Nach Einsturz
Kaum Hoffnung nach Archiv-Einsturz in Köln

In den Trümmern des ehemaligen Stadtarchivs in Köln suchen Rettungskräfte weiter nach Opfern, doch das gestaltet sich schwierig: Nach wie vor drohen Überreste der beiden benachbarten Wohnhäuser abzufallen. Derweil erheben Mitarbeiter des Archivs schwere Vorwürfe gegen die Stadt.

HB KÖLN. Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs rechnet die Kölner Feuerwehr kaum noch mit Überlebenden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch einen Menschen lebend aus dem Trümmerberg herausholen, geht gegen null“, sagte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff am Mittwoch. Derzeit werden nach Angaben der Polizei noch zwei Männer vermisst - die Bewohner zweier Dachgeschosswohnungen in einem der eingestürzten Nachbargebäude. Die Kölner Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Baugefährdung ein.

Die Rettungsaktionen für die Vermissten wurden am Mittwoch mit Hochdruck fortgesetzt, gestalteten sich den Angaben zufolge aber extrem schwierig. Da Nachbargebäude einzustürzen oder Teile herabzufallen drohten, konnten die Rettungskräfte bis zum Mittag immer noch nicht an die unmittelbare Unglücksstelle vordringen. In der Nacht waren rund 1 000 Kubikmeter Beton verfüllt worden, um den Untergrund zu stabilisieren. Wegen der weiter großen Abrutschgefahr wurde dies am Mittwoch fortgesetzt.

Ein Spezialbagger mit großer Reichweite traf am Vormittag ein, um standunsichere Teile eines Nachbarhauses zu entfernen. Ein weiteres Haus sollte komplett abgerissen werden, bevor mit den Rettungsarbeiten begonnen werden konnte. Bereits seit der Nacht würden Gegenstände aus Teilen des Archivs geborgen, das unschätzbare historische Bestände beherbergte, sagte Feuerwehrsprecher Neuhoff. Es gibt nach Angaben der Stadt einen Zugang zu einem weitgehend erhalten gebliebenen Anbau - dort lagere ein kleiner Teil der Dokumente. Diese würden jetzt gesichert.

Kulturdezernent Georg Quander bezifferte den Versicherungswert der Archivalien auf knapp 400 Mio. Euro, doch der ideelle Wert sei noch viel höher. Er hoffte, es könnten noch große Teile der Bestände aus den Trümmern geborgen werden. Die größte Gefahr für die historischen Schätze stellten jetzt Regen- und Grundwasser dar. Daher sollte über einem Teil des Schuttberges eine Wetterschutzfolie und später ein Schutzdach angebracht werden.

Das vierstöckige Gebäude des Stadtarchivs war am Dienstagnachmittag innerhalb weniger Augenblicke eingestürzt. Auch zwei Nachbarhäuser stürzten zum Teil ein. Auslöser der Katastrophe waren möglicherweise U-Bahn-Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe, die zu Absackungen geführt haben könnten.

Seite 1:

Kaum Hoffnung nach Archiv-Einsturz in Köln

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%