Nach Festnahme
Hoeneß-Erpresser äußert sich zu Vorwürfen

Der Mann, der Uli Hoeneß erpresst haben soll, äußerte sich zu den Vorwürfen gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft hielt sich nach dem Verhör jedoch bedeckt. Der Fall soll schnellstmöglich vor Gericht verhandelt werden.
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München Der mutmaßliche Erpresser von Uli Hoeneß hat sich in der Untersuchungshaft zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Zum Inhalt hielt sich die zuständige Staatsanwaltschaft München II am Mittwoch allerdings bedeckt. „Es spricht sehr viel dafür, dass Anklage erhoben wird“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Die Ermittlungen sollen zügig zu Ende gebracht werden. Bei versuchter Erpressung drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Am Samstagmorgen war ein Drohbrief bei der Familie eingegangen. Der unbekannte Täter soll Hoeneß mit schweren Konsequenzen in seiner bevorstehenden Haftzeit gedroht haben. Er habe gute Kontakte in alle bayerischen Gefängnisse. Der ehemalige Häftling forderte von Hoeneß eine sechsstellige Summe, angeblich 215.000 Euro. Wie die „Bild“ berichtet hatte, ging Hoeneß zum Schein auf den Deal ein.

Bei der fingierten Geldübergabe am Samstagabend im Münchener Stadtteil Forstenried griff die Polizei zu. Der Tatverdächtige wollte mit dem Fahrrad fliehen, stürzte dabei und soll verletzt worden sein. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Hoeneß wurde am 13. März vor dem Landgericht in München wegen 28,5 Millionen hinterzogenen Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wird seine Haftstrafe voraussichtlich in Kürze antreten. Ob er dies tatsächlich in der JVA Landsberg tun wird, ist noch offen.

Denn Hoeneß hatte bei der Staatsanwaltschaft München II Einspruch gegen Landsberg als Ort seiner Haftstrafe eingelegt, weil er durch den Tag der offenen Tür, als Journalisten die JVA besuchten, einen Teil seiner Privatsphäre verletzt sieht.Außerdem gebe es Sicherheitsbedenken. Hoeneß befürchtet Indiskretionen durch Häftlinge und Personal in Landsberg, die geködert worden sein könnten, Informationen über Hoeneß zu liefern. So argumentiert die Münchener Kanzlei Ufer Knauer, die Hoeneß nun in Haftsachen vertritt. Nach dem Pressetermin mit einem entsprechenden Echo in den Medien hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) der JVA-Leitung ähnliche Aktionen strikt untersagt.

Als mögliche Alternative wird die neu erbaute JVA im niederbayerischen Landshut ins Spiel gebracht. Eine Verlegung in ein anderes Bundesland lehnte Hoeneß angeblich ab, weil er den Eindruck einer Sonderbehandlung vermeiden wolle. Spätestens Anfang Juni muss eine Entscheidung getroffen sein. Dann muss Hoeneß seine Haft antreten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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