Nach Panik in Schanghai
China will die Massen stärker kontrollieren

Nach der Massenpanik in Schanghai, bei der 36 Menschen starben, hagelt es Kritik für die Regierung. Zu spät wurden Sicherheitskräfte mobilisiert. Experten fordern die Nutzung von Sozialen Medien zur Warnung vor Gefahren.
  • 0

PekingZwei Tage nach der Massenpanik mit 36 Toten in Schanghai steht die Stadt immer noch unter Schock. „Die Regierung trägt die Schuld, weil da nichts organisiert war“, schreibt eine Nutzerin in ihrem Mikroblog, dem chinesischen Gegenstück zu Twitter. Bürger der Stadt legten am Ort der Katastrophe Blumen ab. Der Bürgermeister schwieg jedoch auch am 2. Januar immer noch zum Unglück.

Kurz vor Mitternacht war es in der Silvesternacht am Ufer des Huangpu-Flusses in einer Masse von ungefähr 300.000 Menschen zu einer Panik gekommen, bei der einige Menschen offenbar im Stehen zerquetscht, andere von der nachrückenden Menge totgetrampelt wurden. Es hat vor allem die Schwachen getroffen: Das jüngste Opfer war ein 12-jähriger Junge, viele waren weibliche Teenager.

Die historische Uferpromenade, der so genannte Bund, ist das ganze Jahr über ein Ziel für Einheimische wie Ausflügler. Nachts ist von hier aus die Lichtschau der Wolkenkratzer im gegenüberliegenden Finanzviertel zu sehen. Deshalb ist der Bund auch ein beliebtes Ziel für Nachtschwärmer an Silvester.

Gerade deshalb stehen nun die Polizei und die Stadtbehörden in der Kritik. Im vergangenen Jahr hatte es hier am Bund eine ähnlich große Ansammlung von Schaulustigen gegeben. Eine geplante Lasershow hat die Stadt deshalb verboten – um nicht zu viele Touristen anzuziehen. Die Polizei hätte also gewarnt sein können.

Dennoch standen dem Ansturm von Zehntausenden von Leuten anfangs nur 700 Polizisten gegenüber. Zugangsbeschränkungen gab es keine. Der Regierung zufolge war nichts organisiert, weil hier offiziell keine Party geplant war – die Leute haben sich spontan eingefunden.

Polizeisprecher Cai Lixin bestritt am Freitag nicht direkt, dass die Mannschaftsstärke vor Ort nicht ausreichte, wies aber auch auf grundsätzliche Probleme der Beamten hin. „Verstärkung war unterwegs, konnte aber wegen der dichten Menschenmenge nicht ins Problemgebiet vordringen.“ Die Polizisten hätten gezögert, die Menge gewaltsam zu teilen, um nicht noch mehr Druck und Unruhe zu erzeugen.

Seite 1:

China will die Massen stärker kontrollieren

Seite 2:

„So eine Katastrophe wäre vermeidbar gewesen“

Kommentare zu " Nach Panik in Schanghai: China will die Massen stärker kontrollieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%