Nach Finanzaffäre in Limburg
Die Vermögensbeichte der deutschen Bistümer

Die Bistümer setzen nach der Limburger Finanzaffäre auf Transparenz. Viele haben erstmals das Vermögen der Bischöflichen Stühle offengelegt, andere wollen folgen. Aber nicht alle lassen sich zu Schnellschüssen drängen.
  • 2

DüsseldorfDie Finanzaffäre um den Limburger Bischof sorgt für eine Transparenzoffensive der deutschen Bistümer und Diözesen. Nicht nur Zahlen zum öffentlichen Haushalt werden nun bekannt gegeben. Immer mehr Bistümer veröffentlichen auch die finanzielle Lage ihrer Bischöflichen Stühle – ein Novum in der Finanzpolitik der katholischen Kirche.

Handelsblatt Online hat in den 27 deutschen Bistümern nachgeforscht und dokumentiert, welche sich bisher geäußert haben, welche dies noch planen oder prüfen und welche sich nicht äußern wollen. Demnach haben bisher 15 der 27 Bistümer explizite Angaben über das Vermögen des Bischöflichen Stuhls gemacht, sechs Bistümer wollen nachziehen, drei weitere prüfen eine Veröffentlichung. Zwei Institutionen können derzeit nicht über eine Bekanntgabe entscheiden. Nur ein Bistum will seine Finanzen vorerst nicht vorlegen.

Offiziell müssen die Bistümer das Vermögen ihrer Bischöflichen Stühle nicht beichten. Bisher war deshalb oft von „Schattenhaushalten“ die Rede. Dieser Spitzname passt nun vielerorts nicht mehr. Die Debatte um die Affäre wegen des millionenschweren Baus des Limburger Bischofssitzes hat die katholische Kirche zu mehr Transparenz gedrängt – und ein Umdenken bewirkt. Doch die Zahlen aus den Bischöflichen Stühlen verdeutlichen auch, dass es nicht nur gewaltige Diskrepanzen bei den Transparenzbemühungen in den einzelnen Bistümern gibt, sondern auch sehr unterschiedlich verteilte Besitztümer.

Zum einen gibt es Bistümer, die – nach eigenen Angaben – nach der Affäre nun alle Daten offengelegt haben. Dazu zählt etwa das Erzbistum Köln, das mit einem Vermögen von 166,2 Millionen Euro im Bischöflichen Stuhl die Rangliste der bisher veröffentlichten Daten anführt. In Köln fallen sowohl das Geldvermögen als auch die Immobilien unter diesen Betrag. Übrigens gehört der Kölner Dom nicht dazu, weil er eine eigene Körperschaft ist und nichts mit dem Bischöflichen Stuhl zu tun hat.

Auch das Bistum Speyer gibt an, alle vorliegenden Zahlen veröffentlicht zu haben. Das Kapital des Bischöflichen Stuhls wird dort auf 46,5 Millionen Euro beziffert. Auch hier fasst die Summe alle Besitztümer von Geld über Anlagen bis hin zu Immobilien zusammen.

Kommentare zu " Nach Finanzaffäre in Limburg: Die Vermögensbeichte der deutschen Bistümer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Steht doch da oben.

  • Die Kirchen sind unermesslich reich und werden durch die Zwangsabgabe Kirchensteuer immer reicher!!
    Kirche und Staat insbesondere in montären Dingen trennen - jetzt-saofort-für immer !!
    (warum kann man erst heute diesen Beitrag kommentieren????, Antwort auf meine Anfrage ans HB blieb auch unbeantwortet)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%