Nach Meinung von Experten
Hitzewelle kein Beweis für globale Erderwärmung

Die gegenwärtige Hitzewelle ist nach Einschätzung von Wetterexperten kein Beweis für eine globale Erwärmung. Es seien aber viel häufiger extreme Wetterbedingungen zu erwarten, sollten die düsteren Prognosen für einen Klimawandel eintreffen.

Reuters BRÜSSEL. „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass dies eine globale Erwärmung ist“, sagt Asher Minns vom britischen Tyndall Centre for Climate Change Research. Die zunehmende Häufigkeit extremer Wetterbedingungen stehe jedoch im Einklang mit den Prognosen einer Erderwärmung.

Bereits im vergangenen Jahr sahen einige Experten in dem Hochwasser, das weite Regionen Deutschlands überschwemmte, ein Beispiel für extreme Wetterbedingungen, denen künftiger häufiger ähnliche folgen könnten, wenn der Treibhauseffekt weltweit die Temperaturen nach oben treibt. Den Fluten vom vergangenen Jahr folgt jetzt ein Sommer, wie es ihn nur selten gab. Der August ist in Europa einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Folgen für die Umwelt sind verheerend: Portugal ist wegen der Waldbrände zum Katastrophengebiet erklärt worden, ganze Wälder brennen auch in Spanien, Südfrankreich oder Russland ab, während die extreme Trockenheit Landwirte vom Atlantik bis Sibirien zur Verzweiflung treibt.

Extreme Trockenheit wie auch Hochwasser könnten bei einer globalen Erwärmung häufiger werden, meinen die Experten des Panel on Climate Change (IPCC). Durch die Emissionen, die den Treibhauseffekt auslösten, könnte die durchschnittliche Temperatur der Erde in den nächsten 100 Jahren 1,4 bis 5,8 Grad Celsius steigen, hieß es in einer Studie des IPCC. Auch die World Meteorological Organisation (WMO) hält es bei einem Klimawechsel für möglich, dass es häufiger zu extremen Wetterlagen kommen könnte. Aber: „Wir haben dafür jetzt nicht genügend Beweise“, sagt der Direktor des WMO-Klimaprogramms,Ken Davidson. Ein oder zwei Ereignisse seien für eine solche Prognose nicht ausreichend.

Einige Experten haben Zweifel, dass es zu einem durch Menschenhand verursachten Klimawechsel überhaupt kommen wird, schon gar nicht jetzt. Es gebe keinen Beweis dafür, dass die im vergangenen Jahrhundert gemessene Erderwärmung um 0,6 Grad Celsius zu häufigeren extremen Wetterbedingungen führen werde, sagt Bill O' Keefe vom Marshall Institute in Washington. „In den letzten 15 Jahren hat es einen Wirbel über bedeutende Klimaveränderungen gegeben und dass dieser durch menschliches Handeln und fossile Brennstoffe verursacht wird und dass wir vor der Apokalypse stehen“, sagt O' Keefe. Dabei hätte 1977 ein Regierungsgremium von Wissenschaftlern in den USA noch eine neue Eiszeit vorhergesagt.

Die unterschiedlichen Lehrmeinungen schlagen sich auch in der Politik nieder. Zweifel an der Theorie der Erderwärmung durch Treibhausgase haben etwa die US-Klimapolitik beeinflusst. Gleich nach der Amtsübernahme von Präsident George W. Bush 2001 kündigten die USA das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase auf. Während etwa europäische Regierungen sich nun darum bemühen, wie sie den Kyoto-Verpflichtungen gerecht werden können, setzt die US-Regierung auf die Forschung, die Unklarheiten in der Klimafrage beseitigen soll. Umweltschützer kritisieren jedoch, dass es dadurch zu Gegenmaßnahmen letztlich zu spät sein könnte. Es gebe bereits jetzt genügend Beweise, die eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes rechtfertige.

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