Nach Schiffsunglück Mehr als 400 Menschen in China vermisst

Viele Angehörige hoffen noch auf ein Wunder, doch bei der Rettungsaktion nach dem schweren Schiffsunglück in China wird die Hoffnung auf Überlebende mit jeder Stunde geringer. 400 Menschen werden noch vermisst.
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Angehörige drängen zur Unglücksstelle am Jangtse

JianliNach dem Untergang eines kleinen Kreuzfahrtschiffes auf dem Jangtse-Strom in China schwindet die Hoffnung für mehr als 400 weiterhin vermisste Passagiere und Besatzungsmitglieder. Es wird vermutet, dass viele von ihnen im Inneren des Schiffes eingeschlossen sind, das am Montagabend durch einen Zyklon kenterte. Hunderte Rettungskräfte suchten am Mittwoch den Unglücksort nahe Damazhou in der Provinz Hubei ab.

Es wird befürchtet, dass so viele Menschen starben wie seit Jahrzehnten nicht mehr bei einem maritimen Unfall in China. Der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete von bislang 18 Leichen, die bis eineinhalb Tage nach dem Kentern aus dem Wasser gezogen worden seien. 14 Personen wurden bisher gerettet. Insgesamt waren 456 Menschen, überwiegend Ältere, auf dem Kreuzfahrtschiff gewesen.

Das Schiff war am Montagabend von der ostchinesischen Stadt Nanjing in die Millionenmetropole Chongqing weiter westlich unterwegs gewesen. Ein Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern sorgte für sein Kentern.

Stunden nach dem Unglück hörten Retter Hilferufe und Klopfzeichen aus dem Wrack. Hoffnung ruhte auf vermuteten Luftkammern in dem vierstöckigen Schiff, das mit dem Kiel nach oben in der Nähe des Ufers lag und etwa einen Meter aus dem Wasser ragte.

Obwohl die Hoffnung schwand, dass weitere Überlebende geborgen werden, sollten die Einsatzkräfte am Mittwoch weiter aufgestockt werden. Waren am Dienstag noch 13 Marinetaucher im Einsatz, so sollten am Mittwoch 170 weitere dazu kommen. 120 davon kamen laut Behördenangaben bereits in der Nacht zum Mittwoch in der Provinzhauptstadt Wuhan an.

Staatliche Medien hatten bislang von 458 Menschen an Bord berichtet. Diese Zahl korrigierte CCTV am Mittwoch auf 456: Neben 405 chinesischen Passagieren, die überwiegend aus Shanghai stammten, seien fünf Mitarbeiter von Reiseagenturen sowie 46 Besatzungsmitglieder an Bord. Die meisten der Passagiere seien zwischen 50 und 80 Jahre alt.

Schiffsunglücke, bei denen Kapitäne versagt haben
Journalists ask Lee Joon-seok, captain of South Korean ferry "Sewol." questions s Lee walked out of court in Mokpo
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Der Kapitän der havarierten südkoreanischen Fähre „Sewol“ ist wegen Totschlags angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 68-Jährigen Lee Jun Seok unter anderem, gegen die Dienstpflichten und das Seerecht verstoßen zu haben. Er soll zum Unglückszeitpunkt nicht nur eine unerfahrene Offizierin ans Steuer der Fähre, sondern das sinkende Schiff anschließend auch im Stich gelassen haben. Ihm droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Die „Sewol“ war Mitte April 2014 mit 476 Menschen an Bord vor der südkoreanischen Küste gesunken. Über 280 Menschen starben, die meisten Passagiere waren Schüler auf einer Klassenfahrt.

huGO-BildID: 36530988 A South Korean coastguard boat returns from the accident site with relatives of victims who were on board the capsized South Ko
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Die Auto- und Personenfähre war aus ungeklärter Ursache in Seenot geraten und dann innerhalb von drei Stunden fast vollständig gesunken. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden mehr als 100 Tote aus dem gesunkenen Schiff oder im Wasser um das Wrack geborgen, fast 200 der 476 Insassen gelten noch immer als vermisst. Überlebende berichteten, der Kapitän habe das Schiff als einer der ersten verlassen. Zudem war den Passagieren zunächst über Lautsprecher mitgeteilt worden, sich nicht zu rühren – da war das Schiff bereits in starke Seitenlage geraten.

Es ist nicht das einzige Schiffsunglück der jüngsten Zeit, bei dem der Kapitän für die Tragödie verantwortlich gemacht wird...

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Der Untergang der südkoreanischen Fähre weckt Erinnerungen an die „Costa-Concordia“-Tragödie im Januar 2012. Kurz bevor die „Concordia“ vor der Insel Giglio auf Grund lief, feierte Kapitän Francesco Schettino noch mit Freunden. Zwar war er zum Unglückszeitpunkt auf der Brücke, doch ob er tatsächlich die Kontrolle hatte, ist unklar. Experten gehen davon aus, dass das Schiff zu schnell fuhr, als dass ein Crash noch hätte verhindert werden können. Das Kommando zum Zeitpunkt des Unglücks soll eine Untergebene im Rang des dritten Offiziers geführt haben.

huGO-BildID: 35629449 Captain Francesco Schettino arrives for a briefing prior to boarding the wreck of the Costa Concordia cruise ship, just off the
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Schettino muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Auch ihm wird vorgeworfen, das sinkende Schiff frühzeitig verlassen zu haben. Zudem soll die Crew der „Concordia“ ebenfalls zu spät beschlossen haben, das Schiff zu evakuieren. Bei dem Unglück starben 32 Passagiere. Unter den Todesopfern waren auch zwölf Deutsche.

huGO-BildID: 9512308 An approximately 90-foot long gash stretches along the hull of the Cosco Busan as cargo is unloaded in Oakland, Calif., on Satur
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Im November 2007 rammte die „Cosco Busan“ einen Pfeiler der Bay Bridge zwischen San Francisco und Oakland. Aus den aufgerissenen Tanks liefen mehr als 220.000 Liter Öl ins Meer. Mindestens 2000 Vögel starben durch die massive Verschmutzung. Hunderte Helfer und Dutzende Boote waren im im Einsatz, um den Ölteppich einzudämmen und Strände zu säubern. Der Kapitän wurde später zu zehn Monaten Haft verurteilt.

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Kurz nach Verlassen des Hafens nahm das Unglück der „Al Salam Boccaccio 98“ seinen Lauf. Im Fahrzeugdeck brach ein Brand aus, Kohlendioxid-Feuerlöscher waren nicht verfügbar. Um die Flammen zu bekämpfen, soll die Mannschaft viel Wasser an Bord geholt haben – ein fataler Fehler, denn das zusätzliche Gewicht brachte das Schiff im Februar 2006 letztlich zum Kentern. Von den 1.414 an Bord befindlichen Personen starben mehr als 1.000. Die ägyptische Regierung machte den Kapitän für das Unglück verantwortlich, weil er zu spät ein Notsignal gesendet habe.

EXPRESS SAMINA
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81 von rund 560 Menschen an Bord starben bei dem Unglück der „Express Samina“. Die griechische Fähre lief im September 2000 vor der Insel Paros auf ein Riff und sank. Ein Gericht wies Kapitän Vassilis Yiannakisits (hellblaues Shirt) die Schuld zu: Er schaute gemeinsam mit dem zur Schicht eingeteilten ersten Offizier in einer Schiffbar das Fußballspiel Hamburger SV gegen Panathinaikos Athen. Der Schiffsführer wurde wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt.

  • ap
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