Nach Kapitäns-Befreiung
Piraten kündigen Rache an

Nach der gewaltsamen Befreiung eines US-Kapitäns aus tagelanger Piratengefangenschaft vor der somalischen Küste haben die Seeräuber Rache angekündigt. Ihr neuer Feind heißt Amerika.

HB MOGADISCHU. Scharfschützen der US-Marine hatten zuvor drei der vier Entführer von Kapitän Richard Phillips erschossen und diesen unverletzt befreit. Präsident Barack Obama, der die Aktion autorisierte, bekundete seine Entschlossenheit, die Piraterie zu bekämpfen. Derzeit befinden sich mehr als 250 Geiseln verschiedenster Staatsangehörigkeit, darunter offenbar auch mehrere Deutsche, in der Hand somalischer Piraten.

Nach der Befreiung am Sonntagabend überflogen erneut mehrere Hubschrauber die Piratenhochburg Eyl an der somalischen Küste. "Sie haben unsere Freunde auf dem Boot getötet und dann kamen dröhnende Flugzeuge, sagte ein Pirat. "Wir dachten, die Hubschrauber würden uns in der Nacht bombardieren." Bereits am Freitag hatte das französische Militär bei der Befreiung eines Schiffes zwei Piraten getötet. "Die Franzosen und Amerikaner werden es noch bedauern, dass sie mit dem Töten angefangen haben", sagte ein anderer Pirat Reuters per Telefon. "Von jetzt an werden wir denjenigen etwas antun, die wir für Franzosen oder Amerikaner halten." Bislang gibt es keine Berichte darüber, dass Piraten Geiseln getötet hätten. Der Chef des Zentralkommandos der US-Marine, Vize-Admiral William Gortney, schloss eine Eskalation der Gewalt nicht aus.

Der Einsatz der Scharfschützen eines US-Zerstörers sei dennoch geboten gewesen, da das Leben des Kapitäns in unmittelbarer Gefahr gewesen sei, sagte Gortney vor Journalisten. Die Seeräuber hätten mit Kalaschnikows auf Phillips gezielt. Der zuständige Befehlshaber habe die Entscheidung binnen Sekunden getroffen. Drei Seeräuber wurden getötet, der vierte gefangengenommen. "Die Taten von Kapitän Phillips und der Besatzung der "Maersk-Alabama' waren heldenhaft", sagte Gortney.

Der 53-jährige Kapitän erholte sich am Montag an Bord des US-Kriegsschiffes "USS Boxer" von den Strapazen. Er nahm Kontakt zu seiner Familie auf und wurde ärztlich untersucht. Die Besatzung seines im kenianischen Mombasa liegenden Schiffes "Maersk-Alamaba" reagierte mit Freudentänzen auf die Nachricht und schwenkte ein Sternenbanner. "Wir sind sehr glücklich. Er ist ein Held", rief ein Seemann Journalisten zu. Die Seeleute hatten am Mittwoch einen Angriff der Somalier abgewehrt, die das mit Lebensmitteln für Somalia beladene Schiff kurzzeitig in ihre Gewalt gebracht hatten. Philipps begab sich im Austausch für seine 20 Besatzungsmitglieder auf einem Rettungsboot in die Gewalt der Piraten. Zum Schluss trieb das Boot ohne Treibstoff rund 32 Kilometer vor der somalischen Küste.

US-Präsident Obama hatte dem Ersuchen des Verteidigungsministeriums stattgegeben, die angemessenen Mittel anzuwenden, sagte Gortney. Obama selbst zeigte sich entschlossen, die Piraterie einzudämmen. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir zusammen mit unseren Partnern künftige Angriffe verhindern", erklärte der Präsident. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass Piraten zur Rechenschaft gezogen würden. Ein internationaler Verband von Kriegsschiffen, an dem auch die Deutsche Marine beteiligt ist, versucht derzeit, den Piraten Einhalt zu gebieten.

In den vergangenen Monaten haben somalische Piraten zahlreiche Schiffe gekapert und Lösegelder erpresst. Seit rund einer Woche ist auch das deutsche Schiff "Hansa Stavanger" in der Gewalt von Seeräubern. An Bord sollen sich 24 ausländische Geiseln befinden, darunter vermutlich fünf Deutsche. Piraten brachten am Montag Einwohnern zufolge einen im Golf von Aden gekaperten italienischen Schlepper und zwei ägyptische Schiffe nach Las Qoray an der nordsomalischen Küste. Der Besatzung des italienisches Bootes gehe es gut, sagte ein Vertreter der Seefahrer-Vereinigung East African Seafarers Assistance.

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