Nach Massaker in Kirche

Emotionale Worte an mutmaßlichen Schützen

Einen Tag nach dem Massaker in einer Kirche in South Carolina steht der 21-jährige Verdächtige vor Gericht. Als Angehörige der neun Opfer emotionale Worte an ihn richten, bleibt er regungslos.
Update: 20.06.2015 - 05:04 Uhr Kommentieren
Trauer in Charleston: Menschen gedenken der neun Toten, die bei einem Massaker in der Kirche ums Leben kamen. Quelle: Reuters
Charleston

Trauer in Charleston: Menschen gedenken der neun Toten, die bei einem Massaker in der Kirche ums Leben kamen.

(Foto: Reuters)

CharlestonNach dem Massaker in einer US-Kirche haben einige Angehörige der Toten dem mutmaßlichen Täter öffentlich vergeben. Die Angehörigen durften sich überraschend am Freitag vor dem Haftrichter äußern, als der 21-jährige Dylann Roof per Video zugeschaltet war. Sie sei zwar böse und traurig, sagte eine Frau, deren Schwester erschossen wurde. Es dürfe aber „keinen Raum für Hass“ geben, fügte sie in der emotionalen Botschaft hinzu. „Wir müssen vergeben.“

„Wir haben dich am Mittwochabend mit offenen Armen in unsrer Bibelgruppe willkommen geheißen“, sagte Felecia Sanders, die das Massaker in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston überlebt hatte, anders als ihr Sohn. R. war in die Bibelstunde gekommen und hatte nach Angaben der Ermittler fast eine Stunde lang mit den Gläubigen zusammengesessen, bevor er das Feuer eröffnet. „Du hast einige der wunderbarsten Menschen getötet, die ich kenne“, sagte Sanders zu R. „Jede Faser meines Körpers tut weh.“

Roof, der sich wegen neunfachen Mordes sowie wegen Waffenbesitzes zur Durchführung eines Verbrechens verantworten muss, verfolgte die kurze Prozedur vor dem Haftrichter mit regungsloser Miene. Der Richter legte eine Kaution auf eine Million Dollar (880 000 Euro) fest. Ein erster Gerichtstermin wurde auf den 23. Oktober festgesetzt.

Rassenhass: Weißer tötet neun Schwarze in Kirche

US-Präsident Barack Obama verwies erneut auf einen vermutlich rassistischen Hintergrund des Verbrechens. „Rassismus bleibt ein Übel, das wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ Zugleich kritisierte er die laxen Waffengesetze.

Die Familie des mutmaßlichen Todesschützen äußerte Beileid für die Angehörigen der Toten. „Wir sind bestürzt und traurig“, schrieben sie in einem in einer Lokalzeitung veröffentlichten Brief. Worte könnten den Schock und die Trauer nicht ausdrücken.

Roof, ein Amerikaner weißer Hautfarbe, soll am Mittwoch in einer Methodistenkirche in Charleston während einer Bibelstunde neun Afroamerikaner erschossen haben. Er habe rassistische Sprüche von sich gegeben und das Feuer eröffnet, berichtete eine Überlebende. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI ermitteln wegen des Verdachts eines „Verbrechen des Hasses“.

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