Nach Plädoyers im Missbrauchprozess gegen Popstar fällt Urteil frühestens Montag
Jetzt entscheiden Geschworene über Jackson

Das Schicksal von Popstar Michael Jackson liegt nach den Plädoyers ganz in der Hand des Gerichts. Ein Urteil der Jury im Missbrauchprozess in Santa Maria (Kalifornien) kann frühestens am Montag fallen.

HB SANTA MARIA. Die zwölf Geschworenen hatten am Freitag (Ortszeit) kurz mit ihren Beratungen begonnen, zogen sich aber nach zwei Stunden ohne Ergebnis in ein freies Wochenende zurück. Am Montag werden die acht Frauen und vier Männer zur Fortsetzung der Urteilsfindung wieder im Gericht erwartet. Richter Rodney Melville sagte dem angeklagten Sänger (46), dass er sich im Falle einer Urteilsverkündung innerhalb einer Stunde im Justizgebäude einfinden müsse.

Dies könnte Jacksons „letztes Wochenende in Freiheit sein“, spekulierte ein Prozessbeobachter des Senders FoxNews mit Blick auf einen möglichen Schuldspruch. Der Popstar werde das Wochenende mit seiner Familie auf der Neverland-Ranch verbringen, teilte Jackson- Sprecherin Raymone Bain mit. Der schwierigste Teil, das Warten, habe begonnen. Nach 14 Verhandlungswochen mit 140 Zeugen war der Missbrauchprozess mit den Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung am Freitag zu Ende gegangen. Prozessbeobachter rechnen mit einem Urteil in der kommenden Woche.

Letzter Schlagabtausch in Plädoyers

Staatsanwalt Ron Zonen zeigte der Jury noch einmal Auszüge aus einem Polizeivideo, in dem der damals 13-jährige Junge den angeblichen Missbrauch durch Jackson beschreibt. „Sie haben gerade die sieben schlimmsten Minuten im Lebens des Jungen gesehen“, sagte Zonen. Der Sänger würde immer wieder seinen pädophilen Trieben folgen. „Michael Jackson muss zur Verantwortung gezogen werden“, forderte er die Jury auf.

Jacksons Anwalt Thomas Mesereau hatte das mutmaßliche Opfer in seinem Schlussplädoyer erneut als Lügner und Betrüger dargestellt. Der Junge und dessen Familie planten mit ihren Vorwürfen gegen den Sänger „den größten Betrug ihres Lebens“, führte Mesereau vor der Jury aus. Sie wollten erst einen Schuldspruch erwirken und dann mit einer Zivilklage Millionen aus Jacksons Tasche ziehen. Den Gesetzen zufolge kann der jetzt 15-Jährige, der Jackson des Missbrauchs beschuldigt, bis zu seinem 18. Lebensjahr auf Schadenersatz klagen. Ein Freispruch sei das „einzige richtige Urteil“. „Das Leben, die Zukunft, der Ruf und die Freiheit von Michael Jackson liegen in Ihrer Hand“, so lautete Mesereaus eindringlicher Appell.

Jackson drohen 20 Jahre Haft

Der Popstar soll im Frühjahr 2003 den Jungen auf seiner Neverland- Ranch mehrfach sexuell belästigt, mit Alkohol gefügig gemacht und sein angebliches Opfer und dessen Familie dort festgehalten haben. Im Fall eines Schuldspruchs drohen Jackson mehr als 20 Jahre Haft. Jackson war am Freitag mit ungewöhnlich starker Familien- Unterstützung vor Gericht erschienen. Der 46-Jährige wurde von seinen Eltern und fünf Geschwistern begleitet, darunter Sängerin Janet Jackson, die ihm zuletzt im Februar öffentlich zur Seite stand. Am Vorabend hatte Jackson kurz ein Krankenhaus aufgesucht, wo er Medienberichten zufolge wegen Dehydrierung (Austrocknung) behandelt wurde.

Zum Prozess-Finale gab es keine eindeutigen Urteilsprognosen. Die Meinungen der Kommentatoren waren gespalten. An den Gesichtern der Juroren seien kaum Reaktionen abzulesen gewesen, hieß es. Der Jurist und Prozessbeobachter Daniel Horowitz rechnet jedoch mit einem schnellen Freispruch. Es gehe nur um die Frage „Glauben die Geschworenen dem jungen Mann oder glauben sie Michael?“, sagte er dem Sender MSNBC.

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