Nach illegalem Autorennen
BGH verwirft Bewährungsstrafen gegen Kölner Raser

Der Bundesgerichtshof hat die Bewährung gegen zwei Männer, die sich 2015 in Köln ein Autorennen lieferten, aufgehoben - somit müssen die beiden Angeklagten nun mit einer Gefängnisstrafe rechnen.
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KarlsruheDie beiden Kölner Raser, die im April 2015 bei einem illegalen Autorennen in der Stadt eine 19-jährige Fahrradfahrerin tödlich verletzten, müssen mit Gefängnis rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Donnerstag die Bewährung für die beiden angeklagten Männer aufgehoben, die zur Tatzeit 21 und 22 Jahre alt waren. „Das Landgericht Köln hat sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt, wie sich die Bewährung auf das Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirkt“, sagte die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible in der Urteilsbegründung. Zu berücksichtigen sei auch die Zunahme illegaler Autorennen in Innenstädten und die Tatsache, dass die Männer die Gefährdung durch ihre aggressive Fahrweise bewusst herbeigeführt hätten.

Eine andere Strafkammer des Landgerichts Köln muss nun erneut über Bewährung oder Haft entscheiden. Nach den Vorgaben des BGH gilt es aber als wahrscheinlich, dass die beiden Raser ihre Gefängnisstrafe antreten müssen. Sie beträgt zwei Jahre beziehungsweise 21 Monaten wegen fahrlässiger Tötung. Diese Strafhöhe wurde vom 4. Strafsenat des BGH nicht beanstandet und ist somit rechtskräftig. Die Kölner Richter hätten sowohl die strafverschärfenden als auch die strafmildernden Umstände ohne Rechtsfehler berücksichtigt.

Vor einer Woche hat der Bundestag das Gesetz gegen illegale Autorennen verschärft. Schon die Teilnahme gilt als Straftat, kommt ein unbeteiligter Verkehrsteilnehmer ums Leben, drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Da schärfere Strafgesetze aber nicht rückwirkend angewendet werden dürfen, fallen die Raser von Köln nicht unter das neue Recht.

Die beiden Fahrer hatten laut Urteil am 14. April 2015 spontan ein Autorennen zu den Rheinterrassen in Köln-Deutz verabredet. In einer langgezogenen Linkskurve kam der vorausfahrende Angeklagte von der Fahrbahn ab und kollidierte mit einer 19-jährigen Studentin, die auf dem Fahrradweg fuhr. Sie starb wenig später an ihren schweren Verletzungen. Die spätere Verurteilung zu Bewährungsstrafen hatte in Köln ein starkes Medienecho ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft legte sowohl gegen das Strafmaß als auch gegen die Aussetzung zur Bewährung Revision beim BGH ein. Die hatte nun Erfolg, soweit die Bewährung angegriffen wurde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach illegalem Autorennen: BGH verwirft Bewährungsstrafen gegen Kölner Raser"

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  • Mir ist sowieso unklar, warum es Bewährungsstrafen gibt, auch wenn ein Mensch gestorben ist.
    Wegen Steuerhinterziehung kann man im Knast landen, Das ist nur Geld. Ein Verbrechen gegen "die Gesellschaft".
    Ein toter Mensch scheint weniger wert zu sein. Vielleicht gibt es im Einzelfall Umstände, die für eine Bewährung sprechen. Aber ein Autorennen in der Innenstadt - da kann ich solche Umstände nicht erkennen.

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