Nach Erdbeben
Deutscher nach 114 Stunden gerettet

Nicht genug, dass die Menschen in Südwestchina unter den direkten Folgen des Erdbebens leiden. Nun müssen sie noch vor riesigen Überschwemmungen flüchten und einen Dammbruch fürchten. Unterdessen konnte ein deutscher Tourist lebend geborgen werden. Er lag 114 Stunden unter Trümmern vergraben.

HB BEICHUAN/PEKING/BERLIN. Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in China haben die Bergungsmannschaften den Deutschen und einen weiteren 52-jährigen Mann aus den Trümmern gerettet. Das meldete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Rettung zunächst nicht. Die deutsche Botschaft in Peking und das Generalkonsulat von Chengdu bemühten sich um eine Klärung, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Der Deutsche wurde in den Ruinen eines Hauses im Dorf Taoguan im schwer betroffenen Landkreis Wenchuan gefunden. Mehr als 20 Soldaten der Bergungstruppen fanden den Mann am Samstagmorgen und brachten ihn in ein medizinisches Notaufnahmelager in Wenchuan. Über seinen Gesundheitszustand sowie weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Der andere 52 Jahre alte Mann war 117 Stunden in Beichuan verschüttet, das ebenfalls nahe dem Epizentrum des Bebens vom Montag liegt.

Am Freitag waren insgesamt 163 Verschüttete lebend aus den Trümmern gezogen worden, wie der Sender CCTV meldete. Als kritisches Zeitfenster für die Rettung von Verschütteten bei Erdbeben gelten gemeinhin drei Tage. Nach Einschätzung von Experten können verschüttete Personen aber auch eine Woche, in Extremfällen sogar bis zu zwei Wochen überleben, falls sie irgendwie an Wasser gelangen.

Das Auswärtige Amt hatte am Freitagabend in Berlin gesagt, dass nach der Erdbebenkatastrophe in China noch einige Deutsche vermisst werden. „Einigen wenigen Vermisstenmeldungen gehen die deutsche Botschaft Peking und das Generalkonsulat von Chengdu in Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden mit Hochdruck nach“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes der Nachrichtenagentur AP. Am Donnerstag hatte das Amt noch von einem verletzten deutschen Staatsbürger gesprochen. Unterdessen ist einer der Vvermissten unversehrt wieder aufgetaucht. Er habe sich nach mehreren Tagen mit deutschen Stellen in Verbindung gesetzt, teilte das Auswärtige Amt mit.

Das heftige Beben in der Provinz Sichuan vom Montag hatte eine Stärke von 7,9 erreicht. Die bestätigte Zahl der Todesopfer lag am Freitag bei mehr als 22 000, doch galten mindestens 14 000 Menschen noch als verschüttet. Daher wird mit etwa 50 000 Toten gerechnet. Wegen der Gefahr eines Dammbruchs ist die Stadt Beichuan evakuiert worden. Die Bergungstrupps und Tausende Menschen flüchteten eiligst in höher gelegene Gebiete, berichtete die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers, die mit zwei Kollegen in der Stadt ist und selber auf der Flucht vor einer möglichen Flutwelle war: „Alle rennen.“ Anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten dann eher wie ein „geordneter Rückzug“ verlaufen. „Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen.“ Die Menschen riefen „lauft, lauft“ oder „schnell, schnell“, berichtete Reimers, während sie selber mit dem Kameramann und einer Assistentin den Berg heraufrannte. „Alle ziehen aus der Stadt ab.“

Zudem ist in der Region ein See stark angeschwollen, wie ein Fotograf der Agentur Reuters berichtete. Es war zunächst nicht klar, ob es Verletzte gab. Die Behörden hatten die Menschen zuvor gewarnt, dass es zu der Überschwemmung kommen könnte. Ein Kabel-TV-Sender mit Sitz in Hongkong berichtete, die Behörden hätten mit der Evakuierung von etwa 1,2 Millionen Menschen begonnen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete zuvor, dass der Wasserpegel eines Sees bei Beichuan rasch ansteige und Schwerverletzte deshalb sofort in Sicherheit gebracht werden müssten. Beichuan befindet sich in der Nähe des Epizentrums des Erdbebens, dass die Region vor fünf Tagen völlig verwüstete. Zehntausende Menschen starben, Millionen sind obdachlos.

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