhalten mit der Zeit, in der er aufwuchs, begründet. „Auch ich bin in dieser Zeit aufgewachsen. Also denke ich, nun, was verspricht man sich eigentlich von dieser machtvollen Position? Ich kenne eine Menge unterschiedlicher Menschen, die es lieben, auf unter ihnen stehenden Leuten rumzuhacken oder ihnen das Leben schwer zu machen nur weil sie es können ...“

„Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen“
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Der britisch-italienische Schauspieler und Filmproduzent Colin Firth in einem Statement gegenüber dem Guardian. „Es überkommt mich ein gewisser Brechreiz, wenn ich lese, was vor sich ging, während ich von der Unterstützung von Harvey Weinstein profitierte. Er war ein mächtiger und furchterregender Mann, wenn man ihm Paroli bieten wollte. Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen. Und entsetzlich nun mit dieser Art von Belästigung in Verbindung gebracht zu werden. Ich applaudiere ihrem Mut.“

18 Prozent der befragten Männer räumten ein, sich selbst so verhalten zu haben, dass ihr Gegenüber dies „als unangemessen oder sexuell bedrängend empfunden haben könnte“. Unter den teilnehmenden Frauen lag der Anteil mit sechs Prozent deutlich niedriger. Im öffentlichen Raum (14 Prozent) und im privaten Umfeld (13 Prozent) sind die Belästigungen demnach etwas häufiger als bei der Arbeit (10 Prozent).

Männer dürften in der Debatte nicht unter einen Generalverdacht gestellt werden, sagte Matthias Enderle vom Männerrechts-Verein Manndat im Deutschlandfunk. Enderle zweifelte nach Angaben des Senders auch die Gesamtzahl der Fälle an. Der Männerrechtler meinte, tatsächliche Fälle sollten angezeigt, juristisch aufgearbeitet und die Opfer therapeutisch betreut werden.

Bereits Mitte des Monats hatte eine YouGov-eigene Umfrage mit 2388 Teilnehmern ähnliche Zahlen zu Betroffenen ergeben. Die häufigste Art der Belästigung sind laut dieser Umfrage Berührungen (rund 28 Prozent), gefolgt von anzüglichen Sprüchen (24 Prozent).

Mit dem Schlagwort „#MeToo“ demonstrierten online in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Frauen, unter ihnen viele Stars, wie verbreitet das Problem ist: herabwürdigende Kommentare, unangenehme Berührungen - und immer wieder Verharmlosung. Einige Männer bekannten sich daraufhin mit dem Hashtag „#IHave“ zu Übergriffen.

Auch vor der Politik macht die Diskriminierung keinen Halt: Das EU-Parlament kündigte an, Vorwürfe der sexuellen Belästigung in seinen Reihen extern untersuchen zu lassen. Ebenso machten Mitarbeiter der Parlamente in Großbritannien und Schweden sexuelle Übergriffe öffentlich.

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  • dpa
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