Nach Schimpftirade
ZDF trennt sich von Elke Heidenreich

Das ZDF hat Konsequenzen aus der öffentlichen Fernsehschelte der "Lesen!"-Moderatorin gezogen: Weil ein "gedeihliche und sinnvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich" sei, hat der Sender die Zusammenarbeit mit Elke Heidenreich mit sofortiger Wirkung beendet.

dpa HAMBURG. Der Ärger muss sich schon lange in Elke Heidenreich aufgestaut haben, schließlich explodierte er: Ihre Schimpftirade auf das Medium Fernsehen und auf ihren Auftraggeber, das ZDF, hat nun zu Konsequenzen geführt. Das ZDF kündigte die Zusammenarbeit mit der 65-jährigen Moderatorin am Donnerstag "mit sofortiger Wirkung". Doch Heidenreich hat sich schon länger, nicht erst seit ihren verbalen Attacken kurz nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, über das ZDF geärgert. Seit geraumer Zeit führte sie Diskussionen mit dem Sender über einen besseren Programmplatz ihrer Sendung "Lesen!", doch ohne Ergebnis.

Fünf Jahre lang führte Heidenreich sechs Mal jährlich durch ihre Literatursendung. Zwischendurch verlegte das ZDF den Sendeplatz von Dienstag 22.15 Uhr auf den "Aspekte"-Termin am Freitag um 22.35 Uhr. Heidenreich verlor Zuschauer. "Da haben viele Leute, die sich für Literatur interessieren, etwas Besseres zu tun als fernzusehen", sagte sie am Rande der Aufzeichnungen in der Kölner Kinderoper. Die Kultur werde auch von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten viel zu stiefmütterlich behandelt. Das ZDF bestätigte am Donnerstag: Es habe Gespräche mit ihr über den Sendeplatz gegeben - ohne Ergebnis.

Mit diesem Groll im Gepäck saß Heidenreich am Abend des 11. Oktober auf Einladung ihres Senders bei der Fernsehpreisgala im Kölner Coloneum und wurde Zeugin einer Veranstaltung, die Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (88) am Rednerpult als "Blödsinn" bezeichnete. Mit geharnischten Worten beklagte er sich darüber, vier Stunden lang im Saal gehockt zu haben. Reich-Ranicki lehnte den Ehrenpreis für sein Lebenswerk ab. Ob alles ganz anders gekommen wäre, hätte Heidenreich die Laudatio auf Reich-Ranicki halten dürfen? Sie hätte es nach eigenem Bekunden gern gemacht.

Wie lange sie die Wut mit sich herumgeschleppt haben mag, ist nicht bekannt. Klar aber ist, dass sie sie sehr schnell formuliert haben muss. Denn bereits am Sonntag (12. Oktober) war ihr Unmut im Online-Portal von faz.net nachzulesen, einen Tag danach in gedruckter Form in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse", interpretierte sie Reich-Ranicki Gefühlslage. Die nominierten Filme und Serien seien in der Mehrzahl "jämmerlich". "Wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich".

Und weiter: "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde." Sie entschuldige sich "stellvertretend für alle Leidenden an diesen Zuständen bei Reich-Ranicki für diesen unwürdigen Abend". Und dann legte sie in der "Bunten" nach. "Ich finde nicht, dass er nach all diesen Jahren noch ein guter Moderator ist", sagte sie über Thomas Gottschalk, der die Einladung in ihre "Lesen!"-Sendung wegen ihrer Schmäh-Kritik abgesagt hatte. Gottschalk sei ein "müder alter Mann". Sogar Reich-Ranicki beschwerte sich über Heidenreichs Querschläge und nahm Gottschalk in Schutz: "Elke hat sich miserabel benommen. Sie hat noch intrigiert. Sie wollte, dass man Thomas meine Laudatio wegnimmt, um sie selbst zu halten", sagte er der "Bunten".

Mit ihren Äußerungen habe Heidenreich die Ebene einer sachlichen Auseinandersetzung verlassen und das ZDF sowie einzelne seiner Mitarbeiter persönlich in nicht mehr hinzunehmender Weise öffentlich herabgesetzt, sagte Programmdirektor Thomas Bellut am Donnerstag. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem ZDF und Heidenreich sei dadurch so nachhaltig zerstört, dass "eine gedeihliche und sinnvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich" sei. Anstelle der "Lesen!"- Sendungen am 31. Oktober und 5. Dezember wird das Kulturmagazin "Aspekte" ausgestrahlt. Und zur Beruhigung aller Bücherwürmer: Auch nach dem Abtritt Heidenreichs soll es eine Literatursendung im ZDF geben. An einem Nachfolgekonzept für 2009 werde gearbeitet, hieß es.

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