
HB KÖLN. Die Informationsveranstaltung zum Kölner U-Bahn- Pfusch dauert noch keine Minute, da ertönt zum ersten Mal der Zwischenruf „Verbrecher!“. Im Gürzenich, dem historischen Festsaal, in dem sonst die Prunksitzungen des Kölner Karnevals stattfinden, ist die Stimmung am Mittwochabend denkbar aufgeheizt.
Mehrere hundert Zuhörer sind gekommen, viele davon sind Anwohner der skandalumwitterten U-Bahn-Strecke. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung haben sie untereinander über Länge und Tiefe der Wand- und Deckenrisse in ihren Wohnungen gefachsimpelt. Jahrelang hat sich da Ärger aufgestaut.
Doch das Misstrauen knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs an einer der betroffenen U-Bahn-Baustellen ist groß. „Das Vertrauen der Menschen in die handelnden Personen geht gegen Null“, ruft ein Bürger in den Saal. „Wie konnte es dazu kommen, dass sich die KVB, gleichzeitig Bauherr und Bauaufsicht, quasi selbst kontrollierte?“, wollen die Bürger wissen. Und: „Warum wurde die U-Bahn überhaupt gebaut, wo sich doch andere oberirdische Routen zu einem Zehntel des Preises angeboten hätten?“ Ein Riesenfehler sei begangen worden, und niemand übernehme dafür die Verantwortung, hält Christian Abraham aus der Südstadt dem Podium vor.
Etwa 20 Minuten können sich die Zuhörer noch zurückhalten und einem Redner zuhören, dann bricht es aus ihnen heraus. Buhrufe, Pfiffe und Rücktrittsforderungen. „Frau Käßmann zum Vorbild nehmen!“, rät ein Rentner. Der Hausmeister eines Wohnheims ruft ein ums andere Mal: „Bei den nächsten Wahlen kriegt ihr die Quittung!“ Es ist eine hilflose Drohung, denn auf dem Podium sitzen Manager und Spitzenbeamte, aber keine Politiker. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ist bei einem anderen Termin. Er wolle später nachkommen, heißt es.
Ein Bürger sagt, die Kölner hätten die ganze U-Bahn nicht gewollt. Beifall. Ein anderer sagt, als Steuerzahler verlange er Konsequenzen. Heftiger Beifall. Eine Frau will Näheres zu den Bauwänden wissen: „Sind die von Ausländern oder von deutschen Arbeitern gemacht worden?“
Man sollte die Verantwortlichen zwangsverpflichten sofort für die kommenden 2 Jahre in den Häusern um den Heumarkt mit ihren Familien wohnen zu müssen. Dann werden wir sehen, ob das Geschwätz der Verantwortlichen, dass alles in Ordnungs ist und keine Gefahr besteht, der Wahrheit entspricht.
Es steht fest: in Köln werden wir nicht mit der U-bahn fahren. Da das aber für Touristen unkomfortabel werden könnte, bleiben wir besser ganz weg. Schade, aber wir trauen keinem mehr.
2 Kommentare
Alle Kommentare lesen